Reportage: Mercedes-AMG GT SUV Prototyp

Prototypenfahrt im Mercedes-AMG GT SUV: Antriebsarchitektur, Batteriekonzept und erste Fahreindrücke vor der Weltpremiere im Oktober.

Der Zweite auf der Liste

Zwei elektrische Sportwagen-Plattformen brauchte Mercedes-AMG nicht. Eine reicht, wenn sie AMG.EA heißt und flexibel genug ausgelegt ist. Nach dem viertürigen AMG GT folgt nun mit dem AMG GT SUV das zweite Modell auf dieser Basis.

Vor der für Mitte Oktober angekündigten Weltpremiere durfte auto-test-und-technik.de auf einem abgesperrten Teilstück an der amerikanischen Westküste mitfahren, während Entwicklungsingenieur René Szeczepek den getarnten Prototypen bewegte.

Ein SUV mit deftiger Performance-Ansage

Dass der elektrische AMG-Zuwachs als SUV kommt, überrascht niemanden, der sich die Verkaufszahlen der Konkurrenz ansieht. Audi, Porsche, Tesla und Xiaomi bieten allesamt bereits elektrische Kraft-SUVs an, teils schon seit Jahren.

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Mercedes-AMG reagiert mit einer Aufstellung, die von einer moderat motorisierten Einstiegsversion bis zu einer Topvariante mit bis zu 860 kW / 1.169 PS reicht – zumindest ist das der Stand, der sich aus den bisherigen Aussagen der Entwicklungsmannschaft ableiten lässt, denn eine offizielle Bestätigung aller Leistungsstufen steht noch aus.

Antriebsarchitektur: Zwei Motoren hinten, einer vorn

Technisch orientiert sich der AMG GT SUV eng am viertürigen Geschwistermodell. An der Hinterachse sitzt die sogenannte High Performance Electric Drive Unit: zwei Axial-Fluss-Motoren, zwei Siliziumkarbid-Inverter und ein kompaktes Eingang-Planetenradgetriebe sorgen für den Hauptantrieb.

Vorn übernimmt ein einzelner Axial-Fluss-Motor mit Stirnradgetriebe, ergänzt um eine Kupplung, die den Vorderachsantrieb bei geringer Last abkoppelt. Diese Trennung reduziert Schleppverluste im Teillastbetrieb und dürfte sich messbar auf Verbrauch und Reichweite auswirken, auch wenn Mercedes-AMG dazu noch keine konkreten Werte veröffentlicht hat.

Leistung: Bis zu 1.169 PS in der Spitze

Für die Basisversion nennt das Entwicklungsteam zwei E-Motoren mit einer Leistung zwischen 500 und 600 PS (rund 368 bis 441 kW), für eine mittlere Ausbaustufe werden 800 PS (588 kW) genannt. An der Spitze steht ein möglicher AMG GT 63 SUV mit drei Axial-Fluss-Motoren und bis zu 860 kW / 1.169 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei mehr als 1.800 Nm. Offizielle Beschleunigungs- oder Höchstgeschwindigkeitswerte liegen noch nicht vor.

Batterie und Laden: 800-Volt-Technik mit Ölkühlung

Die Batteriekapazität soll bei 106 Kilowattstunden liegen, aufgebaut auf einer 800-Volt-Architektur mit 18 Modulen und insgesamt 2.660 Rundzellen. Jede einzelne Zelle wird direkt von einem nicht leitfähigen Öl umströmt, das die Wärme vom Zellkern zur Oberfläche und von dort abtransportiert – ein Prinzip, das Mercedes-AMG bereits im viertürigen AMG GT einsetzt.

Die Zellen selbst sind mit 105 Millimetern Höhe und 26 Millimetern Durchmesser identisch zum Coupé-Modell. Die geplante Reichweite liegt bei bis zu 600 Kilometern, wobei unklar ist, ob es sich dabei um einen WLTP-Wert oder eine Prognose des Entwicklungsteams handelt; ein offizieller WLTP-Wert steht noch aus. Die Schnellladeleistung soll bis zu 600 kW erreichen, konkrete Ladezeiten wurden bislang nicht genannt.

