Ein amerikanisches Comeback mit Verspätung
Volkswagen bringt mit der neuen Marke Scout zwei große, elektrifizierte Offroad-Modelle für den US-Markt: den SUV Scout Traveler und den Pick-up Scout Terra. Beide sollten ursprünglich bereits 2026 starten, verzögern sich nun aber deutlich – eine nennenswerte Stückzahl dürfte frühestens 2028 bei US-Kundinnen und -Kunden ankommen.
Wer bei „Scout“ an eine gänzlich neue Marke denkt, irrt nur teilweise: Der Name wurde ursprünglich für rustikalere Skoda-Modelle erworben und nun zur eigenständigen US-Marke umfunktioniert, um an die Tradition des früheren Geländewagenherstellers International Scout anzuknüpfen.

Markenstrategie: Volkswagen sucht Anschluss an die US-Topliga
Volkswagen hat in den USA seit Jahren Schwierigkeiten, in den besonders beliebten Fahrzeugklassen Fuß zu fassen. Vor allem bei Fullsize-Pick-ups und großen Geländewagen fehlte bislang das passende Angebot; im US-Werk in Chattanooga, Tennessee, läuft aktuell im Wesentlichen der überarbeitete Atlas vom Band. Trotz Herausforderungen in China und Europa hält der Konzern an seinen US-Plänen fest und positioniert mit Scout Traveler und Scout Terra – SUV und Pick-up auf gemeinsamer technischer Basis – ein Doppelpack, das gezielt gegen etablierte Modelle wie Ford F-150 und Expedition, Chevrolet Silverado und Tahoe, Ram oder Jeep Wagoneer antreten soll. Scott Keogh, Präsident und CEO von Scout Motors, erklärt dazu: „Die ursprüngliche Kernidee – robuste, vielseitige Fahrzeuge, die sowohl für das Abenteuer im Gelände als auch für die Familie geeignet sind – ist aktueller denn je. Wir könnten nicht stolzer sein, diese ikonische amerikanische Marke wiederzubeleben, tausende von amerikanischen Arbeitsplätzen zu schaffen und den amerikanischen Einfallsreichtum wieder zum Einsatz zu bringen.“
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Antrieb: Elektro mit Range-Extender-Option statt reinem Batterieantrieb
Anders als ursprünglich geplant treten Traveler und Terra nicht rein elektrisch an. Grund ist die weiterhin mäßig Nachfrage nach reinen Elektro-Pick-ups und -SUV in Nordamerika, wo ein Großteil des Interesses nach wie vor auf kraftvolle Benziner und teils Dieselmotoren entfällt. Neben den reinen Elektroversionen mit Reichweiten von über 500 Kilometern bietet Scout deshalb auch Varianten mit Range Extender an, der den Aktionsradius bis zum nächsten Ladestopp auf über 900 Kilometer ausdehnen soll. Die Elektromotoren beider Modelle sollen deutlich mehr als 367 kW (500 PS) sowie über 1.200 Nm Drehmoment leisten. Für zügiges Nachladen sorgt ein 800-Volt-Bordnetz, das Ladeleistungen von bis zu 350 Kilowatt ermöglichen soll.

Offroad-Technik: Leiterrahmen, Starrachse und 35-Zoll-Räder
Scout betont ausdrücklich den Offroad-Anspruch beider Modelle, die unter anderem gegen Tesla Cybertruck, Ford F-150 Lightning sowie Rivian R1T und R1S positioniert werden. Basis ist ein robuster Leiterrahmen mit aufgesetzter Karosserie und einer Starrachse hinten, kombiniert mit einem 35-Zoll-Radsatz und mehr als 30 Zentimetern Bodenfreiheit. Auch bei Zugkraft und Nutzlast will Scout trotz Elektroantrieb keine Kompromisse eingehen: Die gemeinsame Plattform soll bis zu 4,5 Tonnen Anhängelast ermöglichen, die Zuladung beider Modelle soll jeweils über 900 Kilogramm liegen.

Design: Anleihen beim historischen International Harvester Scout
Optisch orientieren sich Traveler und Terra an dem charismatischen International-Harvester-Scout, der insbesondere ab den späten 1960er-Jahren eine treue Fangemeinde hatte. Chris Benjamin, Chefdesigner von Scout Motors, beschreibt den gestalterischen Anspruch so: „Ein Scout-Fahrzeug sollte immer ein hilfreicher Begleiter sein. Es sollte dem Kunden immer ermöglichen, die Dinge zu tun, die er tun möchte und seine Erfahrungen einfacher, besser und schneller machen.“

Zeitplan: Produktionsstart 2027 statt 2026
Der ursprünglich für 2026 geplante Marktstart verschiebt sich. Nach aktuellem Stand soll die Fertigung beider Modelle 2027 im neu errichteten Werk in Blythewood, South Carolina, beginnen, wo rund 4.000 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Bis eine nennenswerte Anzahl Fahrzeuge tatsächlich bei Kundinnen und Kunden ankommt, dürfte es demnach eher 2028 werden.
Preis des Scout Traveler und Terra
Die Preise sollen bei knapp 60.000 US-Dollar beginnen. Da es sich um eine reine US-Marke ohne angekündigten Marktstart in Europa handelt, liegen keine Euro-Preisangaben vor.
Technische Daten: Scout Traveler / Scout Terra
- Fahrzeugtypen: SUV (Traveler) und Pick-up (Terra) auf gemeinsamer technischer Basis
- Antrieb: Elektromotoren, deutlich mehr als 367 kW (500 PS)
- Max. Drehmoment: über 1.200 Nm
- Reichweite (reine Elektroversion): über 500 km
- Reichweite mit Range Extender: über 900 km bis zum nächsten Ladestopp
- Bordnetz: 800 Volt
- Ladeleistung: bis zu 350 kW
- Karosserie/Chassis: Leiterrahmen, Starrachse hinten
- Bereifung: 35-Zoll-Radsatz
- Bodenfreiheit: über 30 cm
- Anhängelast (Plattform): bis zu 4,5 t
- Zuladung: jeweils über 900 kg
- Produktionsstart: 2027, Werk Blythewood, South Carolina (rund 4.000 neue Arbeitsplätze)
- Marktstart mit nennenswerten Stückzahlen: voraussichtlich 2028
- Preis: ab knapp 60.000 US-Dollar














