Fahrbericht: Brabus 800 Cabrio

Auf sie mit Gebrüll

Auf der Pressetermin zog Mercedes-CEO Ola Källenius im vergangenen Herbst ganz beiläufig einen Joker aus dem Ärmel – die Silhouette eines G-Klasse Cabrios. Premiere: 2027. Brabus bringt den offenen Showmaker bereits jetzt. Laut, spektakulär und imposante 906.185 Euro teuer.

Kein Auto ist bei Brabus, nicht erst durch den Supersportwagen Bodo mittlerweile vom Edeltuner zum Autobauer aufgestiegen, beliebter als die G-Klasse. Der Luxus-Klettermaxe aus Graz bevölkert die Fertigungshallen in Bottrop häufiger als jedes andere Fahrzeug. Mehr Leistung, opulente Karosserie-Kits oder eine offene Ladefläche nebst drei Achsen – den Individualisierungsmöglichkeiten sind abgesehen von einem Edelinterieur nach Wunsch kaum Grenzen gesetzt. Doch keine G-Klasse sorgt aktuell für mehr Aufsehen als das Brabus 800 Cabrio, denn damit stahlen die Bottroper dem Plattformgeber Mercedes die Schau, die die offene Version erst nächstes Jahr zum Kunden bringen. 

Der Auftritt des offenen Brabus G ist gewaltig, mächtig und nichts für den, der sich in irgendeiner Form dezent zurückhalten möchte. Der ausladende Karbon-Karosseriekit des hauseigenen Widestar mit bis zu 24 Zoll großen Hochgeschwindigkeitswalzen ist das eine. Unter der Haube gibt es das bekannte Kraftpaket, das aktuell nahezu jede G-Klasse von Brabus erstarken lässt. Der doppelt aufgeladene Vierliter-V8 leistet nach der Ruhrgebiets-Kraftkur 588 kW / 800 PS und ein donnerndes Drehmoment von 1.000 Nm. Ein Tritt aufs Gaspedal und der 2,5-Tonnen-Koloss trampelt los, wie ein wild gewordener Elefant. In vier Sekunden wird die 100er-Marke durchbrochen und wer es unbedingt drauf anlegt, donnert mit bis zu 240 km/h über die Autobahn ohne, dass sich das Stoffdach aufbläht. Dann wird es allerdings nichts mit dem ohnehin alles andere als zurückhaltenden Normverbrauch von 17,1 Liter SuperPlus auf 100 Kilometern. Jedoch kaum anzunehmen, dass sich einer der Kunden bei einem Preis von geradezu unglaublichen 906.185 Euro Gedanken über den Verbrauch macht. 

Der offene Brabus G setzt dem Bestseller als dem Ruhrgebiet die sprichwörtliche Krone auf, denn auf Knopfdruck klappt das Stoffdach in etwas müden 20 Sekunden nach hinten und lässt Sonne sowie säuselnden Fahrwind ins belederte Innere des Edelklettermaxen eindringen, der auf nur 50 Jahrzeuge beschränkt ist. Wer schon alles in seiner eigenen Luxusgarage weiß, der kann diese auf ungewöhnliche Art mit einem pfeilschnellen Hochsitz krönen. Mehr Applaus und Aufsehen als in der offenen Version des Brabus G mit Wide-Star-Exterieur wird es kaum geben. Um die Stabilität zu wahren bleiben die Scheibenrahmen ebenso stehen wie eine Dachstrebe hinter den Fondsitzen. So ist die offene G-Klasse eher Targa als echtes Cabrio – Auftritt und Fahrerlebnis tut das jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. 

Eine offene Mercedes G-Klasse ist nicht neu – nur lange Jahre gab es keine. In den Anfängen der G-Klasse Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre gab es bereits einen offenen G mit kurzem Radstand und später offene Versionen für verschiedene Armeen mit langem und kurzem Aufbau. 2007 legte Mercedes eine Luxusversion mit kurzem Radstand und elektrischem Dach auf; stellte diese jedoch 2013 wieder ein. Diese Modelle erzielen als G 320 CDI und G 500 heute Bestpreise von bis zu 300.000 Euro auf dem Gebrauchtmarkt. Die wohl spektakulärste G-Klasse in den vergangenen knapp fünf Jahrzehnten war der 2017 vorstellte Mercedes Maybach G 650 Landaulet. Der 5,35 Meter lange Maybach, angetrieben vom 630 PS starken V12 des G 65 AMG konnte auf Knopfdruck sein Dach öffnen und so zu einer luxuriösen Landaulet werden lassen – mit kompletten Maybach-Interieur im Fond. Viel kleiner ist das Brabus G Cabrio auch nicht und mit 50 Modellen noch exklusiver als das offene Landaulet, von dem 99 Fahrzeuge gefertigt wurden – für jeweils 750.000 Euro. 

Kaum weniger spektakulär die Ausfahrt knapp zehn Jahre später. Das Thermometer zeigt über 30 Grad – so öffnet sich die stramme Stoffmütze nebst hochfester Spriegel-Konstruktion mit seinen rund 500 neu entwickelten Komponenten auf Hebeldruck und gibt den elitären Platz an der Sonne frei. Die Glasscheibe verschwindet spurlos und das aufwendige Dachkonstrukt verschwindet hinter den belederten Einzelsitzen im Fond. Der Schub des aufgeladenen Achtzylinders ist gewaltig, das Blubbern aus den Sidepipes fast schon unanständig als es hinaus auf die Landstraße geht. Die Sonne gibt es Blick auf die Lederorgie im Innern frei – spektakulär verarbeitet und mit einer Finesse, die selbst verwöhnte Luxuskunden schwelgen lässt. 

Der offene Koloss sitzt satt und fett auf der Straße, wobei die 24-Zoll-Monoblock mit 295er Reifen und gewaltigen 345er hinten nur für solche Kunden die rechte Wahl sein dürfte, die den großen Auftritt über Fahr- und Lenkgefühl stellen, denn die Maximalbereifung kann nicht nur unter Komfortaspekten nur sehr eingeschränkt überzeugen. Spurrillen und Fahrbahnunebenheiten sind bei aller Lenkpräzision so eine Sache – dann lieber auf 23 oder besser 22 Zoll wechseln, damit die Reitergefühle nur beim Ausritt auf dem eigenen Pferd aufkommen. Immer wieder ein Gasstoß und dieses heftige Bollern und Wummern, das nicht allein Brabus-Fans begeistert, wenn der offene G loslegt. Das Erlebnis ist mit geöffneter Luke und der nahezu zugfreie Fahrt noch größer. Wem es trotzdem zu kühl ist, schaltet Sitzheizung und Nackenlüftung hinzu und fährt so auch durch die kühle Jahreszeit. Die potenziellen Kunden dürften sich jedoch eher in warmen Gefilden bewegen und im Herbst auf andere Schaustücke setzen. 

Technische Daten: Brabus 800 Cabrio

  • Motor: V8 mit Turboaufladung
  • Hubraum: 3.82 ccm
  • Leistung: 588 kW / 800 PS
  • Max. Drehmoment: 1.000 Nm
  • Beschleunigung 0 – 100 km/h: 4,0 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h
  • Antrieb: Allrad
  • Getriebe: Neungang-Automatik
  • Normverbrauch: 17,1 Liter / 100 km / 392 g CO2
  • Preis: 906.185 Euro
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