Fahrbericht: Hyundai Ioniq 3

Der Hyundai Ioniq 3 startet bei 28.950 Euro und bringt ein neues Infotainmentsystem mit. Der Fahrbericht zeigt Technik, Komfort und Preis.

Ein Elektroauto für die breite Masse

Mit dem Ioniq 3 bringt Hyundai ein kompaktes Elektroauto auf den Markt, das vor allem mit einem niedrigen Einstiegspreis und einem vernünftigen Gesamtpaket überzeugen soll. Der erste Test im dichten Straßenverkehr von Istanbul zeigt ein überraschend ausgereiftes, komfortables und geräumiges Fahrzeug, allerdings mit einer auffälligen Schwäche beim Antritt.

Wer auf ein Elektroauto wartet, das ohne große Show auskommt und dafür im Alltag funktioniert, findet im Ioniq 3 einen ernstzunehmenden Kandidaten.

Design: Pragmatisch statt spektakulär

Anders als seine größeren Geschwister verzichtet der Ioniq 3 bewusst auf auffällige Design-Elemente. Das Konzept verbindet eine flache, gestreckte Silhouette mit aerodynamischem Feinschliff und orientiert sich am „Aero-Hatch“-Format, einer Mischung aus kompakter Schrägheckform und Elektro-Architektur. Auffällig ist, wie stark sich das Styling zwischen den Ausstattungslinien unterscheidet: Die sportlichen N Line-Varianten mit schwarzen Anbauteilen, großen Felgen und ausgeprägtem Spoilerwerk, besonders in Rot, wirken deutlich dynamischer, am Heck erinnert die Form manche Betrachter an den Alfa Romeo SZ. Die Modelle Select, Trend und Prime treten dagegen optisch zurückhaltender auf und richten sich an ein breiteres Käuferspektrum.

Innenraum: Mehr Platz, als die Außenmaße vermuten lassen

Im Innenraum zeigt sich, dass Hyundai gezielt auf eine möglichst breite Zielgruppe hin entwickelt hat. Der Ioniq 3 wirkt deutlich geräumiger, als es die kompakten Abmessungen erwarten lassen. Die steile Frontscheibe, die horizontale Instrumententafel und der flache Fahrzeugboden sorgen vorn für ein großzügiges Raumgefühl mit viel Kopffreiheit. Auch im Fond lässt es sich überraschend bequem reisen, die aufrechte Sitzposition ermöglicht es, die Füße mühelos unter die Vordersitze zu schieben. Das Platzangebot kommt dabei an das Niveau eines klassischen VW Golf früherer Generationen heran. Positiv fällt zudem das Kofferabteil auf: Insgesamt stehen 441 Liter Ladevolumen zur Verfügung, davon 322 Liter im regulären Gepäckraum und 119 Liter in einem Zusatzstauraum unter dem Ladeboden, der neben Ladekabeln, Warndreieck und Erste-Hilfe-Set auch einen Handgepäckkoffer aufnimmt.

Infotainment: Großer Fortschritt mit einer ärgerlichen Lücke

Im Cockpit kommt erstmals das neue Infotainmentsystem „Pleos Connect“ auf Android-Automotive-Basis zum Einsatz, für Hyundai nach eigener Einschätzung ein deutlicher technischer Fortschritt. Die Grafik auf dem je nach Ausstattungslinie 12,9 oder 14,6 Zoll großen zentralen Touchscreen wirkt gestochen scharf, die Reaktionszeiten sind flüssig, die Menüführung logisch aufgebaut. Für die Klimatisierung setzt Hyundai weiterhin auf physische Tasten, was die Ablenkung während der Fahrt reduziert, ein im Markt zunehmend seltener gewordener Pluspunkt. Weniger überzeugend ist die Ausstattungspolitik beim Fahrerdisplay: Dieses kleine, aber alltagsrelevante Display hinter dem Lenkrad bleibt den höheren Ausstattungslinien vorbehalten, bei den Basismodellen müssen fahrrelevante Informationen über den zentralen Monitor abgerufen werden, eine Einsparung, die nicht recht zum sonst durchdachten Gesamteindruck passt.

