Günstig hat einen neuen Namen
Der chinesische Hersteller Leapmotor bringt mit dem B03X einen Elektro-Crossover nach Deutschland, der ein Preisversprechen einlöst, das lange nur als Ankündigung existierte: ein vollwertiges E-SUV für unter 25.000 Euro. Auf dem Papier trifft der 4,27 Meter lange Fronttriebler damit exakt den Nerv eines Marktes, der sich nach bezahlbarer Elektromobilität sehnt, ohne dabei auf Platz oder Reichweite verzichten zu müssen.
Wer den Namen zum ersten Mal liest, stolpert womöglich über die etwas sperrige Typenbezeichnung. Der Grund ist pragmatisch: In China trägt das Modell die Bezeichnung A10, doch dieses Kürzel hat sich Audi bereits vor Jahren schützen lassen. Für den europäischen Markt musste Leapmotor deshalb draufsatteln – und so heißt der Crossover hierzulande eben B03X. Klein beigeben musste der Hersteller dafür an keiner anderen Stelle, wie der folgende Fahrbericht zeigt.

Innenraum: Viel Platz, wenig Eigenständigkeit
Der mit 2,61 Metern vergleichsweise lange Radstand zahlt sich vor allem in der zweiten Sitzreihe aus. Ein 1,80 Meter großer Passagier findet dort komfortabel Platz, wobei zwischen Kopf und Dachhimmel noch rund drei Fingerbreit Luft bleiben und zwischen Knie und Vordersitzlehne sogar zehn Zentimeter Abstand für ein großzügiges Raumgefühl sorgen. Die überschaubare Fahrzeugbreite begrenzt die Fondbank allerdings sinnvollerweise auf zwei Personen. Unter dem Ladeboden verbirgt sich zusätzlich ein Staufach, das das Kofferraumvolumen auf bis zu 510 Liter anhebt, ein für die B-SUV-Klasse außergewöhnlich hoher Wert. Klappt man die geteilten Rücksitzlehnen um, entsteht ein Laderaum, der selbst eine Waschmaschine aufnehmen kann.
Beim Design des Armaturenbretts zeigt sich der Sparkurs allerdings deutlicher: Das Cockpit wirkt recht lieblos gestaltet und lässt einen eigenständigen Charakter vermissen. Neben einer 8,8 Zoll großen Instrumenteneinheit sitzt ein 14,6-Zoll-Zentraldisplay mit gestochen scharfer Auflösung, das optisch durchaus überzeugt. Die Bedien-Software wurde gegenüber älteren Leapmotor-Modellen zwar verbessert, der integrierte Sprachassistent versteht und spricht jedoch bestenfalls Englisch, und das auf einem Niveau, das kaum über Grundschulwissen hinausreicht. Abgesehen von Lenksäule, Fahrersitz und Fensterhebern muss praktisch jede Funktion über den Zentralbildschirm oder die kaum ablesbaren Symbole am Lenkrad bedient werden, was im Alltag nicht immer praktisch ist. Positiv fällt dagegen das Kunstleder auf, das große Teile von Armaturenbrett und Türverkleidungen bedeckt und optisch besser wirkt, als es bei vielen Wettbewerbern im B-SUV-Segment der Fall ist.

Karosserie und Variabilität: Kompakt außen, großzügig innen
Mit 4,27 Metern Länge zählt der B03X zu den kompakteren Vertretern seines Segments, was sich im Alltag vor allem bei der Parkplatzsuche und im dichten Stadtverkehr bezahlt macht. Von den kompakten Abmessungen profitieren dabei keineswegs nur die Insassen, sondern auch das Kofferraumvolumen: Neben dem eigentlichen Laderaum bietet ein zusätzliches Staufach unter dem Ladeboden zusätzlichen Stauraum für Ladekabel oder Kleingepäck. Hinter der Heckklappe stehen außerdem eine 12-Volt-Steckdose sowie ein verstellbarer Ladeboden zur Verfügung, wobei die verbauten Kunststoffe in diesem Bereich qualitativ eher durchschnittlich ausfallen.
Praktisch zeigt sich der B03X dagegen bei der Sitzkonfiguration: Mit wenigen Handgriffen lassen sich die geteilten Rücksitzlehnen hochklappen, wodurch im Fond ein großzügiges Ladeabteil entsteht, das selbst sperrige Gegenstände wie eine Waschmaschine aufnehmen kann. Für ein Fahrzeug dieser Preisklasse und Größe ist das eine bemerkenswert durchdachte Lösung.

Antrieb und Reichweite: Zwei Versionen mit klarem Favoriten
Der Leapmotor B03X ist aktuell mit zwei Batteriegrößen erhältlich. Die kleinere 40-kWh-Batterie liefert 130 kW beziehungsweise 177 PS und eine Reichweite von 292 Kilometern. Die größere 53-kWh-Version leistet 145 kW respektive 197 PS und kommt auf bis zu 382 Kilometer Reichweite, verlangt dafür aber einen Aufpreis auf 29.400 Euro. Für die meisten Interessenten dürfte die größere Batterie die stimmigere Wahl sein, da der Aufpreis angesichts des Reichweitengewinns überschaubar bleibt.
Tempo ist ohnehin nicht die Domäne des B03X: Die Höchstgeschwindigkeit ist bei beiden Versionen bei 160 km/h abgeriegelt, und auch die maximale Ladeleistung von 133 kW ist im Wettbewerbsvergleich eher durchschnittlich. Die Basisversion mit der kleinen Batterie lädt sogar nur mit maximal 100 kW nach.

