Ein Prototyp, der seiner Zeit voraus war
1993 hielt Porsche ein offenes Clubsport-Modell für wirtschaftlich nicht sinnvoll. Der 968 CS Cabriolet blieb deshalb ein Einzelstück und verschwand anschliessend in der Unternehmensgeschichte. Über drei Jahrzehnte später baut Porsche mit dem 911 GT3 S/C ein technisch und konzeptionell sehr ähnliches Fahrzeug in Serie.

Warum aber baut Porsche heute exakt jenes Konzept, das man vor 33 Jahren nach nur einem Exemplar wieder verwarf? Eine Reportage auf Spurensuche.
Die letzte Ausbaustufe der Transaxle-Familie
Der 968 markierte die letzte und technisch kultivierteste Entwicklungsstufe jener Porsche-Baureihe, die 1976 mit dem 924 begann. Charakteristisch für das sogenannte Transaxle-Konzept ist die Anordnung von Motor vorn und Getriebe hinten, starr über eine durchgehende Welle verbunden. Porsche bewies mit diesem Aufbau über Jahre, dass ein Sportwagen seinen Motor nicht zwingend hinter den Passagieren tragen muss.

240 PS aus vier Zylindern
Der Vierzylindermotor des 968 leistete bei drei Litern Hubraum 240 PS (177 kW) und ein maximales Drehmoment von 305 Nm, das bereits bei 4.100 Umdrehungen pro Minute anliegt. Für das Jahr 1992 war das eine bemerkenswerte Leistungsausbeute für ein Aggregat dieser Zylinderzahl. Die Kraftübertragung erfolgte über ein Sechsganggetriebe, das nach heutigem Maßstab aktives Mitarbeiten des Fahrers erfordert, statt Leistung automatisiert zu verwalten.

Bewusster Verzicht auf Elektronik
Bemerkenswert aus heutiger Sicht ist das vollständige Fehlen elektronischer Fahrmodi. Der 968 CS Cabriolet kennt keine umschaltbaren Fahrprogramme, keinen Klappenauspuff und keine konfigurierbaren Instrumente. Die einzige „Regelstrategie“ ist der direkte mechanische Seilzug zwischen Gaspedal und Drosselklappe. Ein Ansatz, der im Vergleich zu heutigen, softwaregesteuerten Sportwagen ungewohnt unmittelbar ist, aber auch keinerlei Unschärfe durch dazwischengeschaltete Steuergeräte zulässt.
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Zwei widersprüchliche Philosophien
Der serienmäßige 968 CS wog rund 50 Kilogramm weniger als das Coupé, da Porsche auf Rücksitze, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und einen Teil der Dämmung verzichtete. Das Fahrwerk wurde um 20 Millimeter tiefergelegt, dazu kamen 17-Zoll-Cup-Räder und leichte Schalensitze aus dem 911 Carrera RS. Beim offenen Cabriolet stand dieser Gewichtsersparnis allerdings ein struktureller Mehraufwand entgegen: Ohne festes Dach benötigt die Karosserie zusätzliche Verstrebungen, was das offene Chassis gegenüber dem Coupé um etwa 70 Kilogramm schwerer machte. Aus zwei gegenläufigen technischen Zielsetzungen entstand damit ungewollt ein in sich stimmiges Fahrzeugkonzept.

Präzise dank perfekter Gewichtsverteilung
Auf der Straße zeigt sich das Zusammenspiel aus vorn liegendem Motor und hinten positioniertem Getriebe sofort als Vorteil: Die Vorderachse arbeitet auffallend präzise, das Fahrzeug lenkt mit einer ungewöhnlichen Selbstverständlichkeit ein. Die Lenkung selbst ist leichtgängig, vermittelt dabei aber ausreichend Rückmeldung. Aber man muss auch bei der Wahrheit bleiben: Das 968 CS Cabriolet kann nach modernen Maßstäben in reinen Beschleunigungswerten nicht mit heutigen Sportwagen mithalten.

Preis des Porsche 968 CS Cabriolet Prototyp
Porsche befand sich Anfang der Neunzigerjahre in einer schwierigen wirtschaftlichen Phase, der reguläre 968 verkaufte sich unterhalb der Erwartungen. Der Clubsport sollte ursprünglich den Einstiegspreis senken und dem Modell ein sportlicheres Profil geben; ein zusätzliches offenes Derivat davon für eine nochmals kleinere Zielgruppe passte nicht in diese Strategie.
Parallel zeigte Porsche 1993 bereits die Boxster-Studie, die als künftiges Einstiegsmodell unterhalb des 911 positioniert werden sollte. Ein offener Purismus-Ableger des 968 hätte dieses neue Geschäftsmodell direkt konkurrenziert. Der Prototyp wurde daraufhin nicht weiterverfolgt.
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Galerie Porsche 968 CS Cabriolet Prototyp
Modellhistorie und Stückzahlen
Vom regulären 968 CS Coupé entstanden insgesamt 1.538 Exemplare. Vom 968 CS Cabriolet existiert bis heute lediglich der eine rote Prototyp. Konzeptionell setzt Porsche das damalige Prinzip inzwischen allerdings gleich mit mehreren aktuellen Modellen fort, darunter der 718 Spyder RS, der 911 Speedster, der 911 S/T sowie seit diesem Jahr der 911 GT3 S/C.
Galerie Porsche 911 GT3 S/C
Technische Daten: Porsche 968 CS Cabriolet Prototyp
- Baujahr: 1993
- Stückzahl: 1 (Einzelstück, nicht in Serie gegangen)
- Basis-Baureihe: Porsche 968 (Transaxle-Konzept, Motor vorn/Getriebe hinten)
- Motor: Vierzylinder, 3,0 Liter Hubraum
- Leistung: 177 kW / 240 PS
- Drehmoment: 305 Nm bei 4.100 U/min
- Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
- Gewichtsreduktion Serien-CS ggü. Coupé: ca. 50 kg
- Mehrgewicht Cabrio-Chassis ggü. Coupé: ca. 70 kg
- Fahrwerk: 20 mm tiefergelegt gegenüber Serien-968
- Räder: 17-Zoll-Cup-Felgen
- Sitze: Schalensitze aus dem 911 Carrera RS
- Fahrmodi/Elektronik: keine
- Elektrifizierung: keine
- Stückzahl 968 CS Coupé (Serie): 1.538
- Verkaufspreis: nie festgelegt (Einzelstück)
- Konzeptionelle Nachfolger: 718 Spyder RS, 911 Speedster, 911 S/T, 911 GT3 S/C















