Fahrbericht: Kia EV2

Kompakt-SUV mit großer Batterie: Der Kia EV2 61 kWh im Fahrbericht mit Verbrauch, Ladeleistung, Preis und technischen Daten.

Der kleine Bruder mit den großen Kanten

Kia erweitert sein elektrisches SUV-Portfolio nach unten und orientiert sich dabei optisch klar am eigenen Flaggschiff: Der EV2 übernimmt die kantige Formensprache des EV9 und bringt sie auf 4,06 Meter Länge herunter. Mit der optionalen 61-kWh-Batterie tritt das Kompakt-SUV auch bei Reichweite und Ladeleistung selbstbewusst an.

Wer beim Namen EV2 zunächst an einen abgespeckten Stadtwagen denkt, muss diesen Gedanken nach dem ersten Blick auf die Karosserie revidieren. Die im slowakischen Kia-Werk gefertigte Kompaktversion des koreanischen Elektro-SUVs wirkt präsenter, als es die Abmessungen vermuten lassen, und das ist im hart umkämpften Segment kleiner Elektro-SUVs durchaus ein Pfund, mit dem sich wuchern lässt.

Design und Raumangebot: Kompakt, aber selbstbewusst

Boxige Proportionen, monolithische Karosserieflächen und eine vertikal geprägte LED-Lichtsignatur verleihen dem EV2 trotz einer Höhe von knapp 1,58 Metern eine muskulöse Optik. Im Innenraum zahlt sich diese Kastenform vor allem in der ersten Reihe aus: Dank steil stehender Scheiben und üppiger Fahrzeughöhe genießen Fahrer und Beifahrer eine für die Klasse ungewöhnlich gute Kopffreiheit, selbst Personen über 1,90 Meter Körpergröße sitzen hier entspannt. In der zweiten Reihe holt den EV2 dagegen die Realität eines Kleinwagens ein: Je nach Position der Vordersitze wird die Beinfreiheit für Passagiere über 1,80 Meter spürbar knapp.

Das Kofferraumvolumen von 362 Litern ist für den Alltag ausreichend, könnte angesichts der robusten Designlinie aber durchaus großzügiger bemessen sein. Werden die Fondlehnen umgelegt, wächst das Ladevolumen auf bis zu 1.160 Liter. Einen kleinen Ausgleich schafft der Zusatzkofferraum unter der vorderen Haube: Dieser sogenannte Frunk nimmt das Ladekabel auf, sodass es nicht im Hauptkofferraum untergebracht werden muss.

Cockpit und Bedienung: Aufgeräumt, aber nicht mehr taufrisch

Kia verzichtet beim EV2 bewusst auf einen großen zentralen Touchscreen und setzt stattdessen auf zwei 12,3 Zoll große Bildschirme für digitales Kombiinstrument und Infotainment, die von einem 5,3-Zoll-Touchpanel für die Klimasteuerung flankiert werden. Die Menüführung ist überwiegend logisch aufgebaut, wirkt im Funktionsumfang inzwischen aber etwas in die Jahre gekommen, insbesondere im Vergleich zum jüngst vorgestellten Konzernbruder Hyundai Ioniq 3 mit seiner komplett überarbeiteten Software-Struktur. Positiv fällt auf, dass Kia am Lenkrad weiterhin auf physische Tasten setzt, was die Bedienung während der Fahrt ohne Blickkontakt spürbar erleichtert.

Ganz frei von Ergonomie-Schwächen ist der EV2 allerdings nicht: Das kleine, mittig platzierte Klimadisplay wird je nach Sitzposition vom Lenkradkranz verdeckt, was den Blick auf die eingestellte Temperatur erschwert. Auch die äußeren Türgriffe sind ungewöhnlich geformt und erfordern etwas Eingewöhnung, tragen dafür aber die eingravierte Aufschrift „Have a nice Day“ als kleines charmantes Detail. Im Innenraum dominiert erwartungsgemäß robustes Hartplastik, die Verarbeitungsqualität überzeugt jedoch mit gleichmäßigen Spaltmaßen und satt schließenden Türen. Optional lässt sich das Ambiente mit einem Harman-Kardon-Soundsystem aufwerten.

