Wer erwartet, dass mit dem Namenswechsel auch der große technische Sprung kommt, wird eher an die Redewendung „neuer Wein in alten Schläuchen“ erinnert. Ganz so hart fällt das Urteil nicht aus, denn Optik und Innenraum verbessern sich spürbar, nur beim Laden bleiben Fragen offen.
Alter Baukasten, neuer Name
Mit dem ID.Tiguan ersetzt Volkswagen die elektrischen Zwillinge ID.4 und ID5. durch ein einziges Mittelklasse-SUV mit bekanntem Namen. Das 4,62 Meter lange Modell setzt auf ein gefälligeres Design und höherwertige Materialien, behält aber die Technik der MEB-Plattform bei. Das Kernversprechen: mehr Wertigkeit, weniger Zahlensalat.

Namensstrategie: Bekannte Marken kommen in die Elektropalette
Nach dem ID.Polo, der aus dem ID.2 hervorging, folgt nun der ID.Tiguan. Volkswagen überträgt damit etablierte Modellnamen auf seine Elektrofahrzeuge und ersetzt gleichzeitig zwei Baureihen durch eine. Die Vorgänger ID.4 und ID.5 kamen bislang auf über 900.000 verkaufte Fahrzeuge.
Der Tiguan selbst wurde seit 2007 mehr als 8,3 Millionen Mal verkauft und ist damit aktuell das meistverkaufte Volkswagen-Modell der Welt. Der ID.Tiguan ist ab Anfang 2027 verfügbar.

Design und Innenraum: Spürbar wertiger
Innen wie außen soll der ID.Tiguan schicker, gefälliger und wertiger wirken als seine Vorgänger. Die digitalen Instrumente erinnern, wie schon im ID.Polo, an die erste Golf-Generation nach der damaligen Modellpflege. Im neuen elektrischen Tiguan ist nun auch noch eine Anzeigevariante im Stil des Golf IV von 1997 mit der charakteristischen blauen Beleuchtung wählbar.
Zur Ausstattung zählen den Angaben nach hochwertigere Oberflächen sowie ein großes Zentraldisplay samt Beifahrerbildschirm. Eine Bewertung der Materialqualität im Detail ist ohne Probesitzen noch nicht möglich, die Richtung stimmt aber.

Basisantrieb: 190 PS mit kleinem LFP-Akku
Die Leistungsdaten kennt man von den anderen Konzernmodellen auf gleicher Plattform. Die Basisversion leistet zunächst 140 kW / 190 PS und ist an einen 61-kWh-Akku in LFP-Technik gekoppelt. Geladen wird mit maximal 105 kW, ähnlich wie im neuen Audi A2 e-tron. Das ist für heutige Verhältnisse ein eher knapper Wert, auch wenn er für kurze Standzeiten im Alltag durchaus genügen kann.

Stärkere Varianten: 286 und 299 PS mit NMC-Akku
Die beiden stärkeren Versionen leisten 210 kW / 286 PS mit Hinterradantrieb oder 220 kW / 299 PS mit Allradantrieb. Beide nutzen einen 84 kWh großen NMC-Akku zwischen den Achsen. Das Ladetempo bleibt mit höchstens 165 kW allerdings moderat, zumal viele Schnelllader 300 bis 400 kW bereitstellen. Auch die Höchstgeschwindigkeit wird mit 180 km/h früh abgeregelt. Die Reichweite liegt je nach Batteriepaket und Motorleistung zwischen 450 und 600 Kilometern.

Ausblick: GTI und R sollen Dynamik nachliefern
Wer die Leistungsdaten im Vergleich zur internationalen Elektrokonkurrenz kritisiert, dürfte bald Antworten bekommen. Nach dem Vorbild von Skoda soll eine neue GTI-Version mit mindestens 250 kW / 340 PS den bisherigen ID5 GTX ersetzen. Später könnte zudem eine R-Version mit mehr als 400 PS folgen, die auch auf der Autobahn nicht unterhalb von 200 km/h eingebremst wird. Beides ist derzeit eine Erwartung und keine bestätigte Planung.

Großzügiges Platzangebot für das Gepäck
Das Ladevolumen des ID.Tiguan beträgt 534 bis 1.577 Liter und bleibt damit stattlich. Gefertigt werden die elektrischen Europa-Versionen im viel diskutierten Werk Emden, Verbrenner bleiben in Wolfsburg. Das Antriebsangebot der Baureihe reicht damit über Elektro hinaus bis zu Benziner, Diesel, Hybrid und Plug-in-Hybrid.

Preis des VW ID.Tiguan
Eine Preisangabe liegt aktuell nicht vor. Der Marktstart ist für Anfang 2027 vorgesehen, bis dahin dürfte Volkswagen die Preisliste veröffentlichen.
Technische Daten: VW ID.Tiguan
- Segment: Mittelklasse-SUV
- Länge: 4,62 m
- Plattform: MEB
- Basisversion: 140 kW / 190 PS, 61-kWh-LFP-Akku, DC-Laden max. 105 kW
- Mittlere Version: 210 kW / 286 PS, Hinterradantrieb, 84-kWh-NMC-Akku
- Topversion: 220 kW / 299 PS, Allradantrieb, 84-kWh-NMC-Akku
- DC-Laden (stärkere Varianten): max. 165 kW
- Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h (abgeregelt)
- Reichweite: je nach Variante 450 bis 600 km
- Ladevolumen: 534 bis 1.577 Liter
- Produktion: Elektro in Emden, Verbrenner in Wolfsburg
- Marktstart: ab Anfang 2027
- Preis: noch nicht bekannt













