Fahrbericht: BMW 740 xDrive MHEV

Fahrbericht BMW 740 xDrive MHEV: Sechszylinder mit 400 PS, Mildhybrid und Luftfederung. Wie gut ist der neue 7er-Einstieg ab 117.900 Euro?

Elektro-i7, Diesel, Achtzylinder oder doch der sparsamere Sechszylinder? Wie sich zeigt, muss man sich für das Basismodell 740 xDrive nicht entschuldigen.

Sechszylinder im Frack

Beim überarbeiteten 7er rückt BMW den vollelektrischen i7 in den Mittelpunkt, doch der neue Einstieg 740 xDrive hält als Mildhybrid-Benziner erstaunlich gut dagegen. Der Dreiliter-Reihensechszylinder mit 294 kW / 400 PS und ein zusätzlicher Elektromotor sorgen für Souveränität im Alltag. Was die Basisversion der Luxuslimousine kann und wo sie Geduld verlangt, zeigt der Fahrbericht.

BMW 740 xDrive: Warum ein Sechszylinder in dieser Klasse reicht

Unter den Luxuslimousinen gelten acht Zylinder weiterhin als Standard, sobald es um Verbrenner geht. Ein V12, von dem viele träumen, ist bei BMW dagegen längst Geschichte. Für Vielfahrer bleibt der Diesel 740d, der es allerdings in Zeiten fortschreitender Elektrifizierung nicht leichter hat. Zwischen diesen Polen positioniert BMW den 740 xDrive als Einstiegsmodell, das in der Praxis mehr ist als eine bloße Basisversion.

Der drei Liter große Reihensechszylinder (2.998 cm³) wird aufgeladen und leistet 294 kW / 400 PS bei einem maximalen Drehmoment von 580 Nm. Die Kraft geht an alle vier Räder. Für die Gangwechsel ist eine Achtstufenautomatik von ZF zuständig, die ihre Arbeit nahezu unbemerkt verrichtet. Trotz der Leermasse von 2.235 Kilogramm beschleunigt die fast 5,40 Meter lange Limousine in 5,1 Sekunden auf 100 km/h; bei 250 km/h ist Schluss. Diese Werte machen deutlich, dass man bei diesem Modell keine Abstriche beim Vortrieb befürchten muss, auch wenn es die Einstiegsversion ist.

Mildhybrid-Antrieb: Kleiner Motor, spürbarer Effekt

Ergänzt wird der Verbrenner durch einen kleinen Elektromotor mit 13 kW / 18 PS, der im Getriebetunnel sitzt. Er unterstützt beim Antritt und beim Cruisen im Stadtverkehr und senkt den realen Verbrauch unter die Zehn-Liter-Marke. Der Normverbrauch liegt bei 8,6 Litern Super auf 100 Kilometer, der CO2-Ausstoß bei 195 g/km. Eine echte Elektrifizierung ist der kleine E-Boost nicht: Das größere Hybridpaket bleibt dem stärkeren Benziner der Baureihe vorbehalten. Für die Aufgabe, im Alltag Effizienz und Dynamik zu verbessern, reicht der kleine Zusatzantrieb allerdings aus.

Fahrwerk und Lenkung: Leichtfüßig trotz des hohen Gewichts

Dass sich der 7er trotz seiner Masse so unangestrengt bewegen lässt, überrascht. Die Lenkung arbeitet präzise und ist weder zu leicht noch zu schwergängig, und das vom ersten Meter an, im Stadtverkehr genauso wie bei höheren Geschwindigkeiten. Die variable Luftfederung hat gegenüber dem Vorgänger, der schon als exzellent galt, nochmals an Reife gewonnen, ohne dass der Komfort leidet. Für Ruhe an Bord sorgt zudem einen Geräuschpegel, der sich treffend mit flüsterleise beschreiben lässt. Im Zusammenspiel mit der unauffällig schaltenden Automatik entsteht ein Fahreindruck, der die Erwartungen an eine Basisversion klar übertrifft.

Innenraum und Komfort: Viel Luxus, kleine Eigenheiten

Beim Einsteigen setzt der 7er einen eigenen Akzent: Tritt der Fahrer auf das Bremspedal, schließt sich die Fahrertür von selbst. Anfangs wirkt das entbehrlich, im Alltag wird es rasch zur Selbstverständlichkeit. Die elektrische Öffnung hat allerdings Grenzen: Wenn der Parkplatznachbar zu wenig Platz lässt oder man dem Mechanismus selbst im Weg steht, verweigert er mitunter den Dienst.

