Fahrbericht: BMW i7 60 xDrive

Der überarbeitete BMW i7 60 xDrive überzeugt beim Fahren, patzt aber beim Ladetempo. Der ausführliche Fahrbericht mit allen Details.

Facelift für die Chefetage

BMW hat seine elektrische Luxuslimousine i7 optisch wie technisch überarbeitet und damit für die kommenden Jahre der Elektromobilität positioniert. In der Nobelliga lässt sich aktuell kaum souveräner fahren, allein beim Ladetempo bleibt der i7 60 xDrive hinter den Erwartungen zurück.

Wer sich für eine Luxuslimousine dieser Preisklasse interessiert, erwartet nicht nur exzellenten Fahrkomfort, sondern auch modernste Technik über die gesamte Bandbreite. Beim überarbeiteten i7 60 xDrive trifft das nur teilweise zu, wie sich im Fahrbericht zeigt.

Besonders auffällig ist dabei, an welcher Stelle BMW investiert hat und an welcher nicht. Während das Cockpit ein grundlegend neues Bedienkonzept erhalten hat, blieb ausgerechnet die Ladetechnik unverändert, obwohl gerade sie für viele potenzielle Käuferinnen und Käufer bei einem Elektrofahrzeug dieser Preisklasse ein zentrales Kaufkriterium darstellt.

Design: Selbstbewusster Auftritt mit bekannten Schwächen

Die Optik des aufgefrischten BMW 7er bleibt Geschmackssache, wirkt aber zweifellos imposant und selbstbewusst. Nach der Überarbeitung sitzen die LED-Scheinwerfer noch tiefer in der mächtigen Front, während die getrennten LED-Elemente von Blinker und Tagfahrlicht weiterhin wie eigenständige Fremdkörper wirken. Die konturierte Haube, ohne Frunk ausgeführt, sorgt beim 5,40 Meter langen i7 für einen einprägsamen ersten Eindruck. Am Heck beließen es die Verantwortlichen bei leichten Retuschen an den Rückleuchten, die unverändert edel und schick wirken, insbesondere in der optionalen, in Asien beliebten Zweifarblackierung.

Insgesamt bleibt die Designsprache des i7 damit erkennbar in der bisherigen Tradition der Baureihe verankert, ohne größere Experimente einzugehen. Wer mit dem markanten Auftritt des Vorgängermodells bereits gut zurechtkam, wird sich auch mit der überarbeiteten Front- und Heckpartie schnell anfreunden können.

Cockpit: Neue Display-Landschaft ohne klaren Mehrwert

Für langjährige BMW-Kundinnen und -Kunden aus der Luxusliga von 7er, 8er und X7 dürfte das neue Cockpit zunächst gewöhnungsbedürftig sein. Die bislang aufgeräumte Display-Landschaft wurde durch ein neues Panorama-Arrangement mit schmaler Infoleiste und knapp 18 Zoll großem Zentraldisplay ersetzt, ein System, das bereits aus dem BMW iX3 bekannt ist.

Einen wirklichen Vorteil bringt es abgesehen vom überfälligen Beifahrerdisplay nicht, wobei sich Fahrerinnen und Fahrer nach kurzer Eingewöhnungszeit gut zurechtfinden. Da die bisherige Instrumentierung des BMW 7er kaum Anlass zur Kritik gab, bleibt die Frage nach dem Sinn dieser Umstellung berechtigt, zumal sich zwischen Panoramadisplay und Head-up-Display nun eine gewisse Informationsredundanz offenbart.

Für BMW-Kundinnen und -Kunden, die aus der bisherigen 7er-Generation umsteigen, dürfte die Eingewöhnung an das neue System dennoch überschaubar bleiben. Wer sich bereits mit dem BMW iX3 oder vergleichbaren Modellen der Marke auskennt, findet sich in der neuen Menüstruktur rasch zurecht, auch wenn ein klarer funktionaler Mehrwert gegenüber der bisherigen Lösung ausbleibt.

