Neuvorstellung: Kia PV7

Kia zeigt mit dem PV7 einen Elektro-Transporter mit 800-Volt-Technik, bis zu neun Sitzen und riesigem Laderaum. Alle Details zur Premiere.

Ein Transporter mit SUV-Allüren

Kia hat auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover den PV7 vorgestellt, einen Elektro-Transporter, der wahlweise als reiner Kastenwagen mit bis zu acht Kubikmetern Ladevolumen oder als Personentransporter mit bis zu neun Sitzplätzen angeboten wird. Der größere Bruder des bereits eingeführten Kia PV5 setzt dabei auf 800-Volt-Ladetechnik und ein Ausstattungsniveau, das man in diesem Segment bislang eher selten gesehen hat.

Wer beim Stichwort Transporter an schlichte Nutzfahrzeuge ohne jeden Komfort denkt, muss beim PV7 spätestens jetzt umdenken. Bereits der kleinere PV5 hatte die europäische Transporterlandschaft vor einigen Monaten spürbar durcheinandergebracht, doch der PV7 legt insbesondere bei Technik und Komfort noch einmal deutlich nach.

Antrieb und Plattform: Solide Basis mit Ausbaupotenzial

Zum Marktstart ist der PV7 ausschließlich mit einem 200 kW beziehungsweise 272 PS starken Elektromotor an der Vorderachse erhältlich, der ein maximales Drehmoment von 420 Nm bereitstellt. Eine Allradversion sowie spezielle Campingversionen sollen folgen, sodass die Modellauswahl im kommenden Modelljahr auf insgesamt 23 Varianten anwachsen soll. Technische Basis aller Versionen ist die E-GMP.S-Plattform, die bereits aus anderen Kia-Modellen bekannt ist und hier für den Nutzfahrzeugeinsatz angepasst wurde.

Batterie und Laden: 800-Volt-Technik für schnelle Ladezyklen

Der PV7 ist wahlweise mit zwei Batteriepaketen auf Nickel-Mangan-Kobalt-Basis erhältlich, die sich in Kapazität von 71 sowie 96 kWh unterscheiden. Alle Versionen profitieren vom 800-Volt-Bordnetz, das Ladeleistungen von bis zu 350 kW ermöglicht, sofern eine entsprechend leistungsfähige Schnellladesäule zur Verfügung steht. Ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent soll dabei rund 25 Minuten in Anspruch nehmen. Die Basisversion mit dem kleineren Akkupaket kommt auf eine Reichweite von rund 350 Kilometern, die Version mit der größeren Batterie erreicht bis zu 460 Kilometer.

Praktisch für den gewerblichen Einsatz: Neben dem Ladeanschluss für Wechsel- und Gleichstrom im Bereich des Kühlergrills lässt sich optional eine zweite Wechselstrom-Ladesäule am hinteren rechten Kotflügel ordern, je nach Park- und Ladesituation zu Hause oder im Betrieb. Über die sogenannte Vehicle-to-Load-Funktion lässt sich die im Akku gespeicherte Energie zudem für externe Verbraucher nutzen. Dafür verfügt der PV7 über mehrere 230-Volt-Steckdosen sowohl innen als auch außen, was den Wagen etwa für Handwerker interessant macht, die am Einsatzort auf Energie angewiesen sind.

Laderaum und Nutzlast: Platz für den Arbeitsalltag

Die Langversion des PV7 misst 5,35 Meter und bietet mit normalem Dach bis zu 6,1 Kubikmeter Laderaumvolumen, mit Hochdach steigt dieser Wert auf 8,0 Kubikmeter. Die Nutzlast liegt je nach Version zwischen 1.165 und 1.200 Kilogramm. Im langen Kastenwagen finden bis zu drei Europaletten Platz, was den PV7 für den gewerblichen Transport interessant macht. Die Ladekantenhöhe fällt mit 55 Zentimetern angenehm niedrig aus und erleichtert das Beladen im Arbeitsalltag spürbar.

Ladeanschlüsse: Zwei Optionen für den Betriebsalltag

Gerade für gewerbliche Nutzer dürfte die Möglichkeit interessant sein, den PV7 mit einem zweiten Ladeanschluss zu ordern. Während der Hauptanschluss für Wechsel- und Gleichstrom im Bereich des Kühlergrills liegt, lässt sich je nach Park- und Ladesituation zusätzlich eine Wechselstrom-Ladesäule am hinteren rechten Kotflügel verbauen. Wer sein Fahrzeug beispielsweise rückwärts in eine enge Hofeinfahrt rangiert, muss so nicht jedes Mal umständlich um das ganze Fahrzeug herumgehen, um an die Ladebuchse zu gelangen. Diese Flexibilität bei der Anschlussposition ist in diesem Fahrzeugsegment noch keine Selbstverständlichkeit und dürfte im Flottenbetrieb einen echten praktischen Unterschied machen.

Vehicle-to-Load: Der Transporter als mobile Stromquelle

Über die Vehicle-to-Load-Funktion lässt sich die im Akku gespeicherte Energie nicht nur zum Antrieb des Fahrzeugs nutzen, sondern auch für externe Verbraucher abgreifen. Die mehreren 230-Volt-Steckdosen innen und außen am Fahrzeug machen den PV7 damit potenziell auch zur mobilen Stromquelle auf der Baustelle oder beim Kundeneinsatz. Für Handwerksbetriebe, die am Einsatzort auf Energie für Werkzeuge angewiesen sind, kann diese Funktion einen separaten Generator überflüssig machen, was sowohl Platz im Fahrzeug spart als auch den Arbeitsalltag vereinfacht.