Fahrwerk: Straff auch im Komfortmodus

Selbst im komfortabelsten Fahrmodus wirkte das Fahrwerk auf welligen Streckenabschnitten spürbar straff und direkt. Zum Antriebskonzept passen eine steife Plattform mit integriertem Batteriepaket, ein variabler Allradantrieb und an der Hinterachse 325 Millimeter breite Reifen.

Luftfederung, Allradlenkung und ein aktiver Wankausgleich dürften ebenfalls zur Serienausstattung zählen, eine offizielle Bestätigung fehlt jedoch noch. Vorn bietet der AMG GT SUV trotz Allradantrieb einen Frunk, der nach ersten Eindrücken etwas größer ausfallen könnte als die 41 Liter der Limousine.

Interieur und Software: MB.OS mit KI-Anbindung

Im Innenraum, der anders als die Karosserie bereits ohne Tarnung zu sehen war, dominiert ein 10,2 Zoll großes Kombiinstrument, das gemeinsam mit einem 14,0 Zoll großen Zentralbildschirm zu einer zum Fahrer geneigten Einheit verschmolzen ist. Der Beifahrer erhält einen eigenen Bildschirmbereich.

Als Betriebssystem kommt MB.OS zum Einsatz, ergänzt um mehrere KI-Dienste, darunter ChatGPT, Microsoft Bing und Google Gemini. Gegenüber der Coupélimousine soll das Platzangebot im Fond bauartbedingt großzügiger ausfallen, insbesondere bei der Kopffreiheit.

Sound-Simulation ist nun scheinbar nicht mehr wegzudenken

Auf Wunsch simuliert das System einen an einen V8-Motor angelehnten Sound inklusive nachgebildeter Zugkraftunterbrechungen bei simulierten Schaltvorgängen. Der Effekt wirkte bei einem kurzen Beschleunigungstest auf abgesperrter Strecke deutlich hörbar, ohne dass er störend überkomponiert wirkte. Allerdings muss sich auch die Affalterbacher Entwicklungsmannschaft die Frage gefallen lassen, ob so viel Spielerei wirklich nötig ist. Denn am Ende ist und bleibt der Synthi-Sound ein Spielzeug aus der Konserve, was zu sehr an ein Videospiel erinnert.

Preis und Marktstart des Mercedes-AMG GT SUV

Zum Preis äußert sich Mercedes-AMG vor der für Mitte Oktober angekündigten Weltpremiere noch nicht. Produziert wird das Modell im Werk Sindelfingen, die technische Koordination verantwortet Affalterbach.

Galerie Mercedes-AMG GT SUV Prototyp

Technische Daten: Mercedes-AMG GT SUV (vorläufiger Stand)

  • Plattform: AMG.EA (zweites Modell nach dem AMG GT Viertürer)
  • Antrieb Basisversion: zwei E-Motoren, 500–600 PS (ca. 368–441 kW)
  • Antrieb Zwischenstufe: 800 PS (588 kW)
  • Antrieb Topversion (AMG GT 63 SUV): drei Axial-Fluss-Motoren, bis zu 860 kW / 1.169 PS
  • Drehmoment: mehr als 1.800 Nm
  • Antriebsarchitektur hinten: High Performance Electric Drive Unit mit zwei Axial-Fluss-Motoren, zwei Siliziumkarbid-Invertern, Eingang-Planetenradgetriebe
  • Antriebsarchitektur vorne: ein Axial-Fluss-Motor, Stirnradgetriebe, lastabhängig abkoppelbare Kupplung
  • Batteriekapazität: ca. 106 kWh
  • Architektur: 800 Volt, 18 Module, 2.660 Rundzellen, direkte Ölkühlung je Zelle
  • Zellformat: 105 mm Höhe, 26 mm Durchmesser
  • Reichweite: bis zu 600 km (Herstellerangabe, WLTP-Wert noch offen)
  • Schnellladeleistung: bis zu 600 kW
  • Frunk: grösser als die 41 Liter der Limousine (genauer Wert noch offen)
  • Bereifung hinten: 325er-Dimension
  • Fertigung: Sindelfingen
  • Weltpremiere: Mitte Oktober
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