Laden und Verbrauch: Solide statt spektakulär
Bei den Ladewerten bewegt sich der B03X im Mittelfeld seines Segments. Die maximale Ladeleistung von 133 kW erlaubt an einer entsprechend leistungsfähigen Gleichstrom-Ladesäule ein zügiges, aber keineswegs rekordverdächtiges Nachladen der 53-kWh-Batterie. Wer sich für die kleinere 40-kWh-Version entscheidet, muss sich sogar mit maximal 100 kW Ladeleistung begnügen, was die Ladepausen auf längeren Strecken spürbar verlängert.
Angesichts des Einsatzzwecks als überwiegend städtisch beziehungsweise im Nahverkehr genutztes Fahrzeug dürfte dieser Umstand für die meisten Käuferinnen und Käufer allerdings verschmerzbar sein, zumal der im Fahrbericht ermittelte Verbrauch unterhalb der Werksangabe von 15,7 kWh je 100 Kilometer lag und damit realistische Reichweiten nahelegt, die den Herstellerangaben nahekommen oder diese sogar leicht unterbieten.

Fahrverhalten: Zu Hause in der Stadt
Der Leapmotor B03X spielt seine Stärken erwartungsgemäß im urbanen Umfeld aus. Die Lenkung ist recht leichtgängig ausgelegt und vermittelt entsprechend wenig Rückmeldung von der Fahrbahn. Besonders künstlich wirkt das Ansprechverhalten in den Modi Komfort und Standard, während der Sportmodus etwas mehr Substanz zeigt. Die Abstimmung von Federung und Dämpfung ist betont komfortabel ausgelegt und reduziert Wankbewegungen der Karosserie zuverlässig, solange man nicht zu zügig unterwegs ist. Bei forscherer Fahrweise hat der Fronttriebler mitunter Mühe, seine Motorleistung sauber über die Vorderachse auf die Fahrbahn zu bringen.
Die Beschleunigung fällt mit knapp 200 PS dennoch ordentlich aus, insbesondere im Stadtverkehr, aber auch auf Landstraßen und bei gemäßigtem Autobahntempo tritt der 1,6 Tonnen schwere B03X ohne merkliche Verzögerung an. Überzeugender als die künstlich wirkende Lenkung fallen die gut dosierbaren Bremsen aus, wobei im normalen Fahrbetrieb vor allem die in drei Stufen wählbare Rekuperation die Verzögerungsarbeit übernimmt. Im ersten Fahrtest fiel der Verbrauch sogar niedriger aus als der Werksverbrauch von 15,7 kWh je 100 Kilometer, was für die Alltagstauglichkeit des Antriebskonzepts spricht.

Bedienkonzept: Gewöhnungsbedürftig, aber nicht ohne Stärken
Wer regelmäßig mit europäischen oder auch mit anderen chinesischen Elektroautos zu tun hat, wird sich im B03X vergleichsweise schnell zurechtfinden, muss dabei aber auch die typischen Kompromisse eines konsequent auf den Zentralbildschirm ausgelegten Bedienkonzepts in Kauf nehmen. Klimafunktionen, Fahrmodi und weite Teile der Assistenzsysteme laufen über das 14,6-Zoll-Display, das zwar hochauflösend und übersichtlich strukturiert ist, im Alltag jedoch mehr Blickkontakt erfordert, als es bei physischen Tasten der Fall wäre.
Die Symbole am Lenkrad, über die sich ein Teil der Funktionen ebenfalls steuern lässt, sind zudem vergleichsweise klein geraten und dadurch nur eingeschränkt ablesbar. Der Sprachassistent, der diese Lücke zumindest teilweise schließen könnte, bleibt in der aktuellen Ausbaustufe eine Baustelle: Er reagiert zuverlässig nur auf englischsprachige Kommandos, und das auf einem Niveau, das für komplexere Anweisungen kaum ausreicht. Immerhin hat Leapmotor die zugrundeliegende Software im Vergleich zu früheren Modellen der Marke sichtbar weiterentwickelt, sodass Menüführung und Reaktionsgeschwindigkeit des Systems insgesamt einen gepflegten Eindruck hinterlassen.

Preis des Leapmotor B03X Pro Max
Mit einem Einstiegspreis von 24.900 Euro für die kleine Batterie im Basispaket Life positioniert sich der B03X als eines der günstigsten Angebote im kompakten Elektro-SUV-Segment überhaupt. Wettbewerber wie BYD Atto 2, Fiat 600e, Ford Puma, Peugeot e-2008 oder Opel Mokka verlangen durchweg zwischen 30.000 und 35.000 Euro. Einzig der Citroën e-C3 bewegt sich preislich auf ähnlichem Niveau, ist technisch jedoch einfacher gehalten und bietet eine deutlich geringere Reichweite. Die insgesamt stimmigere Wahl dürfte für die meisten Käufer der 29.400 Euro teure B03X Pro Max mit der größeren Batterie sein.
Technische Daten: Leapmotor B03X Pro Max
- Motor: Elektro, Fronttriebler
- Leistung: 145 kW / 197 PS
- Max. Drehmoment: 200 Nm
- Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
- Beschleunigung 0–100 km/h: 8,6 Sekunden
- Batteriepaket: 53 kWh / LFP
- Normverbrauch: 15,7 kWh/100 km
- Max. Ladegeschwindigkeit: 133 kW
- Reichweite: 382 km
- Leergewicht: 1.625 kg
- Ladevolumen: 407–1.358 Liter
- Basispreis: 29.400 Euro













