Leise wie ein Landsitz
Der Range Rover bekommt einen rein elektrischen Antrieb und bleibt dabei, was er war: ein komfortables, ruhiges Luxus-SUV mit großer Geländekompetenz. Zwei E-Motoren mit zusammen 399 kW / 542 PS und eine 118,5-kWh-Batterie sollen dafür sorgen, dass die Marke nichts von ihrem Charakter einbüßt. Ob das gelingt, zeigt der Fahrbericht.
Strom und Wasser vertragen sich bekanntlich nicht, so sagt es die Redewendung. Bei einem Range Rover, der durch Flüsse fahren soll, ist das keine Nebensache. Umso gespannter war der Blick auf die erste Elektroversion.

Range Rover Electric: Der Antrieb setzt auf Feingefühl statt auf Brachialgewalt
Zwei Elektromotoren leisten zusammen 399 kW / 542 PS und stellen ein maximales Drehmoment von 850 Nm bereit. Die Maschinen sitzen vorn und hinten, es gibt also keinen separaten Motor an jedem der vier Räder. Eine Batterie mit 118,5 kWh Kapazität ist im gut geschützten Unterboden untergebracht. Mit einem Leergewicht von 2.736 Kilogramm gehört der Wagen zu den schwergewichtigen Vertretern seiner Klasse. Dennoch beschleunigt er in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Bemerkenswerter als der Wert selbst ist die Art, wie er zustande kommt. Die Ingenieure von JLR haben das Drehmoment bewusst nicht schlagartig freigegeben, sondern fein dosiert. Der Antritt fühlt sich kraftvoll an, aber nicht brachial. Wer das Gaspedal tritt, wird mit Souveränität belohnt, ohne dass die typische Ruhe des Range Rover gestört wird. Das passt zu einem Fahrzeug, dessen Reiz nie in Bestzeiten lag. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h. Das ist ein Wert, den der Bericht als eher zurückhaltend einstuft, im Alltag aber kaum eine Rolle spielen dürfte.
Zur Einordnung: Mit zwei Motoren und ohne Radmodule an jedem Rad geht der Range Rover Electric technisch einen vergleichsweise unspektakulären Weg. Entscheidend ist, dass daraus im Fahrbetrieb keine spürbaren Nachteile erwachsen. Für das hohe Gewicht von über 2,7 Tonnen entscheidet die feine Dosierung der Kraft darüber, ob der Antrieb zum Charakter der Baureihe passt. Der Fahrbericht beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja.
Fahrwerk und Lenkung: Komfort auf hohem Niveau, Lenkgefühl mit kleinem Makel

Der Fahrkomfort gehört zu den größten Stärken des elektrischen Range Rover. Die Federung arbeitet so geschmeidig, wie man es von der Marke erwartet. Bemerkenswert ist zudem die Kontrolle der Karosserie bei Unebenheiten, wenn man das hohe Gewicht und den Luxusanspruch bedenkt. Auch bei flotter Fahrt über kurvenreiche Landstraßen im Dynamic-Modus wirkt der Wagen weder ungelenk noch hölzern. Die Karosseriebewegungen bleiben spürbar, doch sie fallen angenehm und kontrolliert aus. Man kann also Schwung mitnehmen und das Auto fließen lassen.
Kritik gibt es an der Lenkung. Sie arbeitet präzise und bringt genug Gewicht mit, um das Fahrzeug sicher zu positionieren. Eine direkte Rückmeldung über das Lenkrad bleibt jedoch weitgehend aus. Für versierte Fahrer ist das ein Wermutstropfen. Für die Zielgruppe eines Komfort-SUV fällt er allerdings kaum ins Gewicht.
Im Gelände: Zwei Motoren genügen für Schlamm, Spurrillen und Wasser

Zwei Motoren statt vier erschienen zunächst ungewöhnlich für ein Fahrzeug, dessen Ruf auf überragender Geländegängigkeit beruht. Ein Test in Schottland hat jedoch Bedenken schnell zerstreut. Gefahren wurde nicht auf einer präparierten Strecke, sondern über steile, schlammige Anstiege, durch tiefe Spurrillen und sumpfige Abschnitte, am Ende sogar durch einen Fluss.
Dahinter steht ein integriertes Traktionsmanagement, das nach Herstellerangaben bereits nach 50 Millisekunden auf durchdrehende Räder reagiert. Der Range Rover Electric bewältigt Steigungen von bis zu 45 Grad und durchfährt Wasser von 90 Zentimetern Tiefe. Beeindruckend ist vor allem, wie mühelos sich das anfühlt. Die Ruhe, die auf der Straße gilt, bleibt auch im unwegsamen Terrain erhalten, selbst bei zügigem Tempo. Das spricht dafür, dass die Elektrifizierung der Geländefähigkeit nicht im Weg steht.
Batterie, Reichweite und Laden: Zwischen 500 und 600 Kilometern