Fahrwerk: Komfortabel abgestimmt mit Reserven

Der Ioniq 3 überzeugt im Alltag mit einem ausgesprochen komfortablen Fahrwerk. Schlechte Fugen, tiefe Kanaldeckel und unebenes Kopfsteinpflaster, wie sie im Testgebiet Istanbul reichlich vorkommen, werden gelassen weggefiltert, das Fahrzeug federt verbindlich statt hölzern und bleibt dabei zusammen mit leisen Abrollgeräuschen angenehm ruhig im Innenraum. Außerhalb der Stadt, auf dem Weg zur Küste, zeigte das Fahrwerk auch bei höherem Tempo ein überzeugendes Bild mit sauberem Einlenkverhalten und gutem Grip, wobei dies auch der großzügigen 225/45er-Bereifung der getesteten N Line Evo-Topausstattung zuzuschreiben ist. Motorseitig bleibt bei den querdynamischen Eigenschaften noch Entwicklungspotenzial.

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Antrieb: Solide Fahrleistungen mit Schwächen beim Antritt

Das Topmodell verfügt über eine 61-kWh-Batterie und einen Elektromotor mit 135 PS bei einem maximalen Drehmoment von 250 Newtonmetern. Die Einstiegsvariante mit 42,2-kWh-Batterie erreicht bei identischem Drehmoment sogar 147 PS. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt je nach Variante in 9,0 bis 9,6 Sekunden. In der Fahrpraxis auf den hügeligen Straßen Istanbuls zeigt der Antriebsstrang jedoch Schwächen: Der Antritt wirkt in vielen Situationen uninspiriert, bei steileren Anstiegen oder einem zügigen Zwischenspurt auf der Autobahn fällt der Ioniq 3 merklich zurück. Diese Zurückhaltung beim Durchzug passt nicht ganz zum sonst erwachsenen und souveränen Gesamtcharakter des Fahrzeugs, wer die übliche spontane Elektro-Spritzigkeit erwartet, wird an dieser Stelle enttäuscht.

Effizienz und Laden: Überraschend wirtschaftlich im Alltag

Bei der Effizienz zeigt sich der Ioniq 3 dagegen von seiner besten Seite. Die 400-Volt-Architektur der E-GMP-Plattform wirkt auf dem Datenblatt zwar weniger beeindruckend als die 800-Volt-Technik der größeren Modelle, erweist sich im Alltag aber als praxistauglich. Im Stop-and-Go-Verkehr Istanbuls verzeichnete der Bordcomputer am Ende der Testfahrt einen Verbrauch von nur 14,8 kWh pro 100 Kilometer, womit selbst die Variante mit dem kleineren Akku im Alltag deutlich über 275 Kilometer Reichweite erreicht. An Schnellladesäulen lädt die große Batterie in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Ein echtes Argument im Alltag ist zudem die optionale 22-kW-Ladeleistung bei Wechselstrom, die ein zügiges Nachladen abseits teurer Schnelllader ermöglicht, etwa während des Wocheneinkaufs.

Preis des Hyundai Ioniq 3

Der Hyundai Ioniq 3 startet bei 28.950 Euro. Mit diesem Einstiegspreis setzt Hyundai die europäische Konkurrenz im Segment kompakter Elektroautos deutlich unter Druck. Für dieses Geld erhalten Käuferinnen und Käufer ein geräumiges, komfortabel gefedertes und überraschend effizientes Elektroauto, dessen kleinere Schwächen, insbesondere der mäßige Antritt und das fehlende Fahrerdisplay in den Basisversionen, dem insgesamt soliden Gesamteindruck keinen größeren Abbruch tun.

Technische Daten: Hyundai Ioniq 3

  • Typ: Kompaktklasse
  • Motor: Elektromotor
  • Leistung: 135–147 PS (100–108 kW)
  • Max. Drehmoment: 250 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
  • Beschleunigung 0–100 km/h: 9,6–9,0 s
  • Getriebe: einstufiges Reduktionsgetriebe
  • Antrieb: Vorderrad
  • Batteriekapazität: 42,2–61 kWh
  • Verbrauch: ca. 15–17 kWh/100 km (Testwert: 14,8 kWh/100 km im Stadtverkehr)
  • CO2-Ausstoß: 0 g/km
  • Gewicht (Herstellerangabe): 1.625–1.735 kg
  • Max. Zuladung: 360–465 kg
  • Abmessungen (L/B/H): 4.155 / 1.800 / 1.505 mm
  • Ladevolumen: 441 l (322 l Kofferraum, 119 l Zusatzfach)
  • DC-Laden: rund 30 Minuten von 10 auf 80 % (große Batterie)
  • AC-Ladeleistung: optional bis 22 kW
  • Infotainment: Pleos Connect (Android Automotive), Touchscreen 12,9 oder 14,6 Zoll
  • Preis: ab 28.950 Euro

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