Fahrbericht: Hyundai Staria Electric

218 PS, 430 km Norm-Reichweite, bis zu 256 kW Ladeleistung und viel Platz für bis zu neun: Der neue Hyundai Staria Electric im Fahrbericht.

Der Hyundai Staria Electric bringt den auffälligen Großraum-Van erstmals mit Elektroantrieb auf die Straße. Er richtet sich an Shuttledienste, Hotels, Taxiunternehmen und Großfamilien. Seine Stärken sind Platz, Ladetempo und Komfort in Reihe zwei.

Die vergessene Fahrzeugklasse

Volkswagen, Stellantis und Ford haben das Van-Geschäft einst dominiert, sich mit einigen liebloser Modellen aber Schwächen erlaubt. Die entstandene Lücke eröffnet den Herstellern aus Asien neue Möglichkeiten. Neben dem Modelldruck aus China machen vor allem die beiden südkoreanischen Hersteller Hyundai und Kia mächtig Druck, was nicht nur beim Van-Doppelpack aus Kia PV5 und PV7 deutlich wird, sondern auch beim Hyundai Staria.

Den 5,25 Meter langen Van gibt es mittlerweile nicht mehr als Verbrenner, sondern nur noch mit Elektroantrieb. Dadurch dürften sich noch mehr Taxifahrer, Hotels und Shuttledienste für ihn entscheiden, denn die Betriebskosten sind entsprechend geringer. Handwerker und Lieferdienste bekommen ihn zusätzlich als „Cargo“ genannten Transporter.

Von außen unterscheidet sich der Electric nicht von den alten Modellen mit Benzinantrieb. Die tief liegenden LED-Scheinwerfer sind unverändert Geschmackssache. In Sachen Praktikabilität ist der Staria dagegen kaum zu schlagen.

Calligraphy-Ausstattung: In Reihe zwei reist man wie in der Business Class

Wer sich für die Edelversion Calligraphy entscheidet, bekommt vorn elektrische und klimatisierte Sitze. Noch beeindruckender ist die zweite Reihe: Zwei Einzelsitze mit Nappaleder lassen sich umfangreich elektrisch verstellen, beheizen und kühlen. Ein ausfahrbares Element für die Waden sorgt für eine entspannte Schlafposition. Dass nur die Passagiere schlafen dürfen, ist verschmerzbar, denn der Fahrer sitzt immerhin selbst bequem.

Das Panoramadach bringt auf Knopfdruck viel Licht ins Innere. In der Calligraphy lässt es sich per Jalousie elektrisch verschatten, was bei Regen und kühlen Temperaturen für Wohlfühlatmosphäre sorgt. Das vordere Glasdach hat eine manuell zu bedienende Blende, lässt sich aber elektrisch öffnen, was heute in Zeiten der festen Panoramadächer keine Selbstverständlichkeit mehr ist.

Platzangebot und Variabilität: 831 bis 1.303 Liter, auf Wunsch neun Sitze

Der Radstand misst 3,27 Meter, das Platzangebot ist mehr als großzügig, und die Ablagen sind umfangreich. Die Einzelsitze lassen sich komplett umklappen oder verschieben. In Reihe drei steht eine Sitzbank, die drei Personen Platz bietet. Je nach Position der Rücksitze liegt das Ladevolumen zwischen 831 und 1.303 Litern, bei entfernten Sitzen entsprechend mehr. Wer lieber eine Bank statt Einzelsitze im Fond möchte, kann den Staria auch als Neunsitzer ordern: Denn sogar in der ersten Reihe gibt es dann drei, zugegebenermaßen eher schmale, Sitzplätze.

Zum Ausstattungsumfang gehört eine getrennte Klimaregelung im Fond, deren Bedienung rechts im Dach allerdings schwer einsehbar ist. Zahlreiche USB-Ports sorgen dafür, dass die Mitreisenden während der Fahrt digital beschäftigt sind. Schiebetüren und Heckklappe lassen sich in den höheren Ausstattungsversionen elektrisch bedienen, bei den Handwerkerversionen öffnet man sie mit leichtem Griff von Hand. Der Frunk ist mit 24 Litern überschaubar und praktisch zu vernachlässigen.

Antrieb und Fahrwerk: 218 PS reichen, die Lenkung schweigt

Der Elektroantrieb passt perfekt zum Korea-Van. Die Leistung von 160 kW (218 PS) und das maximale Drehmoment von 350 Nm an der Vorderachse sind alles andere als üppig, genügen aber, um den Transporter flott in der Stadt und auf der Landstraße zu bewegen. Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt der Staria in 9,5 Sekunden. Auch auf der Autobahn überzeugt der knapp 2,7 Tonnen schwere Van: Anders als mancher Wettbewerber wird er erst bei 184 km/h abgeregelt, während der Tacho fast schon sportliche 191 km/h anzeigt.

Das schwere Batteriepaket sorgt für einen angenehm niedrigen Schwerpunkt, der sich im Fahrbetrieb positiv bemerkbar macht. Schade ist, dass es den Elektro-Staria nicht mit Allradantrieb gibt, denn gerade viele Shuttledienste möchten ihre Fahrzeuge im Winter besonders gut gerüstet wissen. Die Lenkung liefert wenig Rückmeldung von der Fahrbahn, und die Dämpfung könnte die hoch aufbauende Karosse feinfühliger abstützen. Das dürfte die meisten Kunden jedoch kaum stören.

Akku und Laden: 84 kWh und 800 Volt verkürzen die Pause

Die 84-kWh-Batterie sorgt für eine Normreichweite von 430 Kilometern. Der Normverbrauch liegt bei 21,8 kWh pro 100 Kilometer. Das 800-Volt-Bordnetz garantiert kürzere Ladezeiten: Von 10 auf 80 Prozent lädt der Akku mit bis zu 256 kW in 20 Minuten. Das ist für Shuttledienste, bei denen die Wartezeit Geld kostet, ein wichtiges Argument.

Preis des Hyundai Staria Electric

Der Hyundai Staria Electric kostet als 9-Sitzer ab 57.450 Euro. Die Edelversion Calligraphy mit 7-Sitzen, Nappaleder, Panoramadach und Jalousien steht mit 66.950 Euro in der Liste. Ein Allradantrieb ist nicht verfügbar.

Technische Daten: Hyundai Staria Electric

  • Antrieb: Elektromotor an der Vorderachse (Frontantrieb)
  • Leistung: 160 kW (218 PS)
  • Max. Drehmoment: 350 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 184 km/h
  • Beschleunigung 0–100 km/h: 9,5 Sekunden
  • Akku: 84 kWh
  • Max. Ladeleistung: 256 kW (10–80 Prozent in 20 Minuten)
  • Normverbrauch: 21,8 kWh/100 km
  • Normreichweite: 430 km
  • Leergewicht: 2.660 kg (Zuladung 610 kg)
  • Länge: 5,25 m, Radstand: 3,27 m
  • Ladevolumen: 831 bis 1.303 Liter, Frunk 24 Liter
  • Preis: ab 57.450 Euro (Calligraphy: 66.950 Euro)
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