Gute Technik hat ihren Preis
Skoda hat sich in den vergangenen Jahren fast unauffällig zu einer der erfolgreichsten Elektromarken Europas entwickelt. Mit dem Epiq bringt die Marke nun ein neues Einstiegsmodell mit Elektroantrieb, das diesen Erfolg fortschreiben soll. Der 4,17 Meter lange Crossover, technisch eng verwandt mit dem VW ID Cross, bietet solides Design, ausreichend Platz und eine gefällige Bedienung, verlangt dafür allerdings einen spürbar höheren Preis, als es Käufer von früheren Skoda-Einstiegsmodellen gewohnt sind.
Ein Einsteiger-SUV zählt derzeit ohnehin zu den begehrtesten Fahrzeugklassen in Europa, und bei anhaltend hohen Kraftstoffpreisen greifen zunehmend mehr Interessenten zum Elektroantrieb. Entsprechend gut gefüllt sind die Auftragsbücher beim Epiq bereits vor dem offiziellen Marktstart. Wer allerdings mit der Erwartung an den Skoda-Händler herantritt, für vergleichsweise kleines Geld ein Elektroauto zu bekommen, und dabei den weiterhin erhältlichen Benziner-Bruder Skoda Kamiq außer Acht lässt, dürfte beim Blick auf den Preis kurz stutzen.

Skoda Epiq 35: Eine Version für die Theorie
Das Basismodell Epiq 35 mit dem kleineren 37-kWh-Akkupaket verspricht unter idealen Bedingungen eine Reichweite von 310 Kilometern. Im Winter oder bei zügigerem Tempo sinkt dieser Wert in der Praxis schnell auf kaum mehr als 200 Kilometer, was für einen Elektro-Crossover des Modelljahrs 2027 als nicht mehr ausreichend gelten dürfte. Auch das maximale Ladetempo von 50 kW an einer Schnellladesäule ist bestenfalls für Nutzer praxistauglich, die überwiegend innerstädtisch unterwegs sind und zu Hause laden können. In der Kaufberatung spielt der Epiq 35 damit für die meisten Interessenten faktisch keine relevante Rolle.
Skoda Epiq 55: Die realistische Wahl mit spürbarem Aufpreis
Wer einen Skoda Epiq mit alltagstauglicher Reichweite sucht, kommt an der Version mit dem größeren 55-kWh-Akkupaket kaum vorbei. Diese startet mit mäßiger Ausstattung bei 32.100 Euro, in der gehobenen First Edition werden daraus stattliche 38.950 Euro. Für einen Einstiegscrossover der Vier-Meter-Klasse sind das erhebliche Summen, zumal vergleichbare Modelle vor einigen Jahren noch für kaum mehr als 20.000 Euro zu haben waren. Der hauseigene Benziner-Bruder Skoda Kamiq startet mit knapp unter 26.000 Euro deutlich günstiger. An entsprechend gehobene Preise muss man sich mittlerweile auch bei Skoda gewöhnen.

Laden im Alltag: Solide Werte ohne Bestmarken
Mit maximal 105 kW Ladeleistung bewegt sich der Epiq 55 im Mittelfeld seines Segments, deutlich vor dem Basismodell mit seinen mageren 50 kW, aber ebenso deutlich hinter den derzeit schnellsten Elektroautos in vergleichbaren Preisklassen. Für die meisten Nutzungsprofile dürfte das dennoch ausreichen: Wer überwiegend innerstädtisch fährt und die Möglichkeit hat, zu Hause oder am Arbeitsplatz nachzuladen, wird mit dem Ladetempo des Epiq 55 im Alltag kaum Probleme bekommen.
Erst auf der klassischen Urlaubsfahrt über mehrere hundert Kilometer macht sich der Unterschied zu schnelleren Wettbewerbern bemerkbar, etwa durch etwas längere Pausen an der Ladesäule. Die Normverbrauchsangabe von 13,7 kWh je 100 Kilometer liegt für ein Fahrzeug dieser Klasse und Leistung in einem guten, wenn auch nicht überragenden Bereich.

Antrieb und Reichweite: Kraftvoll, aber früh abgeriegelt
Der Epiq 55 bietet einen mehr als ausreichend dimensionierten Elektromotor mit 155 kW beziehungsweise 211 PS an der Vorderachse, der imposant beschleunigt und in der Praxis mehr Leistung liefert, als für den Alltag notwendig wäre. Auf der Autobahn wird bereits bei 160 km/h abgeregelt, was auf langen Strecken für manche Kunden störender sein dürfte als das nur mäßige Ladetempo von 105 kW.
Die maximale Reichweite liegt bei bis zu 440 Kilometern, ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent dauert an einem passenden Schnelllader rund 25 Minuten. Da die meisten Kunden in dieser Fahrzeugklasse vor allem innerstädtisch oder im Großraumverkehr unterwegs sein dürften, spielt die Langstreckentauglichkeit für die Kaufentscheidung ohnehin eine untergeordnete Rolle.

Ausstattung: Solides Basispaket mit Lücken
Bereits das Basispaket umfasst eine Sitz- und Lenkradheizung, was in dieser Fahrzeugklasse nicht selbstverständlich ist und den insgesamt gehobenen Anspruch des Epiq unterstreicht. Wer möchte, kann die Sitze zudem elektrisch verstellen lassen.
Umso mehr fallen die genannten Lücken im Fond ins Gewicht, insbesondere das Fehlen einer elektrischen Heckklappe, die inzwischen auch in benachbarten Fahrzeugklassen zum guten Ton gehört. Für Familien mit häufigem Beladen dürfte das im Alltag spürbar werden.