Antrieb und Fahrwerk: Komfortabler Alltagsbegleiter

Während das Basismodell mit dem kleineren Akku 147 PS an die Vorderachse schickt, koppelt Kia die hier gefahrene „Long Range“-Version mit der 61-kWh-Batterie an einen 100 kW beziehungsweise 135 PS starken Elektromotor. Ein sportliches Fahrerlebnis darf man davon nicht erwarten: Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert 9,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch bei 161 km/h begrenzt.

Für den alltäglichen Stadt- und Pendlerverkehr reicht die Leistung dennoch vollkommen aus. Mit einem Leergewicht von rund 1,6 Tonnen ist der EV2 vergleichsweise leicht unterwegs und nutzt das sofort verfügbare Drehmoment von 250 Nm, um souverän im Verkehr mitzuschwimmen. Über Schaltwippen am Lenkrad lässt sich die Rekuperationsstärke fein dosieren; in der stärksten Stufe ermöglicht das System komfortables One-Pedal-Driving bis zum Stillstand.

Das Fahrwerk ist für hiesige Straßenverhältnisse gut abgestimmt: Trotz einfacher Verbundlenker-Hinterachse und kurzem Radstand meistert der EV2 Straßenschäden und Querfugen gelassen, ohne unangenehm nachzuschwingen. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und ausreichend präzise, wobei die auf geringen Rollwiderstand ausgelegten Reifen dynamischer Kurvenfahrt naturgemäß enge Grenzen setzen. Der kompakte Wendekreis von gut zehn Metern macht das Auto im Stadtverkehr sehr wendig, und auch die Bremsanlage überzeugt mit einem Bremsweg von rund 36 Metern aus Tempo 100.

Im Testalltag fallen zwei kleinere Schwachpunkte auf: Die hohe, wuchtige Motorhaube schränkt die Sicht nach vorn etwas ein und erschwert dadurch das Rangieren, und die Rückfahrkamera verfügt über keine Reinigungsdüse, weshalb die Linse bei schlechtem Wetter schnell verschmutzt. Positiv wiederum: Die gesetzlich vorgeschriebenen Tempo-Warntöne lassen sich über das Infotainment und die Favoritentasten unkompliziert und schnell stummschalten.

Effizienz und Laden: Stärken im Stadtverkehr

Die größte Stärke der Long-Range-Variante zeigt sich beim Verbrauch und an der Ladesäule. Der 61 kWh große NMC-Akku verspricht laut WLTP-Norm eine Reichweite von bis zu 453 Kilometern. Im zähfließenden Stadtverkehr ließ sich der Verbrauch im Test auf beeindruckende 12,5 kWh pro 100 Kilometer senken, im gemischten Betrieb mit Autobahnanteil ergab sich ein Gesamtwert von 15,4 kWh pro 100 Kilometer.

Das Gleichstrom-Schnellladen von 10 auf 80 Prozent dauert rund 30 Minuten, was solide, aber nicht mehr besonders schnell ist. Seine eigentliche Stärke spielt der EV2 eher im städtischen Umfeld aus: Der optionale 22-kW-AC-Bordlader ermöglicht an entsprechenden Wechselstrom-Ladesäulen doppelt so hohe Ladeleistungen wie bei den meisten Wettbewerbern. Ergänzt wird das Ladekonzept durch eine optionale Vehicle-to-Load-Funktion, mit der sich externe Geräte über eine Steckdose direkt aus der Fahrzeugbatterie versorgen lassen.

