Bloß nichts verschenken
Der Kauf eines Neuwagens gehört für die meisten Normalverdiener zu den größten Investitionen im Leben. Ein paar Zehntausender sind schließlich kein Pappenstiel. Mit EU-Importwagen lässt sich einiges sparen – wenn man alles richtig macht.
Zwanzig Tausender müssen schon locker sitzen, wenn man sich in der Mittelklasse bedienen will. Für all die Extras, die das Autofahrerleben schöner und sicherer machen, werden obendrein saftige Zusatzsummen in Rechnung gestellt. Unterm Strich ergeben sich dabei l schnell Beträge, die der Haushaltskasse auch noch den Notgroschen rauben. Wer dennoch keine Abstriche bei Marke oder Fahtzeugklasse machen will, kann sich auf dem Markt der EU-Importwagen umschauen. Mit Preisvorteilen von bis zu 30 Prozent werben verschiedenste Anbieter auf Dutzenden Seiten im Internet. Nach den angepriesenen Super-Schnäppchen muß man auch dort meistens lange suchen. Aber mit Kostenvorteilen von zwei- bis dreitausend Euro in der Kompakt- und Mittelklasse können Importwagen-Kunden durchaus rechnen.
Zu den etablierten Anbietern im EU-Importgeschäft gehört Bernd Jütten. Bereits Ende der Neunziger Jahre erkannte der findige Unternehmer die unterschiedlichen Auspreisungen der Hersteller als Chance für ein pfiffiges Geschäftsmodell. „Hersteller orientieren sich bei ihrer Preispolitik zwangsläufig an der Konkurrenz und am Einkommensniveau im jeweiligen Land, was immer wieder zu erheblichen Preisunterschieden führt“, weiß der Profi. In welchen Ländern der Einkauf besonders lohne, lasse sich so pauschal nicht sagen, erklärt Jütten. „Das variiert von Marke zu Marke, von Modell zu Modell.“
Die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze in den Staaten der Europäischen Union tragen ihren Teil zum Preisgefälle bei. Dort, wo der Staat besonders hinlangt, sind Hersteller gezwungen, mit extra spitzem Bleistift zu kalkulieren, damit das Produkt für die anvisierte Klientel überhaupt erschwinglich bleibt. Wo der Steuersatz moderater ausfällt, wird der Nettopreis soweit wie möglich nach oben justiert. Extremes Beispiel ist Dänemark. Weil der Staat dort bei jedem Autokauf noch eine saftige Luxussteuer abkassiert, zahlen Dänen fürs gleiche Fahrzeug mehr als doppelt so viel wie ihre Nachbarn in Deutschland. Hersteller, die bei den Dänen landen wollen, haben praktisch keine Wahl. Sie müssen auf die üblichen Gewinnspannen verzichten und den Nettopreise am untersten Limit festsetzen.
Kunden aus dem Ausland belastet der dänische Steuerbalast indes nicht. Wer den frisch erworbenen Neuwagen mit nach Deutschland nehmen will, zahlt erst zuhause – an den deutschen Fiskus die hierzulande üblichen 19 Prozent und spart damit doppelt – beim viel geringeren Nettopreis und beim entsprechend schmaleren Steueraufschlag. Volkswirtschaftliche Solidarität mag anders aussehen. Juristich aber sind die Importgeschäfte völlig okay. Die Hersteller hätten den grenzüberschreitenden Handel zwar gern verhindert. Aber die EU-Administration wies die Autobauer schon vor Jahren in die Schranken. Der freie Warenverkehr innerhalb der Mitgliedstaaten ist längst verbrieftes Recht.
„Kunden von Importwagen sind aus rechtlicher Sicht prinzipiell nicht schlechter gestellt als andere Autokäufer“, sagt ADAC-Jurist Klaus Heimgärtner und schiebt sogleich eine Einschränkung hinterher. „Vorausgesetzt, dass man das Auto bei einem seriösen Import-Händler in Deutschland kauft.“ Denn bei Mängeln an der Waren hafte der Import-Händler wie jeder andere Vertragshändler auch. „Anders liegt der Fall, wenn es sich um sogenannte Grau-Importe handelt“, betont der Jurist. Dabei trete der Anbieter in Deutschland lediglich als Vermittler auf, der das Wunschauto im Auftrag des Kunden bei einem Händler im Ausland beschafft. „Wenn der Vertrag dann zwischen dem Käufer in Deutschland und dem Händler im Ausland abgeschlossen wird, kann es problematisch werden“, warnt der Rechtsexperte. Denn bei Mängeln am Produkt ist der Vermittler aus dem Schneider. Der Käufer muss sich mit einem Händler auseinandersetzen, der beispielsweise in Barcelona, Bordeaux oder Budapest sitzt – was schon aufgrund sprachlicher Barrieren zum Nervenkrieg geraten kann.
Ärgerliche Reinfälle kann es in punkto Ausstattung geben. Zum Teil schnüren Herstellern für die verschiednen Märkte ganz unterschiedliche Komfortpakete, was auch dazu führt, dass die Preise nicht immer zu 100 Prozent vergleichbar sind. Kaufinteressenten sollten sich daher grundsätzlich den Umfang der mitzuliefernden Ausstattung vor Vertragsabschluss vom Händler bestätigen lassen. Und zwar schwarz auf weiß. Garantieleistungen können innerhalb der EU generell bei jedem Vertragshändler abgefordert werden. Dafür aber müssen die Fahrzeugunterlagen komplett sein. Ein vom Verkäufer im Ausland abgestempeltes Service-Heft gehört dazu. „Sicherheitshalber sollten sich Kunden allerdings vor Abschluss des Kaufvertrages Klarheit über die genauen Garantiebestimmungen verschaffen“, sagt Heimgärtner und schildert den Fall eines deutschen Ford-Käufers, der sein Auto von einem Händler in Österreich bezogen hat. „In den Garantiebestimmungen war ausdrücklich Ford Österreich als Garantiegeber genannt. Ford in Deutschland verweigerte die Übernahme der Kosten für die in Deutschland ausgeführten. Der Importkäufer klagte – und verlor den Prozess.“
Auf Hersteller-Kulanz sollten sich Re-Import-Kunden grundsätzlich keine Hoffnung machen. „Der Hersteller sieht natürlich, für welchen Markt das Auto bestimmt war“, sagt der Experte vom Autoclub. „Die Hersteller konnten die Import-Praxis zwar nicht unterbinden. Aber die Strafe für die EU-Schnäppchenjäger kommt mit der Kulanz-Verweigerung zumindest durch die Hintertür.“ Wo immer möglich, ziehen die Autobauer noch andere Register, weiß Jütten. Der Import-Großhändler würde gern mehr Autos mit Stern aus Dänemark beziehen. „Doch wenn wir große Stückzahlen ordern, haben wir es mit mehrmonatigen Lieferfristen zu tun, die wir unseren Kunden nicht zumuten können.“ Durch die Verzögerungstaktik schafft es der Hersteller immerhin, den grenzübergreifenden Deals gelegentlich den Riegel vorzuschieben.
Autor:Susanne Kilimann, Stand: 2010-01-31 22:23:00
Fotos: Hersteller
