Reportage: 75 Jahre Toyota Land Cruiser

75 Jahre Land Cruiser. Eine Ausfahrt auf Island: Der 250er mit Mildhybrid-Diesel und 35-Zoll-Reifen im Härtetest.

Man sagt Jeep und meint Geländewagen, so wie man Tempo sagt und ein Taschentuch meint. Dem Land Cruiser blieb dieses Schicksal erspart. Er hat es nie zum Gattungsbegriff gebracht, dafür aber 75 Jahre durchgearbeitet. Wer rastet, der rostet, könnte sein Motto lauten.

Rund wird man mit 75

Der Toyota Land Cruiser feiert seinen 75. Geburtstag. Zum Jubiläum ging es mit dem Land Cruiser 250 in der aktuellen Mildhybrid-Ausführung ins isländische Hochland, das den Geländewagen mit Schotter, Lavageröll und Flüssen reichlich beschäftigt. Wir ordnen ein, was das Modell nach seinen jüngsten Updates auf Asphalt und abseits davon leistet.

Land-Cruiser-Familie: Drei Zweige mit gemeinsamem Rückgrat

Neben dem Jeep und dem späteren Defender gehört der Land Cruiser zu den Geländewagen, deren Serienfertigung kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann. Beim Toyota läuft sie seit 1951 und hat sich zu einer Modellfamilie mit drei Strängen entwickelt. Die Heavy-Duty-Linie verrichtet vor allem in Afrika als sogenanntes Buschtaxi ihren Dienst. Die große Linie mit der Bezeichnung 300 entsteht besonders für die USA. Die Prado-Linie schließlich, als 250 bezeichnet, ist auch hierzulande erhältlich.

Allen Baureihen gemeinsam ist die robuste Geländetechnik: Leiterrahmenbauweise, Allradantrieb, Differenzialsperre, Untersetzungsgetriebe und eine exzellente Achsverschränkung. Das Fahrzeug folgt damit konsequent dem Anspruch von Toyota, Offroad-Können und Reisekomfort zu verbinden.

Land Cruiser 250: Rundscheinwerfer und Mildhybrid als Neuheiten

Das Modell wurde 2024 eingeführt und hat seitdem mehrere Updates erhalten. Frontstabilisatoren, die sich elektrisch entkoppeln lassen, sind nun in allen Versionen Serie, bislang war das nur bestimmten Varianten vorbehalten. Schon ohne diese Technik hat der aktuelle Land Cruiser eine um zehn Prozent vergrößerte Achsverschränkung. Mit dem Disconnect-Mechanismus kommen weitere zehn Prozent hinzu. Nur im extremen Gelände kommt dieser Spielraum ins Spiel, auch im isländischen Hochland dürfte man ihn kaum ausreizen.

Optisch gibt es ein Detail, das Fans des Offroad-Urgesteins freuen dürfte. Die betont luxuriöse Lounge-Version für 91.990 Euro trägt weiter die flachen LED-Scheinwerfer. Die geländegängigere Executive-Version für rund 85.000 Euro bekommt dagegen die Rundscheinwerfer zurück, die an frühere Generationen erinnern und zuvor ausschließlich einer limitierten Auflage zum Marktstart vorbehalten waren. Die Änderungen im Innenraum fallen eher gering aus: praktisch und hübsch, jedoch keine Revolution.

Mildhybrid-Diesel: Gemütlicher Antrieb für einen Cruiser

Die Basis bleibt der Vierzylinder-Turbodiesel mit 2.755 cm³ Hubraum und 151 kW (205 PS). Das maximale Drehmoment von 500 Nm liegt zwischen 1.600 und 2.800 U/min an, die Nennleistung bei 3.000 bis 3.400 U/min. Zum Modelljahr 2026 wurde das Aggregat mit 48-Volt-Technik zum Mildhybrid aufgerüstet. Wahrnehmbar ist das kaum, am ehesten bei der deutlich sanfteren und schnelleren Start-Stopp-Automatik.

Mancher mag bei einem Vierzylinder die Nase rümpfen, doch das Aggregat passt zum Anspruch, ein entspannter Reisewagen zu sein. Die Kraft geht über eine Achtgang-Automatik an den permanenten Allradantrieb, Untersetzung und hintere Differenzialsperre gehören serienmäßig dazu. In 12,3 Sekunden beschleunigt der Wagen auf 100 km/h, bei 169 km/h endet der Vortrieb. Das sind keine Rekordwerte, aber bei einem Gelände-Klassiker sind sie auch nicht entscheidend. Der kombinierte Verbrauch liegt bei 10,6 bis 10,8 Litern je 100 Kilometer. Das ist angesichts eines Leergewichts von 2.415 Kilogramm in Ordnung, wenn auch nicht sparsam.

Als Reisewagen punktet der Land Cruiser 250 zudem mit seinen Abmessungen. Bei 4.925 Millimetern Länge, 1.980 Millimetern Breite und 1.935 Millimetern Höhe bietet er einen Radstand von 2.850 Millimetern und ein Kofferraumvolumen von 954 bis 1.895 Litern. Die Zuladung beträgt 685 Kilogramm. Die serienmäßige Bodenfreiheit von 215 Millimetern gehört zu den Argumenten, die im Gelände später auf den Riesenrädern noch deutlicher zum Tragen kommen.

