Welche Modelle sich 2027 noch lohnen
Kurz & knapp: Wer 2027 ein Kompakt-SUV mit Dieselmotor kaufen will, hat noch die Wahl zwischen sechs Baureihen: VW Tiguan, Skoda Karoq, Audi Q3, BMW X1, Hyundai Tucson und Kia Sportage. Mercedes, Opel, Ford, Peugeot, Mazda, Dacia, Nissan und Toyota bieten in dieser Klasse keinen Selbstzünder mehr an. Ob sich der Diesel rechnet, hängt stärker denn je an der Jahresfahrleistung: Weil Diesel an der Zapfsäule derzeit teurer ist als Benzin, trägt sich der Mehrpreis erst ab etwa 20.000 Kilometern im Jahr.
Die Auswahl ist klein geworden
Der Dieselanteil an den deutschen Neuzulassungen lag im Juli 2026 bei 11,8 Prozent, ein Rückgang von 21,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Zum Vergleich: Anfang des Jahrtausends war fast jeder zweite Neuwagen ein Diesel. Eine Einschränkung gehört dazu: Das Kraftfahrt-Bundesamt zählt Mildhybride als Hybride, auch wenn ein Dieselmotor darin arbeitet. Der tatsächliche Anteil an Selbstzündern liegt deshalb etwas höher als die Statistik ausweist.
Im Kompaktsegment hat sich das Angebot in den vergangenen zwei Jahren deutlich ausgedünnt. Diese Modelle bieten aktuell noch einen Diesel an:
| Modell | Motorisierung | Listenpreis ab (Stand 08/2026) |
|---|---|---|
| VW Tiguan | 2.0 TDI, 150 PS (Frontantrieb) oder 193 PS (Allrad) | 41.640 Euro |
| Skoda Karoq | 2.0 TDI, 115 PS oder 150 PS (Allrad möglich) | Baureihe ab 33.930 Euro |
| Audi Q3 | 2.0 TDI, 150 PS (Frontantrieb) oder 193 PS (quattro) | rund 48.400 Euro |
| BMW X1 | sDrive18d bis xDrive23d, 150 PS aufwärts | Baureihe ab 42.800 Euro |
| Hyundai Tucson | 1.6 CRDi 48V, 136 PS | 39.600 Euro |
| Kia Sportage | 1.6 CRDi 48V, 136 PS | rund 37.400 Euro |
Ausgeschieden sind: Mercedes GLA und GLB, die in ihren neuen Generationen ausschließlich elektrisch starten und ab 2027 mit Benzin-Mildhybriden ergänzt werden. Opel Grandland, Peugeot 3008 und Ford Kuga führen ebenfalls keinen Diesel mehr. Der Seat Ateca lief zum Jahresbeginn 2026 aus, verfügbar sind nur noch Restbestände. Cupra Terramar, Nissan Qashqai, Mazda CX-5, Dacia Duster, Renault Austral, Jeep Compass und Toyota RAV4 hatten in ihren aktuellen Generationen nie einen Selbstzünder oder haben ihn gestrichen. Außerhalb der reinen Kompaktklasse bleibt der Alfa Romeo Tonale beim Diesel; Alfa Romeo hat die Bestellbarkeit der Dieselversionen von Giulia und Stelvio bis Ende 2027 verlängert.
Was der Diesel 2027 kostet
Der klassische Rechenvorteil des Diesels beruhte auf zwei Säulen: geringerer Verbrauch und günstigerer Kraftstoff. Die zweite Säule ist derzeit weggebrochen.
Nach der ADAC-Auswertung vom 26. August 2026 kostet ein Liter Diesel im bundesweiten Mittel 2,248 Euro, ein Liter Super E10 dagegen 2,155 Euro. Der Diesel ist damit rund 9 Cent je Liter teurer als Benzin. Ursache ist eine Kette von Ereignissen: Mit Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 stiegen die Kraftstoffpreise stark an, der April 2026 war der teuerste Tankmonat seit Beginn der Aufzeichnungen, und im August verteuerte das Niedrigwasser auf dem Rhein den Transport zusätzlich. Die befristete Senkung der Energiesteuer um rund 17 Cent brutto lief am 30. Juni 2026 aus.
Ob dieses Verhältnis bis 2027 Bestand hat, lässt sich nicht seriös vorhersagen. Zwei Faktoren stehen aber fest oder sind absehbar:
Kfz-Steuer. Für Diesel-Pkw fallen 9,50 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter Hubraum an, für Ottomotoren nur 2,00 Euro. Hinzu kommt bei beiden der CO₂-Anteil. Für einen Zweiliter-Diesel bedeutet das allein aus dem Hubraum 190 Euro pro Jahr.
