Ohne GPS durch den Wilden Westen
Die Rebelle Rally führt Damenteams über 2.500 Kilometer durch Kalifornien, Utah und Nevada, ganz ohne moderne Navigationshilfen. 45 Fahrzeuge treten in der elften Auflage an, vom älteren Land Rover Defender bis zum Mini Countryman Untamed. Wir erklären, wie die Rallye funktioniert, was die Autos leisten müssen und warum die Vorbereitung manchmal ein ganzes Jahr dauert.
Wer sich auf die Dakar beruft, redet gern von Legenden. Die Rallye hat über Jahrzehnte ihren Mythos aufgebaut und sogar den Wechsel ganzer Kontinente überstanden. Mindestens ebenso spektakulär geht es seit mehr als zehn Jahren bei der Rebelle Rally zu, und das mit einer Besonderheit: Ladies only.
Rebelle Rally 2026: Navigieren statt Navi

Die Strecke beginnt in Las Vegas, der Spielerstadt. Von dort geht es durch staubige Wüstenregionen, über Bergkämme und ausgetrocknete Seen. Nach mehr als einer Woche wartet an den Imperial Sand Dunes die schwarz-weiße Zielflagge. Ziel der Teams ist es, anzukommen und bei zahlreichen Orientierungsaufgaben möglichst viele Punkte zu sammeln. Moderne Navigationshilfen sind tabu. Stattdessen verlassen sich die Teilnehmerinnen neben ihrem Instinkt auf Karte, Kompass und Roadbook.
Fahrzeugfeld: Vom Defender bis zum Mini Countryman Untamed

Das Starterfeld ist bunt. Neben einem in die Jahre gekommenen Land Rover Defender gehen umgebaute Ford Ranger Raptor, modifizierte Jeep Rubicon und Ineos Grenadier an den Start. Zu den Exoten zählt ein Porsche Cayenne S aus dem Jahr 2006, den man sonst eher an der Golfclub-Zufahrt vermuten würde. Dazu kommen ein Subaru Forester Hybrid und ein Mini Countryman Untamed. Alle fahren im harten Offroad-Trimm.
Mit den Serienversionen haben die 45 Fahrzeuge kaum noch etwas gemein. Offroad-Reifen, LED-Balken, Unterfahrschutz, Ersatzreifen und Zusatztanks sorgen für maximale Autonomie im Gelände. Das ist nötig, denn jeder Tag verlangt 200 bis 350 Kilometer abseits befestigter Wege.
4×4 und X-Cross: Zwei Klassen, ein Gelände

Das Reglement trennt die Fahrzeuge in zwei Klassen. Die 4×4-Liga umfasst Offroader mit Allradantrieb und Untersetzung, wie sie die meisten Pickups und Geländewagen bieten. Bei den X-Cross-Modellen treten Fahrzeuge mit selbsttragender Karosserie und Allradantrieb ohne Untersetzung an. Dabei handelt es sich um zahmere SUV, die mit entsprechenden Modifikationen ebenfalls für den harten Einsatz zwischen Felswänden, Sanddünen und Wasserdurchfahrten gewappnet sind.
Karte, Kompass, Roadbook: Warum die Vorbereitung ein Jahr dauert

Wer ohne GPS fährt, muss anders trainieren. Viele Teams bereiten sich oft ein Jahr lang vor, mit Navigations- und Fahrzeugtechnik und endlosen Testfahrten in Dünenlandschaften, auf felsigem Terrain und auf losem Untergrund. Erika Ferrer, die im Mini Countryman mit der Startnummer 206 navigiert, beschreibt es so: Die Rebelle Rally sei ebenso ein Test für Urteilsvermögen und Teamarbeit wie für das Fahrzeug selbst. Jede Entscheidung zähle, „von der Wahl der richtigen Linie bis hin zur Navigation durch Gelände, das oft völlig anders aussieht als auf der Karte“. Ihre Partnerin und sie hätten viel Zeit investiert, um als Team perfekt zusammenzuarbeiten.
Auch Neulinge sind dabei: 16 Rookies gehen 2026 an den Start. Man hilft sich untereinander, Wettkampfgedanke hin, Müdigkeit her. Felica Killman ist eine erfahrene Rallye-Pilotin und trotzdem zum ersten Mal dabei. Die ersten Tage seien „eine großartige Erfahrung“ gewesen, sagt sie, mit guter Zusammenarbeit, besprochener Strategie und „jeder Menge Spaß“.
Etappen von Tonopah bis Johnson Valley: Mal Spaziergang, mal Zerreißprobe

Die Teams übernachten in einer kleinen Zeltstadt und starten morgens zur nächsten Etappe. Rund um die ausgetrockneten Seen bei Tonopah und den Paymaster Canyon hinauf sind die Aufgaben vergleichsweise gut zu meistern, an anderen Tagen wird es deutlich heftiger. Für ein Foto bei Roy’s nahe Amboy an der Route 66 bleibt trotzdem Zeit. Danach geht es frühmorgens mit Kompasshilfe ins Johnson Valley, wo Felspfade, Sandbänke und eigentlich trockene Flussbetten mit überraschend nassen Passagen einige Teams an ihre Grenzen bringen.
Gerade im felsigen Gelände kommt man zumeist nur langsam voran. „Die Linienwahl war sehr anspruchsvoll. Es war eine präzise Route, und wir kamen den ganzen Tag über nur mit etwa 16 km/h voran“, sagt Desirée Chandler vom Team 143.
Finale in den Imperial Sand Dunes: Wind, Zelt und Zielflagge

Den Höhepunkt bilden die Imperial Sand Dunes, unter Offroad-Fans als „Glamis“ bekannt und das größte Sandareal der USA. An Dünenkämmen und am Coachella-Kanal stießen nicht nur die X-Cross-Modelle an ihre Grenzen. Die Nacht vor dem Finaltag fiel für viele kürzer aus als erwartet: Gegen Mitternacht frischte der Wind im Basislager auf, Böen bis 80 km/h kosteten den Schlaf. „Wir hatten gehofft, dass die Rallye heute abgesagt wird“, sagt Ciegi Shaw vom Team 146. „Um 1:30 Uhr musste ich das Zelt mit dem Fuß stützen, weil sich die Zeltstange verbogen hatte.“
Die Schlussetappe fand wie geplant statt. Gründerin Emily Miller würdigt das Engagement der Teams: „Der Wind belohnt die Starken, die Zähen, die Entschlossenen.“ Der Blick geht schon voraus. Die Rebelle Rally 2027 startet am 6. Oktober 2027, laut Veranstalter mit neuen Herausforderungen für Mensch und Maschine.
Eckdaten: Rebelle Rally 2026
- Auflage: 11. Rebelle Rally, Teilnehmerfeld nur Frauen
- Strecke: rund 2.500 Kilometer durch Kalifornien, Utah und Nevada
- Start: Las Vegas; Ziel: Imperial Sand Dunes
- Dauer: mehr als eine Woche
- Tagesetappen: 200 bis 350 Kilometer
- Fahrzeuge: 45, davon 16 Rookie-Teams
- Klassen: 4×4 (Allrad mit Untersetzung) und X-Cross (Allrad ohne Untersetzung, selbsttragende Karosserie)
- Navigation: Karte, Kompass und Roadbook, kein GPS
- Nächste Auflage: Start am 6. Oktober 2027