Innenraum: Praktisch, mit kleinen Schwächen
Im Alltag zählen bei diesem Fahrzeugtyp vor allem Annehmlichkeiten wie ein gutes Platzangebot vorne und hinten, ein mit 475 Litern stattlicher Laderaum sowie ein gut ablesbares Großdisplay in der Mitte des Armaturenbretts. Der Epiq bietet zudem praktische Ablagen und kleine Detaillösungen, die Skoda-Fans seit Jahren zu schätzen wissen, wenngleich der Anteil an Hartplastik an Armaturenbrett und Türverkleidungen gerade noch als vertretbar gelten kann.
Die Sitze lassen sich auf Wunsch elektrisch verstellen, eine Sitz- und Lenkradheizung gehört bereits zum bewährten Basispaket. Die Bedienung über den zentralen Bildschirm ist übersichtlich gestaltet und die Darstellungen fallen angenehm einfach aus. Etwas eingeschränkter fällt das Urteil bei der Instrumentenanzeige aus: Dass in diesem Preissegment ein Head-up-Display fehlt, lässt sich verschmerzen, die Anzeigen hinter dem Lenkrad geraten allerdings spürbar zu klein.
Die guten Sitze sorgen dafür, dass der Fahrer auch auf längeren Strecken nicht ermüdet, im Fond finden immerhin zwei mittelgroße Kinder ausreichend Platz. Wer regelmäßig mehr Raum benötigt, sollte ohnehin eine oder besser zwei Fahrzeugklassen höher einsteigen, was im Skoda-Programm problemlos möglich ist. Bemängeln lässt sich, dass im Fond eine Sitzheizung sowie eine elektrische Heckklappe fehlen, zwei Ausstattungsdetails, die in dieser Preisklasse durchaus erwartbar wären.

Fahrverhalten: Komfortabel und überraschend souverän
Für eine Höchstgeschwindigkeit von gerade einmal 160 km/h braucht es trotz des stattlichen Leergewichts von 1,7 Tonnen eigentlich keine 155 kW beziehungsweise 211 PS, die bei starkem Beschleunigen durchaus spürbare Antriebskräfte ins Lenkrad bringen. Auf Landstraßen macht die üppige Leistung dennoch Laune, und das klar auf Komfort ausgelegte Fahrwerk kann allemal überzeugen.
Der Durchzug aus niedrigen bis mittleren Tempi gelingt klassenüblich stark und sorgt für echte Fahrfreude. Die Lenkung arbeitet dabei ebenso leichtgängig wie präzise, und selbst in schnell gefahrenen Kurven macht sich der niedrige Schwerpunkt angenehm bemerkbar. Die Wankbewegungen bleiben überschaubar, und beinahe souverän rollt der tschechische Elektro-SUV über Bodenunebenheiten hinweg, ohne dass es an Bord knarzt oder rappelt, was viele Wettbewerber deutlich schlechter hinbekommen.

Plattform: Konzern-Qualität im Kleinformat
Dass Skoda es beim Epiq schafft, die guten Eigenschaften der VW-Konzernplattform sowie technische Elemente größerer Konzernmodelle ins Einsteigersegment zu übertragen, überrascht angesichts der engen Verwandtschaft zum VW ID Cross wenig, verdient aber dennoch Anerkennung.
Das Fahrverhalten wirkt reifer, als man es einem Einstiegsmodell zunächst zutrauen würde, und auch die Verarbeitungsqualität hinterlässt im Test einen positiven Eindruck: Nichts knarzt, nichts klappert, selbst auf schlechteren Straßenbelägen bleibt der Innenraum angenehm ruhig. Für Käufer, die von einem älteren Skoda-Modell umsteigen, dürfte dieser qualitative Sprung ebenso spürbar sein wie der finanzielle.

Preis des Skoda Epiq 55
Mit einem Einstiegspreis von 32.100 Euro positioniert sich der Skoda Epiq 55 klar oberhalb dessen, was Kunden von früheren Einsteiger-Skoda-Modellen gewohnt waren. In der gehobenen First Edition steigt der Preis auf 38.950 Euro.
Zum Vergleich: Der benzinbetriebene Skoda Kamiq ist bereits für knapp unter 26.000 Euro erhältlich. In der Praxis dürften die meisten Epiq-Modelle deutlich über 30.000 Euro verkauft werden, was den Preis neben dem nur mäßigen Ladetempo zu einem der größten Kritikpunkte am neuen Einsteiger-Elektro-SUV macht.
Technische Daten: Skoda Epiq 55
- Motor: Elektro, vorn
- Leistung: 155 kW / 211 PS
- Max. Drehmoment: 290 Nm
- Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
- Beschleunigung 0–100 km/h: 7,1 Sekunden
- Antrieb: Front
- Normverbrauch: 13,7 kWh/100 km
- Batterie: 55 kWh – NMC
- Max. Ladetempo: 105 kW
- Leergewicht: 1.700 kg
- Laderaum: 475–1.345 Liter
- Preis: ab 32.100 Euro