CO₂-Preis. Seit dem 1. Januar 2026 bildet sich der nationale CO₂-Preis über Versteigerungen in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro je Tonne. Das Kabinett hat im August 2026 eine Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes auf den Weg gebracht, die diesen Korridor auch für 2027 festschreibt. Ein sprunghafter Anstieg ist für das Kaufjahr 2027 damit nicht zu erwarten. Der europäische Emissionshandel ETS 2 startet nach aktuellem Stand 2028.
Offen bleibt die Debatte um den niedrigeren Energiesteuersatz für Diesel, derzeit 47,04 Cent je Liter gegenüber 65,45 Cent bei Benzin. Eine Angleichung würde Diesel rechnerisch um rund 18 Cent je Liter verteuern. Beschlossen ist nichts, das Thema steht aber seit Jahren auf der politischen Tagesordnung. Wer heute eine Kaufentscheidung über eine Haltedauer von acht oder zehn Jahren trifft, sollte dieses Risiko einkalkulieren.
Die Rechnung: ab wann sich der Diesel rechnet

Wir haben den Vergleich beispielhaft für den VW Tiguan durchgerechnet, das meistverkaufte Kompakt-SUV in Deutschland und mit 10.560 Diesel-Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2026 zugleich das meistverkaufte Diesel-SUV. Gegenübergestellt sind der 2.0 TDI mit 150 PS und der 1.5 eTSI mit vergleichbarer Leistung.
| Kriterium | 2.0 TDI (150 PS) | 1.5 eTSI (150 PS) |
|---|---|---|
| Verbrauch WLTP | 5,3 bis 5,5 l/100 km | rund 6,2 bis 6,4 l/100 km |
| Kraftstoffkosten je 100 km (WLTP) | 12,36 Euro | 13,58 Euro |
| Angenommener Praxisverbrauch | 6,0 l/100 km | 7,5 l/100 km |
| Kraftstoffkosten je 100 km (Praxis) | 13,49 Euro | 16,16 Euro |
| Kfz-Steuer pro Jahr | rund 287 Euro | rund 139 Euro |
Die Kraftstoffkosten beruhen auf den ADAC-Durchschnittspreisen vom 26. August 2026. Die Kfz-Steuer haben wir nach den geltenden Sätzen selbst berechnet: 1.968 Kubikzentimeter und 140 g CO₂/km beim Diesel, 1.498 Kubikzentimeter und 145 g CO₂/km beim Benziner. Die Praxisverbräuche sind Annahmen für gemischtes Fahrprofil mit hohem Autobahnanteil.
Daraus ergibt sich: Auf WLTP-Basis spart der Diesel 1,22 Euro je 100 Kilometer. Nach Abzug der höheren Kfz-Steuer bleiben bei 20.000 Kilometern im Jahr rund 96 Euro Vorteil übrig. Bei den angenommenen Praxisverbräuchen fällt die Ersparnis größer aus: 2,67 Euro je 100 Kilometer, nach Steuer rund 386 Euro pro Jahr bei 20.000 Kilometern und rund 653 Euro bei 30.000 Kilometern.
Der Aufpreis für den Diesel gegenüber einem vergleichbar motorisierten Benziner liegt je nach Modell und Ausstattungslinie zwischen etwa 1.500 und 3.000 Euro. Bei 2.000 Euro Mehrpreis und 20.000 Kilometern Jahresfahrleistung amortisiert sich der Diesel unter Praxisbedingungen nach gut fünf Jahren, bei 30.000 Kilometern nach gut drei. Wer weniger als 15.000 Kilometer im Jahr fährt, holt den Aufpreis über die üblichen Haltedauern nicht mehr herein. Ein Motorentipp bleibt der Diesel dagegen für Gespannfahrer: Der Tiguan zieht bis zu 2,3 Tonnen, der Karoq mit 150-PS-TDI und Allrad 2,1 Tonnen, der Kia Sportage als Handschalter mit Frontantrieb 1.950 Kilogramm.
Euro 7: Warum der Kaufzeitpunkt 2027 eine Rolle spielt
Zwei Termine sind für Käufer relevant. Ab dem 29. November 2026 gilt Euro 7 für die Typgenehmigung neuer Pkw-Modelle. Ab dem 29. November 2027 müssen alle neu zugelassenen Pkw die Norm erfüllen.
