Reportage: Effizienzprogramme im Auto

Avatar-Foto

VonStefan Grundhoff

14. Mai 2012
Foto: press-inform
Haptisches Gaspedal im Mercedes-Vorserienmodell (Foto: press-inform)

Oberlehrer fährt mit

Die größten Einsparpotenziale bietet nach wie vor der Autolenker selbst. In immer mehr Autos halten Effizienzprogramme Einzug, mit denen Autohersteller ihre Kunden mäßigen wollen.

Waren bei Sportwagen vor Jahren regelbare Dämpfersysteme und Sportprogramme der letzte Schrei, so drehen sich die Entwicklungen mittlerweile mehr darum, den Realverbrauch auf ein absolutes Minimum zu beschränken. Zunehmend setzen sich anwählbare Fahrprogramme durch, mit denen nicht nur der Normverbrauch (NEFZ) reduziert wird, der meist kaum das Papier wert ist, auf dem er geschrieben steht. Durch spezielle Eco-Programme soll der zunehmend teurer werdende Kraftstoff so sparsam wie möglich im Motor verbrannt werden.

Während Hersteller wie Audi oder BMW anwählbare Fahrprogramme mit verschiedenen Modi in ihre breiten Modellpaletten gebracht haben, arbeitet Daimler mit Hochdruck an einer Beeinflussung der Motorelektronik, um den Fahrer auf den rechten Weg zu bringen. Erste Erprobungsträger in der Mercedes S-Klasse sind mit einem haptischen Gaspedal ausgestattet. Hierbei bekommt der Fahrer über das rechte Pedal eine Rückmeldung, wie er effizienter fahren kann. Das Gaspedal ist über einen Stellmotor mit der komplexen Motor- und Elektroniksteuerung verbunden. Radarsensoren des Abstandstempomaten tasten die Fahrbahn nach vorne ab und geben diese Informationen an Bordelektronik und Navigationssystem weiter. So kann der Fahrer hinter dem Steuer gerade nur so viel Gas geben, um im fließenden Verkehr mitzuschwimmen. „Bis zu diesem Punkt fährt man verbrauchsorientiert, darüber hinaus leistungsorientiert“, erklärt Entwicklungs-Ingenieur Dr. Klaus-Peter Kuhn auf der Testfahrt, „das System arbeitet wie ein eingespielter Beifahrer: Es berät den Fahrer, ohne ihn zu bevormunden.“

Haptisches Gaspedal im Mercedes-Vorserienmodell (Foto: press-inform)
Effizienzprogramme auch im neuen Dreier BMW (Foto: press-inform)
Effizienzprogramme auch im neuen Dreier BMW (Foto: press-inform)
Audi Drive Select beeinflusst den Kraftstoffverbrauch (Foto: press-inform)
Audi Drive Select beeinflusst den Kraftstoffverbrauch (Foto: press-inform)
Effizienzprogramm im Infiniti ist das Eco-Pedal (Foto: press-inform)
Effizienzprogramm im Infiniti ist das Eco-Pedal (Foto: press-inform)
Haptisches Gaspedal im Mercedes-Vorserienmodell (Foto: press-inform)
Haptisches Gaspedal im Mercedes-Vorserienmodell (Foto: press-inform)

Während man den automatisch beeinflussten Druckpunkt des Gaspedals kaum merkt, wenn man es nicht wüsste, sorgt das Anklopfen am Gaspedal zumindest kurzfristig für Irritationen. Nach ein paar Kilometern gewöhnt man sich daran, fühlt sich jedoch durchaus beobachtet. Wer zu schnell und somit ineffizient unterwegs ist, bekommt ein Klopfsignal über die Pedalerie. Übersteuern kann man das System jederzeit. Dr. Klaus-Peter Kuhn: „Ziel des Radar-basierten Systems ist es, den verfügbaren Ausrollweg bis zu einem Bremsmanöver optimal auszunutzen.“ Das Sparpotenzial dieser Technik liegt nach Aussagen der Daimler-Techniker bei 10 bis 20 Prozent.

Eco-Pedal bei Infiniti

BMW hat sich unter dem erfolgreichen Slogan „efficient dynamics“ mächtig ins Zeug gelegt und seine Modelle auf Bestverbräuche getrimmt. Über einen Schalter am Mitteltunnel können Fahrer von 1er bis 7er Baureihe ihre Fahrweise beeinflussen. Die verschiedenen Fahrmodi von Eco Pro bis Sport-Plus beeinflussen nicht allein Motorelektronik und Verbrauch, sondern auch Fahrwerksabstimmung, Automatikgetriebe und sogar die Klimatisierung. Im Bordcomputer signalisiert eine Anzeige, wie sehr die Fahrweise den Verbrauch positiv beeinflusst. Schnell kommen hier auf 50 Kilometern Strecke ein paar Kilometer zusätzlich zusammen, die ökologisch artgerecht in blauer Farbe in Szene gesetzt werden. Audi hat mit seinem „Drive-Select-Schalter“ eine ähnliche Technik an Bord. Auch hier wird bei verschiedenen Modellen im Eco-Modus gespart, was geht – auch wenn der Fahrspaß leidet.

Nissan führte vor kurzem beim Infiniti M 37S das Eco Pedal ein. Das funktioniert ähnlich wie das haptische Gaspedal im Daimler-Probanden und baut einen spürbaren Gegendruck auf, wenn zu viel Energie verbraucht wird. Der Bordcomputer verarbeitet Daten wie Geschwindigkeit, Gangwahl, Drehzahl und Gaspedalstellung, um die Effizienz zu steigern. Das kann bis zu zehn Prozent Ersparnis bringen. Wenn der Fahrer mehr Gas gibt, als es die Elektronik in der gegenwärtigen Situation für nötig erachtet, ist das Gaspedal deutlich schwerer durchzutreten. Während das System auf Landstraßen nervt, gewöhnt man sich in der City schneller daran, bevormundet zu werden. Es gibt sichtlich weniger Brems- und Beschleunigungsvorgänge. Per Knopfdruck oder mit einem Kickdown lässt sich das Eco-Pedal jederzeit deaktivieren.

Autor:

Stefan Grundhoff, Stand: 2012-05-14 05:57:00
Fotos: press-inform