Die Ledersitze mit umfangreichen Verstellmöglichkeiten, Massagefunktion und feiner Klimatisierung gelten selbst im Luxussegment international als Referenz. Hinzu kommen großzügige Platzverhältnisse, ein hohes Komfortniveau, hochwertige Verarbeitung und edle Oberflächen. Der Laderaum fasst 540 Liter.

Im Fond sieht der 7er drei Bildschirme vor: zwei Bedienmodule in den Türen sowie eine sehr große Kinoleinwand. Mit etwas Verzögerung folgt im kommenden Jahr außerdem eine feste Mittelkonsole mit ausklappbarem Tisch und Kühlbox, die vor allem Chauffeurdienste und Kunden in Asien ansprechen dürfte. Zusätzlich plant BMW eine leichte Panzerversion, die das bisherige Angebot VR9 und VR10 ergänzt. Die zurückgenommene Assistenz ist dabei ein stimmiges Statement: Statt jedes denkbare System auszureizen, begnügt sich BMW mit Level 2 plus.

Bedienung und Anzeigen: Viel Technik, wenig Übersicht

Die größte Eingewöhnung verlangt das Cockpit. Nach dem Vorbild der Neuen Klasse verzichtet der 7er auf das klassische Kombiinstrument. Stattdessen gibt es einen schmalen Anzeigestreifen. Das ist Geschmackssache und wird vor allem jene Fahrer irritieren, die die bisherige Instrumentierung über Jahre schätzten. Ähnliches gilt für das griffige Lederlenkrad: Blindbedienung gehört der Vergangenheit an.

Positiv fallen dagegen das 18 Zoll große Zentraldisplay und ein Beifahrerbildschirm auf, den das Segment lange vermisst hat. Zusammen mit Panoramadisplay und Head-up-Darstellung entsteht ein umfangreiches Anzeigekonzept. Kritik gibt es an der Menüführung: Tiefe Menüstrukturen und eine Fülle von Symbolen erschweren die Bedienung. Ohne diese Schwächen wäre das Gesamtpaket nahezu perfekt: Hardware und Komfort überzeugen, die Software verlangt Nachsicht.

Empfehlung: Für wen der Basis-7er die richtige Wahl ist

Der 740 xDrive lässt sich am besten entlang der Alternativen einordnen, die BMW selbst im Programm hat. Der elektrische i7 steht im Fokus der Überarbeitung und ist die erste Wahl für alle, die komplett auf Elektroantrieb setzen. Der Diesel 740d bleibt für Vielfahrer interessant, muss sich aber in einem Umfeld behaupten, in dem selbst hocheffiziente Selbstzünder an Rückhalt verlieren. Der große Benziner bietet das umfangreichere Hybridpaket, richtet sich damit aber an eine andere Käufergruppe und liegt preislich deutlich über dem Einstiegsniveau.

Der 740 xDrive besetzt die Mitte zwischen diesen Positionen. Er verzichtet auf üppige E-Unterstützung, liefert dafür einen kräftigen, kultivierten Antrieb und einen realen Verbrauch, der unter zehn Litern bleibt. Der kleine Hybridboost tut dem Wagen im Alltag spürbar gut, ohne den Fahrer vor neue Gewohnheiten zu stellen. Zu beachten ist, dass der Wagen mit 2.235 Kilogramm ein schweres Auto bleibt; Fahrwerk und Lenkung kaschieren das erstaunlich gut, hundertprozentig verleugnen lässt es sich aber nicht.

Preis des BMW 740 xDrive

Der BMW 740 xDrive MHEV ist ab 117.900 Euro erhältlich. Das ist für eine Einstiegsversion viel Geld, doch der Gegenwert in Form von Antrieb, Platzangebot, Komfort und Ausstattung ist ebenso beträchtlich. Denn „Basis“ bedeutet beim neuen 7er nicht abgespeckt, sondern ein Komfortniveau, das man sonst teureren Varianten zuschreiben würde. Einzig die Bedienung braucht Eingewöhnungszeit.

Technische Daten: BMW 740 xDrive MHEV

  • Motor: Benziner mit Turboaufladung (Reihensechszylinder)
  • Hubraum: 2.998 cm³
  • Leistung: 294 kW / 400 PS plus 13 kW / 18 PS (Elektromotor)
  • Max. Drehmoment: 580 Nm
  • Antrieb: Allrad
  • Getriebe: Achtgang-Automatik (ZF)
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Beschleunigung 0–100 km/h: 5,1 Sekunden
  • Normverbrauch: 8,6 Liter Super / 100 km, 195 g CO2/km
  • Leergewicht: 2.235 kg
  • Länge: knapp 5,40 Meter
  • Laderaum: 540 Liter
  • Preis: ab 117.900 Euro
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