Konkurrenzumfeld: Enger Wettbewerb im City-SUV-Segment

Das Segment elektrischer City-SUVs ist in den vergangenen Jahren spürbar dichter geworden, und der EV2 muss sich hier gegen eine wachsende Zahl kompakter Elektromodelle behaupten, viele davon mit ähnlich großzügig bemessenen Batterien und vergleichbaren Reichweiten. Kia setzt dabei bewusst auf die Formensprache des eigenen Flaggschiffs EV9, um sich optisch von der Konkurrenz abzuheben, statt auf ein möglichst neutrales, massenkompatibles Design zu setzen. Diese Strategie dürfte insbesondere Kundinnen und Kunden ansprechen, die bereits mit der Optik größerer Kia-Modelle liebäugeln.

Auffällig ist zudem, dass Kia beim EV2 technisch nicht auf die allerneueste Plattformgeneration des Konzerns zurückgreift. Der bereits erwähnte Vergleich mit dem Hyundai Ioniq 3 zeigt, wohin sich die Software- und Bedienkonzepte innerhalb des Konzerns aktuell entwickeln; wer besonderen Wert auf ein topaktuelles Infotainmentsystem legt, sollte diesen Aspekt vor dem Kauf in die Abwägung miteinbeziehen. Für die praktische Alltagstauglichkeit spielt das allerdings eine untergeordnete Rolle, da die grundlegenden Funktionen zuverlässig und übersichtlich funktionieren.

Preis des Kia EV2 61 kWh

Während der EV2 mit dem kleineren 42,2-kWh-Akku bereits ab 26.600 Euro startet, werden für die hier getestete Long-Range-Version mit 61 kWh in der Ausstattungslinie „Air“ mindestens 33.490 Euro fällig. Praktische Optionen wie das Navigationssystem mit automatischer Ladeplanung, der Frunk oder der 22-kW-Lader kosten jeweils Aufpreis, sodass der Fahrzeugpreis mit sinnvoller Ausstattung zügig weiter steigt; der Testwagen war mit 42.930 Euro entsprechend deutlich teurer als der Einstiegspreis vermuten lässt.

Fazit

Der Kia EV2 61 kWh zeigt sich im Fahrbericht als durchdachtes, alltagstaugliches Elektro-SUV mit spürbaren Stärken beim Platzangebot vorn, Verbrauch und AC-Laden. Wer mit dem knapperen Raumangebot im Fond und dem vergleichsweise kleinen Kofferraum leben kann, erhält ein eigenständig gestyltes Kompaktmodell, sollte für die große Batterie und sinnvolle Zusatzausstattung allerdings mit einem spürbaren Aufpreis einkalkulieren.

Technische Daten: Kia EV2 61 kWh

  • Typ: Kompakt-SUV (B-Segment)
  • Motor: permanenterregte Synchronmaschine vorne
  • Systemleistung: 135 PS (100 kW)
  • Systemdrehmoment: 250 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 161 km/h
  • Beschleunigung 0–100 km/h: 9,5–9,7 Sekunden
  • Getriebe: Automatikgetriebe, einstufig mit fester Übersetzung
  • Antrieb: elektrischer Frontantrieb
  • Batterie: Lithium-Ionen, 400 Volt
  • Batteriekapazität: 61 kWh brutto
  • WLTP-Reichweite: 418–453 Kilometer
  • DC-Ladeleistung: bis 115 kW
  • AC-Ladeleistung: bis 22 kW (serienmäßig 11 kW)
  • WLTP-Verbrauch: 14,9–16,2 kWh/100 km
  • Testverbrauch: ca. 15,4 kWh/100 km
  • Leergewicht: 1.625 kg
  • Ladevolumen: 362–1.160 Liter (zzgl. 15 Liter Frunk), Fünfsitzer
  • Max. Zuladung: 475 kg
  • Abmessungen (L/B/H): 4.060 / 1.800 / 1.575 mm
  • Basispreis (61-kWh-Modell): 33.490 Euro
  • Testwagenpreis: 42.930 Euro
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