Auf Asphalt, Schotter und Lava: Das Gelände ist sein Revier

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Die Fahrt begann auf Asphalt, dem Untergrund, den jeder Besucher als Erstes sieht. Hier zeigt sich der Land Cruiser von seiner zurückhaltenden Seite. In der Hauptstadt und auf Landstraßen mit Teerbelag läuft er trotz der großen Räder unaufgeregt und gehorcht präzise der Lenkung, sowohl beim schnellen Spurwechsel als auch bei raschen Kurvenkombinationen. Dazu trägt die neue elektrische Servolenkung bei, die präzise arbeitet und dem Fahrer mehr Rückmeldung gibt.

Auf geschotterten Trails, die an Wertungsprüfungen von Rallyes erinnern, ändert sich das Bild. Festes, spitzkörniges Lavagestein, viele Schlaglöcher und lange Kurven fordern Fahrer und Fahrzeug. Der Land Cruiser bleibt auch unter diesen Bedingungen gelassen. Das elektronisch gesteuerte Bremssystem der Modellpflege lässt sich besser dosieren und hat einen klaren Druckpunkt. Noch wichtiger: Auf der isländischen Waschbrettpiste gibt es weder Quietschen noch Klappern.

Verliert sich der Trail, wird es technisch. Der Schotter weicht großen Lavabrocken, die irgendwie überwunden werden müssen. Mit aktivierter Crawl Control gelingt das mühelos, Kraft, Grip und Bodenfreiheit reichen jeweils aus. Schließlich folgen Wasserläufe, die jeden Geländefahrer auf Island erfreuen. Flüsse werden gequert oder im Flussbett befahren. Für den Land Cruiser ist das ein gigantischer Spielplatz, für die wenigen Einheimischen, die dort unterwegs sind, schlicht ein notwendiger Weg zum Ziel.

Riesenreifen: Das Geburtstagsgeschenk gibt es nur auf Island

Für die Tour hatte Toyota dem Wagen grobstollige 35-Zoll-Räder aufgezogen. Die Bodenfreiheit wächst damit von ohnehin üppigen 21 auf über 24 Zentimeter, außerdem vergrößert sich die für den Grip wichtige Reifenaufstandsfläche. Für den Einbau sind einige Umbauten nötig. In Deutschland sind diese Räder nicht erhältlich, auf Island kosten sie als Serienoption umgerechnet 7.500 Euro.

Meinung: Für wen der Land Cruiser 250 passt

Der Land Cruiser 250 richtet sich an Käufer, die Offroad-Können und Reisekomfort in einem Fahrzeug verbinden wollen. Das Modell glänzt nicht durch Spitzenwerte, sondern durch Gelassenheit: Der Diesel ist kräftig genug, die Technik ausgereift, und die Geländefähigkeit reicht weit über das hinaus, was die meisten Besitzer je ausschöpfen werden. Man bezahlt eben auch die Reserve, die man hoffentlich nie braucht.

Preis des Toyota Land Cruiser 250

Die Executive-Version kostet rund 85.000 Euro, die Lounge-Version 91.990 Euro. Der Aufpreis ergibt sich aus der luxuriöseren Ausrichtung mit flachen LED-Scheinwerfern, während die Executive mit Rundscheinwerfern stärker auf das Gelände zielt. Die 35-Zoll-Räder kosten auf Island umgerechnet 7.500 Euro Aufpreis, sind für den deutschen Markt aber nicht vorgesehen. Unterm Strich bietet das Modell viel Geländetechnik für das Geld, auch wenn der Preis kein Schnäppchen ist.

Technische Daten: Toyota Land Cruiser 250 48V

  • Motor: Reihenvierzylinder-Diesel, Mildhybrid (48 Volt)
  • Hubraum: 2.755 cm³
  • Leistung: 151 kW (205 PS) bei 3.000–3.400 U/min
  • Max. Drehmoment: 500 Nm bei 1.600–2.800 U/min
  • Getriebe: 8-Gang-Automatik
  • Antrieb: Permanentallrad
  • Getriebeuntersetzung / Differenzialsperre hinten: serienmäßig
  • Länge x Breite x Höhe: 4.925 x 1.980 x 1.935 mm
  • Radstand: 2.850 mm
  • Bodenfreiheit: 215 mm
  • Kofferraumvolumen: 954 bis 1.895 Liter
  • Leergewicht: 2.415 kg
  • Zuladung: 685 kg
  • Anhängerlast: 3.500 (Einheit im Datenblatt unklar, vermutlich kg)
  • Höchstgeschwindigkeit: 169 km/h
  • Beschleunigung 0–100 km/h: 12,3 Sekunden
  • Verbrauch kombiniert: 10,6–10,8 Liter / 100 km
  • CO2-Emission kombiniert: 278–284 g/km
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