Für die Abgaswerte selbst ändert sich beim Diesel weniger, als der Namenssprung vermuten lässt: Die Grenzwerte auf dem Prüfstand bleiben gegenüber Euro 6 weitgehend unverändert. Neu sind Vorgaben für Brems- und Reifenabrieb, längere Haltbarkeitsanforderungen an die Abgasreinigung sowie zusätzliche Dokumentationspflichten. Partikelgrenzwerte gelten künftig für alle Ottomotoren, nicht mehr nur für Direkteinspritzer.
Praktisch bedeutet das: Ein Fahrzeug, das 2027 vor Ende November zugelassen wird, kann noch nach Euro 6e eingestuft sein. Wer im zweiten Halbjahr 2027 bestellt, sollte die Lieferzeit im Blick behalten und beim Händler klären, ob das konkrete Fahrzeug noch nach altem oder schon nach neuem Recht zugelassen wird. Für Bestandsfahrzeuge ändert sich nichts, eine Nachrüstpflicht besteht nicht. Ein Euro-6d-Diesel bleibt ein Euro-6d-Diesel.
Ebenfalls einzuplanen: Skoda hat für den Jahreswechsel 2027/2028 die zweite Generation des Karoq angekündigt. BMW überarbeitet den X1 voraussichtlich Ende 2026 oder 2027 und hat die Produktion der Verbrennerversion bis 2033 verlängert. Wer auf Rabatte in der Auslaufphase spekuliert, findet dort Ansatzpunkte.
Fahrverbote und Wiederverkauf
Moderne Diesel sind von Fahrverboten nicht betroffen. Die verbliebenen Beschränkungen in München, Stuttgart und Darmstadt sowie einzelne streckenbezogene Verbote in Hamburg, Berlin und Köln richten sich gegen Euro 4 und Euro 5. Kein aktuelles Verbot betrifft Euro 6. Zahlreiche Städte haben ihre Zonen nach besseren Luftwerten wieder aufgehoben. Die EU hat allerdings strengere Luftqualitätsgrenzwerte beschlossen, die gegen Ende des Jahrzehnts greifen. Neue kommunale Regeln sind damit nicht ausgeschlossen.
Beim Restwert wirkt das schrumpfende Angebot in beide Richtungen. Weil kaum noch neue Diesel auf den Markt kommen, bleiben die Preise für junge Gebrauchte stabil. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Käufer, die überhaupt einen Selbstzünder in Betracht ziehen. Eine belastbare Prognose über acht Jahre lässt sich daraus nicht ableiten.
Fazit
Der Diesel lohnt sich im Kompakt-SUV-Segment 2027 für einen klar umrissenen Kreis: Vielfahrer ab etwa 20.000 Kilometern im Jahr, Gespannfahrer und alle, die regelmäßig lange Strecken ohne Zwischenstopp zurücklegen. Ein Tankinhalt reicht bei diesen Fahrzeugen für 800 bis 1.000 Kilometer.
Für alle anderen ist die Rechnung heute schlechter als noch vor drei Jahren. Der Kraftstoff ist teurer als Benzin, die Kfz-Steuer höher, der Anschaffungspreis ebenfalls. Wer unter 15.000 Kilometer im Jahr fährt und zu Hause laden kann, findet in derselben Fahrzeugklasse günstigere Lösungen.
Unter den verbliebenen Modellen bieten Hyundai Tucson und Kia Sportage den günstigsten Einstieg, allerdings mit 136 PS die schwächsten Motoren. Der VW Tiguan deckt mit 150 und 193 PS und bis zu 2,3 Tonnen Anhängelast das breiteste Einsatzspektrum ab. Der Skoda Karoq ist die einzige Baureihe der Auswahl, die keinerlei Elektrifizierung anbietet, dafür einen echten Allradantrieb bereits ab der Basisausstattung. Audi Q3 und BMW X1 stehen für das Premiumsegment mit entsprechenden Preisen.
Titelbild: KI-generiert
Transparenzhinweis: Alle Preise sind Listenpreise für den deutschen Markt mit Stand August 2026 und können sich kurzfristig ändern. Die Kfz-Steuerbeträge hat die Redaktion nach den geltenden Sätzen selbst berechnet, die Praxisverbräuche im Rechenbeispiel sind gekennzeichnete Annahmen. Für diesen Beitrag wurden keine Fahrzeuge von Herstellern zur Verfügung gestellt.
Quellen: Kraftfahrt-Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 32/2026 vom 6. August 2026; ADAC Kraftstoffpreis-Auswertung vom 26. August 2026; Verordnung (EU) 2024/1257 (Euro 7); Bundesfinanzministerium zur befristeten Energiesteuersenkung; Herstellerangaben und Preislisten von Audi, BMW, Hyundai, Kia, Skoda und Volkswagen.

