Der kleine Vernünftige aus Rüsselsheim… nein, aus Korea
Hyundai hat den B-Segment-Crossover Bayon schon vor einiger Zeit überarbeitet und dabei die Motorenpalette auf eine einzige Variante konzentriert: einen 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 90 PS. Kurz vor der Ablösung durch das neue Modell tritt der kleine Bruder des Kona mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe bei uns im Test an. Wie schlägt er sich gegen Wettbewerber wie den VW T-Roc?
Design: Frischeres Gesicht, zurückhaltender Auftritt

Mit 4,18 Metern Länge und 1,50 Metern Höhe ordnet sich der Bayon knapp unterhalb des Kona ein. Das Facelift bringt eine durchgehende LED-Lichtleiste an der Front sowie einen neu gezeichneten Kühlergrill, was dem Gesicht ein moderneres, präsenteres Erscheinungsbild verleiht. Die getestete Ausstattungslinie Blackline mit schwarzen Außenspiegelkappen, spezifischen schwarzen 16-Zoll-Leichtmetallfelgen und ab der B-Säule dunkel getönten Scheiben bleibt dabei optisch zurückhaltend und wirkt eher pragmatisch als dynamisch.
Raumangebot: Kofferraum-Champion im B-Segment

Der Radstand von 2,58 Metern schafft die Grundlage für ein überzeugendes Platzangebot. Vorne reisen auch größere Insassen komfortabel, im Fond herrscht für die Klasse ordentliche Beinfreiheit; lediglich die sanft abfallende Dachlinie fordert ab etwa 1,85 Metern Körpergröße Kompromisse bei der Kopffreiheit. Der Kofferraum fasst im Normalzustand 411 Liter und wächst bei umgeklappten Rücksitzlehnen auf bis zu 1.205 Liter. Das sind Werte, die manchen Kompaktklasse-Vertreter alt aussehen lassen. Ein zweistufig verstellbarer Ladeboden und eine platzsparend hinter den Fondlehnen verstaubare Gepäckraumabdeckung unterstreichen das durchdachte Packaging. Die gebremste Anhängelast fällt mit 910 Kilogramm dagegen eher bescheiden aus.
Bedienkonzept: Tasten statt Touch-Wüste

Im Zuge der Modellpflege erhält der Bayon zwei 10,3-Zoll-Bildschirme für digitales Kombiinstrument und zentrales Infotainment inklusive Bluelink-Telematik. Apple CarPlay und Android Auto binden Smartphones zuverlässig ein, wenngleich die Anbindung noch per USB-A-Kabel erfolgt und damit das Alter der technischen Plattform verrät. Positiv fällt auf, dass Lautstärkeregelung und Klimatisierung weiterhin über echte Tasten und Drehregler erfolgen, statt in verschachtelte Touch-Menüs verlagert zu werden. Ein klarer Vorteil für die Ablenkungsminimierung während der Fahrt. Eine Klimaautomatik ist allerdings auch gegen Aufpreis nicht erhältlich.
In Sachen Materialien und Qualität dominiert auf Armaturenträger und Türverkleidungen robuster Hartkunststoff, verarbeitet ist er allerdings klapperfrei und grundsolide. Das Blackline-Paket wertet das Ambiente mit dunklem Dachhimmel und einem BOSE-Soundsystem zusätzlich auf.
Antrieb: 90 PS mit ruhiger Kraftentfaltung

Der 1,0-Liter-Turbobenziner leistet 66 kW / 90 PS und liefert ab 1.500 Umdrehungen ein maximales Drehmoment von 172 Nm. Das im Testwagen verbaute 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet komfortabel und harmoniert gut mit dem Dreizylinder; im ruhigen Verkehrsfluss wechselt es die Gänge sanft, bei spontanen Leistungsanforderungen folgt eine kurze Verzögerung, bevor treffsicher geschaltet wird. Beim zentimetergenauen Rangieren im Stop-and-Go-Verkehr agieren die Kupplungen gelegentlich leicht ruckelig. Ein deutlicher Hinweis des Alters: Der Bayon verfügt über keinerlei Elektrifizierung.
Fahrleistungen und Fahrwerk: Unaufgeregt, aber ausreichend

Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 13,3 Sekunden mit dem Doppelkupplungsgetriebe, die Variante mit manuellem Getriebe schafft dies in knapp 11,9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 172 km/h. Für Alltag, Kurzstrecke und Autobahn im Bereich um 130 km/h ist das Triebwerk ausreichend kraftvoll, unter Volllast meldet sich das typische Dreizylinder-Schnattern. Dank Akustik-Frontscheibe bleiben die Fahrgeräusche im Blackline-Modell beim entspannten Fahren jedoch dezent.
Das Fahrwerk ist straff-komfortabel abgestimmt, spricht auf grobem Kopfsteinpflaster bei kurzen Querfugen gelegentlich etwas trocken an, bietet aber auf langen Bodenwellen souveräne Reserven ohne Nachschaukeln. Das geringe Leergewicht von 1.200 Kilogramm sowie die komfortable 195/55er-Bereifung unterstützen den kommoden Auftritt. Die Lenkung ist präzise und leichtgängig; im Grenzbereich kündigt sich gutmütiges Untersteuern früh an, das ESP greift dabei bestimmend, aber ohne Hektik ein.
Verbrauch: WLTP-Wert bestätigt sich im Alltag
Der WLTP-Verbrauch wird mit 5,7 Litern Super auf 100 Kilometer angegeben. Im Testbetrieb bestätigte sich dieser Wert als realistisch, mit einem Praxisverbrauch zwischen 5,8 und 6,5 Litern im gemischten Betrieb – eine für die Klasse erfreulich geringe Abweichung zwischen Norm- und Alltagswert.
Preis des Hyundai Bayon 1.0 T-GDI
Die getestete Sonderausstattung Blackline mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe ordnet sich preislich bei rund 29.000 Euro Grundpreis ein, der Testwagen kam auf 29.650 Euro. Angesichts der üppigen Serienausstattung mit Navigationssystem, LED-Licht, digitalem Cockpit sowie Sitz- und Lenkradheizung gilt das Preis-Leistungs-Verhältnis als fair kalkuliert. Als stärkstes Kaufargument bleibt zudem die Hyundai-typische 5-Jahres-Garantie.
Technische Daten: Hyundai Bayon 1.0 T-GDI 7-DCT
- Typ: Kleinwagen, Fließheck/Crossover
- Motor: Dreizylinder-Reihe, Benzin, 998 cm³
- Leistung: 66 kW / 90 PS
- Drehmoment: 172 Nm ab 1.500 U/min
- Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
- Antrieb: Vorderradantrieb
- Beschleunigung 0–100 km/h: 13,3 s (DCT), ca. 11,9 s (manuell)
- Höchstgeschwindigkeit: 172 km/h
- Verbrauch WLTP (EU-Drittelmix): 5,7 l/100 km
- Testverbrauch: 5,8–6,5 l/100 km
- Tankvolumen: 40 l
- Abmessungen (L/B/H): 4.180 / 1.775 / 1.500 mm
- Radstand: 2.580 mm
- Ladevolumen: 411–1.205 l
- Leergewicht: 1.200 kg
- Zuladung: 450 kg
- Gebremste Anhängelast: 910 kg
- Grundpreis: 29.000 Euro
- Testwagenpreis: 29.650 Euro
- Elektrifizierung: keine


