Bei der Reichweite lohnt ein genauer Blick auf die Quellen. Das Datenblatt nennt 600 Kilometer, ohne das Messverfahren zu erläutern. Im realen Fahrbetrieb spricht der Bericht von 530 Kilometern. Im Comfort-Modus halten die Tester knapp 500 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp für realistisch. Reichweitenängste dürften damit eher in den Hintergrund treten.
Zu diesem Eindruck trägt das 800-Volt-System bei. JLR gibt an, dass sich die Batterie mit bis zu 350 kW in etwa 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden lässt. Angaben zum Laden mit Wechselstrom nennt der Bericht nicht. Wer häufig zu Hause lädt, sollte diese Daten beim Händler erfragen.
Plattform, Design und Bedienung: Elektro ohne Show, Touchscreen mit Schwächen

Dass sich der Antrieb so natürlich anfühlt, hat mit der Plattform zu tun. Die Architektur des Range Rover war von Beginn an darauf ausgelegt, neben Verbrennern und Plug-in-Hybriden auch elektrische Antriebe aufzunehmen. Batterie und Motoren sind daher integraler Bestandteil der Plattform und nicht in ein dafür ungeeignetes Konzept gezwängt worden.
Auch optisch geht der Range Rover Electric einen anderen Weg als etwa der Porsche Cayenne Electric, der seine neue Technik betont. Abgesehen von Kühlergrill, Felgen und dezenten aerodynamischen Details ist er vom Rest der Modellfamilie kaum zu unterscheiden. Design, Sitzposition, Fahrkomfort und Charakter bleiben dadurch unverkennbar Range Rover.
Weniger überzeugend ist die Bedienung. Nahezu alles im Innenraum wird über den zentralen Touchscreen gesteuert, sodass physische Tasten für häufig genutzte Funktionen fehlen. Manche Menüs verlangen unnötiges Scrollen, und die Sprachsteuerung kann Teile des Systems zwar umgehen, arbeitet aber nicht fehlerfrei. Für viele Käufer dürfte dies zweitrangig bleiben, denn der Gesamteindruck überzeugt: Geräuscharmer Antrieb, fein dosiertes Drehmoment und außergewöhnliche Laufruhe wirken nicht wie Kompromisse, sondern wie Qualitäten, die zum Range Rover passen.
Einschätzung: Für wen der Range Rover Electric gedacht ist

Der elektrische Range Rover richtet sich an Käufer, die von der Baureihe vor allem Ruhe, Komfort und souveräne Fahrleistungen erwarten und den Verbrenner dafür nicht vermissen. Der Bericht geht davon aus, dass sich kaum ein Käufer nach dem Benziner oder Plug-in-Hybriden sehnt, sobald er die Ausfahrten im Gelände erlebt hat. Das ist ein bemerkenswertes Urteil, denn die Marke lebt von der Geländegängigkeit und von einem ruhigen Fahrcharakter, und beides soll der Elektroantrieb bewahren.
Wichtig für die Kaufentscheidung sind drei Punkte. Erstens die Reichweite: Je nach Fahrweise sind 500 bis 530 Kilometer realistisch, der Datenblattwert von 600 Kilometern dürfte eher die Obergrenze markieren. Zweitens das Laden: Die schnelle DC-Ladung an leistungsfähigen Säulen ist laut Hersteller möglich, die Angaben zum Laden mit Wechselstrom fehlen. Drittens die Bedienung: Wer viele physische Tasten schätzt, sollte das Touchscreen-Konzept vorab im Stand und unterwegs ausprobieren.
Dass der Elektroantrieb in diesem Fall das Produkt nicht verwässert, sondern ergänzt, ist die eigentliche Botschaft. Die Qualitäten, die der Range Rover schon immer ausstrahlen sollte, treten mit Strom deutlicher hervor: Stille, feines Drehmoment und Laufruhe.
Preis des Range Rover Electric
Der Range Rover Electric startet bei 163.500 Euro. Das ist ein Preis, der zur Positionierung der Baureihe passt, aber hohe Erwartungen weckt. Dafür bekommt man einen leisen, souveränen Antrieb, ausgeprägten Komfort und eine Geländekompetenz, die in dieser Form kaum ein anderes Elektro-SUV bieten dürfte, wie die Erfahrungen in Schottland nahelegen. Wer im Alltag viel Wert auf physische Bedienelemente legt, sollte vor der Bestellung ausgiebig probesitzen.
Technische Daten: Range Rover Electric
- Motor: Elektro, vorn / hinten
- Leistung: 399 kW / 542 PS
- Max. Drehmoment: 850 Nm
- Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
- Beschleunigung 0–100 km/h: 4,5 Sekunden
- Batteriepaket: 118,5 kWh, 800-Volt-Technik
- Reichweite: 600 km laut Datenblatt (im realen Fahrbetrieb 530 km laut Bericht)
- Leergewicht: 2.736 kg
- Ladevolumen: 1.050 bis 2.235 Liter
- Ladegeschwindigkeit: max. 350 kW, 10–80 Prozent in 22 Minuten
- Wattiefe: 90 Zentimeter
- Steigfähigkeit: bis zu 45 Grad
- Preis: ab 163.500 Euro













