Beim Rocket One L dreht sich nicht alles darum, auf knapp sechs Metern möglichst jede denkbare Campingfunktion unterzubringen. Rocket Camper setzt andere Prioritäten: viel Platz zum Schlafen, ein luftiger Innenraum und möglichst wenige fest verbaute Elemente. Dafür streicht der Hersteller ausgerechnet etwas, das bei einem Campingbus für mehr als 76.000 Euro eigentlich zum Standard gehört – das Badezimmer.

Das Bett bestimmt den Grundriss
Der wichtigste Bereich des One L liegt im Heck. Hier erstreckt sich das Bett längs zur Fahrtrichtung und bietet zunächst eine Liegefläche von 1,90 × 1,76 Metern. Mit wenigen Handgriffen lässt sich daraus eine regelrechte Schlaflandschaft machen: Im ausgezogenen Zustand stehen 1,90 × 2,21 Meter zur Verfügung.

Damit dürfte der One L vor allem groß gewachsene Camper ansprechen. Selbst wer die Zwei-Meter-Marke überschreitet, muss sich nachts nicht zwangsläufig zusammenfalten. Gleichzeitig hat das Längsbett einen praktischen Vorteil für Paare: Der Einstieg erfolgt von vorne. Nächtliche Kletteraktionen über den Partner lassen sich damit weitgehend vermeiden.
Mehr Wohnraum – dafür kein festes Bad
Den gewonnenen Platz erkauft sich Rocket Camper mit einer ungewöhnlichen Entscheidung. Eine klassische Nasszelle gibt es im One L schlicht nicht. Während viele Konkurrenten auf sechs Metern Dusche, Toilette und Waschbecken in eine möglichst kleine Kabine zwängen, nutzt Rocket Camper diesen Raum lieber zum Wohnen.
Auf eine Toilette muss trotzdem niemand verzichten. Im Ausbau ist Stauraum für eine mobile WC-Lösung vorgesehen, die nur dann hervorgeholt wird, wenn sie tatsächlich gebraucht wird. Anschließend verschwindet sie wieder aus dem Blickfeld.

Ähnlich pragmatisch fällt die Lösung fürs Duschen aus. An der Spüle auf der Fahrerseite lässt sich eine Brause nach außen führen. Geduscht wird damit vor dem Fahrzeug statt in einer engen Nasszelle. Die Wasserversorgung übernehmen zwei Tanks: Sowohl für Frisch- als auch für Abwasser stehen jeweils 48 Liter zur Verfügung.
Weniger Einbauten schaffen mehr Bewegungsfreiheit
Das fehlende Badezimmer beeinflusst den gesamten Charakter des Innenraums. Statt Küche, Bad, Sitzgruppe und Schlafzimmer in einzelne kleine Bereiche aufzuteilen, wirkt der Ausbau deutlich offener. Die verschiedenen Funktionen gehen stärker ineinander über und lassen den Camper größer erscheinen, als es seine Außenmaße vermuten lassen.

Schränke und technische Komponenten konzentrieren sich überwiegend im mittleren Bereich. Gleichzeitig versucht Rocket Camper, vorhandene Nischen konsequent als Stauraum zu nutzen. Das Ergebnis ist ein vergleichsweise reduzierter Ausbau, der sich bewusst von klassischen Kastenwagen-Grundrissen absetzt.
Wer im Urlaub ohnehin überwiegend die Sanitäranlagen von Camping- und Stellplätzen nutzt, könnte darin einen echten Vorteil sehen. Schließlich beansprucht eine Nasszelle rund um die Uhr wertvollen Platz, obwohl sie häufig nur wenige Minuten am Tag genutzt wird.
Galerie Rocket Camper One L
Auf Wunsch wird der One L zum Vier-Personen-Camper
Trotz des auf großzügiges Wohnen ausgelegten Konzepts muss der Rocket nicht zwangsläufig ein reines Zwei-Personen-Mobil bleiben. Optional lässt sich ein Aufstelldach bestellen. Darin befindet sich eine weitere, 1,30 × 1,98 Meter große Liegefläche.
So stehen insgesamt bis zu vier Schlafplätze zur Verfügung. Vor allem für Familien mit zwei Kindern ist das interessant: Tagsüber bleibt der eigentliche Wohnraum weitgehend unangetastet, während nachts zwei zusätzliche Schlafplätze im Dach entstehen.
5,99 Meter bleiben alltagstauglich
Von außen bleibt der One L ein klassischer Sechs-Meter-Kastenwagen. Mit exakt 5,99 Metern Länge unterschreitet er die für diese Fahrzeugklasse wichtige Sechs-Meter-Grenze knapp. Das macht ihn zwar nicht zum Stadtflitzer, sorgt aber dafür, dass er im Alltag noch deutlich handlicher bleibt als längere Campingbusse.
Rocket Camper nennt einen Wendekreis von 14,1 Metern. Abhängig von der gewählten Ausstattung können zwei bis vier Personen angeschnallt mitfahren. Innen stehen 1,90 Meter Stehhöhe und 1,87 Meter Breite zur Verfügung.
Peugeot Boxer mit 140 PS
Beim Basisfahrzeug setzt Rocket Camper auf den Peugeot Boxer. Dessen 2,2-Liter-BlueHDi liefert 103 kW beziehungsweise 140 PS und ist mit einem manuellen Sechsganggetriebe kombiniert. Antriebstechnisch gibt es damit keine großen Überraschungen.
Interessanter wird es beim Gewicht. Der fahrbereite One L soll 2.920 Kilogramm wiegen, während das zulässige Gesamtgewicht bei 3.500 Kilogramm liegt. Auf dem Papier bleiben somit rund 580 Kilogramm Reserve für Besatzung, Gepäck und zusätzliches Zubehör.
Wer noch mehr transportieren möchte, kann außerdem einen Anhänger nutzen. Die maximale gebremste Anhängelast beträgt 2.500 Kilogramm.

Der Verzicht aufs Bad macht ihn nicht billig
Minimalismus bedeutet beim Rocket One L allerdings keineswegs einen minimalistischen Preis. Bei 76.140 Euro geht es los. Damit landet der Campingbus in einer Region, in der die Konkurrenz reichlich Alternativen bereithält – häufig inklusive vollwertiger Nasszelle.
Genau deshalb dürfte der One L polarisieren. Wer beim Fahrzeugkauf möglichst viel Ausstattung für sein Geld erwartet, wird sich vermutlich fragen, warum ein Campingbus ohne festes Bad mehr als 76.000 Euro kostet. Rocket Camper verkauft allerdings weniger die Anzahl der Einbauten als eine andere Vorstellung davon, wie der begrenzte Platz genutzt werden sollte.
Und genau darin liegt der Reiz des One L. Statt jeden freien Zentimeter mit Möbeln und Funktionen zu füllen, schafft der Hersteller Platz dort, wo Camper ihn tatsächlich spüren: beim Schlafen und im Wohnraum. Wer auf ein festes Badezimmer verzichten kann, erhält einen ungewöhnlich offenen Sechs-Meter-Camper mit einem für diese Fahrzeuggröße bemerkenswert üppigen Bett. Günstig ist diese Form des Minimalismus allerdings nicht.




