Innenraum und Bedienung: Zurück zu physischen Tasten

Im Cockpit erwarten Fahrer und Beifahrer zwei Displays mit 12,9 sowie 14,6 Zoll Bildschirmdiagonale. Bemerkenswert: Nach Rückmeldungen der ersten PV5-Kunden hat Kia unterhalb des zentralen Bildschirms wieder physische Direkttasten für die Klimaanlage eingeführt, ein Zugeständnis an die Bedienbarkeit im Arbeitsalltag, das in der Branche nicht selbstverständlich ist. In der Personentransporter-Version stehen bis zu neun Sitzplätze zur Verfügung, verteilt auf vier Sitzreihen. Nach dem Öffnen der wahlweise elektrisch betriebenen Schiebetüren lassen sich die Sitze im Fond in einem Schienensystem flexibel verschieben, mit wenigen Handgriffen umdrehen oder komplett ausbauen. Zur Ausstattung gehören außerdem eine Sitzklimatisierung, USB-Anschlüsse sowie eine getrennte Klimabedienung für verschiedene Sitzreihen. Die hinteren Seitenscheiben lassen sich per Jalousie verschatten, ebenso das optional erhältliche Panoramadach.

Variantenvielfalt: Vom Kastenwagen zum Personentransporter

Schon zum Marktstart können Kunden zwischen zwei Radständen, zwei Dachhöhen und zwei Batteriegrößen wählen, wobei sich diese Kombinationen je nach gewünschtem Aufbau unterschiedlich sinnvoll kombinieren lassen. Wer den PV7 als reinen Kastenwagen ordert, profitiert von bis zu acht Kubikmetern Ladevolumen bei entsprechender Konfiguration, während die Personentransporter-Variante mit bis zu neun Sitzplätzen auf denselben technischen Grundlagen aufbaut. Diese Doppelverwendbarkeit einer einzigen Plattform für sehr unterschiedliche Einsatzzwecke, vom Handwerksbetrieb bis zum Familienausflug, ist einer der zentralen Vorteile, mit denen Kia den PV7 im Wettbewerbsvergleich positionieren dürfte. Mit der für kommendes Modelljahr angekündigten Erweiterung auf 23 Varianten dürfte sich dieses Spektrum noch einmal deutlich vergrößern.

Strategie: Mehr als nur ein Fahrzeug

Kia-CEO Ho Sung Song ordnet den PV7 strategisch ein und wird mit den Worten zitiert, der PV7 markiere „den nächsten Schritt auf unserem Weg zur individualisierten Mobilität und baut auf dem Fundament auf, das der PV5 gelegt hat“, indem er „für spezifische Anwendungen entwickelte Hardware, maßgeschneiderte Software und spezifische PBV-Dienstleistungen“ vereine und Kunden „eine komplette Geschäftslösung“ biete. Diese Aussage lässt sich technisch untermauern: Mit zwei Radständen, zwei Dachhöhen, zwei Batteriepaketen und einer geplanten Erweiterung auf 23 Varianten im kommenden Modelljahr positioniert Kia den PV7 tatsächlich eher als Plattform für unterschiedlichste gewerbliche Anwendungen denn als einzelnes Fahrzeug. Der internationale Wettbewerb dürfte davon nicht entspannter werden: Für das Jahr 2029 hat Kia mit dem PV9 bereits einen noch größeren Transporterbruder angekündigt.

Sitzkonzept: Flexibilität für wechselnde Anforderungen

Besonders durchdacht wirkt das Sitzkonzept der Personentransporter-Version. Die bis zu neun Plätze verteilen sich auf vier Sitzreihen, wobei sich die Sitze im Fond nach dem Öffnen der wahlweise elektrischen Schiebetüren in einem Schienensystem flexibel verschieben lassen. Wer statt Personen lieber Ladung transportieren möchte, kann die Sitze mit wenigen Handgriffen umdrehen oder bei Bedarf komplett ausbauen, was den PV7 innerhalb kurzer Zeit von einem Familien- oder Gruppentransporter in ein Nutzfahrzeug mit deutlich mehr Laderaum verwandelt. Diese Umbaufähigkeit dürfte insbesondere für gewerbliche Nutzer mit wechselnden Anforderungen, etwa Fahrdienste oder Handwerksbetriebe mit gelegentlichem Personentransport, ein wichtiges Kaufargument sein.

Marktstart und Ausblick

Zum Zeitpunkt der Weltpremiere auf der Nutzfahrzeug-IAA hat Kia noch keine Preise für den PV7 kommuniziert. Angesichts der umfangreichen Technik- und Komfortausstattung ist jedoch davon auszugehen, dass sich der PV7 preislich oberhalb einfacher Nutzfahrzeuge positionieren wird. Konkrete Angaben zu Preisen und Markteinführungstermin dürften im Vorfeld des tatsächlichen Verkaufsstarts folgen.

Technische Daten: Kia PV7

  • Motor: Elektro, vorn
  • Leistung: 200 kW / 272 PS
  • Max. Drehmoment: 420 Nm
  • Batteriepakete: 71 kWh sowie 96 kWh (NMC)
  • Reichweite: rund 350 km (kleine Batterie) bzw. bis zu 460 km (große Batterie)
  • Max. Ladeleistung: bis 350 kW (800-Volt-Bordnetz)
  • Ladezeit 10–80 %: rund 25 Minuten
  • Plattform: E-GMP.S
  • Länge (Langversion): 5,35 m
  • Ladevolumen: 6,1 m³ (Normaldach) bzw. 8,0 m³ (Hochdach)
  • Nutzlast: 1.165–1.200 kg
  • Ladekantenhöhe: 55 cm
  • Sitzplätze (Personentransporter): bis zu 9
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