Ladetechnik: Der wunde Punkt der Luxuslimousine

Der deutlichste Kritikpunkt betrifft die Ladetechnik. Die unverändert verbaute 400-Volt-Architektur gilt für ein Fahrzeug dieser Preisklasse inzwischen als nicht mehr zeitgemäß. Ein 800-Volt-Bordnetz ist mittlerweile, auch innerhalb des BMW-Portfolios, bereits in deutlich günstigeren Fahrzeugklassen verfügbar.

Mittelklassemodelle, SUVs oder Vans erreichen Ladeleistungen von bis zu 350, 400 oder mehr Kilowatt, während der mindestens 145.740 Euro teure i7 60 xDrive bei maximal 250 kW an der Ladesäule verharrt. Selbst der Mitbewerber Mercedes-Benz hat seinen EQS bei der jüngsten Modellpflege auf 800-Volt-Technik umgestellt, was die Zurückhaltung bei BMW zusätzlich in ein ungünstiges Licht rückt.

Auch beim teilautomatisierten Fahren gab es eine Einschränkung: Das optional angebotene Fahren der Stufe drei wurde, ähnlich wie bei Mercedes, auf Level 2+ zurückgenommen. Auch auf der Autobahn ist damit weiterhin die volle Aufmerksamkeit der Fahrerin oder des Fahrers erforderlich. In der Stadt und auf Landstraßen funktioniert das System hingegen bis zum sicheren Ampelstopp zuverlässig.

Antriebsvielfalt: Elektro, Diesel oder Verbrenner

Unverändert bietet BMW den 7er im identischen Karosseriekleid mit unterschiedlichen Antrieben an. Neben dem elektrischen i7 stehen weiterhin Benziner, Diesel und Plug-in-Hybride zur Wahl, mit einem Leistungsspektrum von 294 kW beziehungsweise 400 PS bis 450 kW beziehungsweise 612 PS.

Für viele Kundinnen und Kunden in Europa dürfte neben dem als exzellent beschriebenen Diesel vor allem der elektrische i7 60 xDrive mit seinem 112-kWh-Akku die passende Wahl sein, da reale Reichweiten von rund 550 Kilometern erreichbar sind. Die internationale Konkurrenz bietet an dieser Stelle bisweilen deutlich mehr Reichweite.

Fahrleistung und Fahrverhalten: Souverän trotz hohem Gewicht

An Kraft mangelt es dem elektrischen Topmodell jedenfalls nicht. Die Systemleistung von 400 kW beziehungsweise 544 PS sowie ein maximales Drehmoment von 745 Nm sorgen dafür, dass der über 2,7 Tonnen schwere i7 nahezu spielerisch beschleunigt. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h wird elektronisch abgeregelt.

Trotz des hohen Gewichts bleibt das Fahrverhalten eine der großen Stärken des BMW 7er über alle Geschwindigkeitsbereiche hinweg. Die Symbiose aus Antrieb und Fahrwerk überzeugt spürbar, der i7 gleitet nahezu geräuschlos über Landstraßen und Autobahnen. Die in den vergangenen Jahren bei den Elektromodellen der Marke spürbar überarbeitete Lenkung gefällt durch Präzision, ohne dabei nervös zu wirken, sowohl beim elektrisch unterstützten Einparken in der Stadt als auch bei hohem Tempo auf der Autobahn.

Die Luftfederung gleicht Fahrbahnunebenheiten je nach gewähltem Fahrprogramm zuverlässig aus. Auch die früher etwas ungelenke Abstützung der Hinterachse gehört inzwischen der Vergangenheit an. Selbst stark beschädigte Fahrbahnabschnitte werden mühelos abgefedert, sodass weder die Insassen vorn noch im komfortablen Fond davon etwas mitbekommen.

Ausstattung und Komfort: Hoher Anspruch mit kleinen Schwächen

Zur umfangreichen Komfortausstattung zählen elektrisch verstellbare Sitze vorne wie hinten inklusive Klimatisierung und Massagefunktion, eine umfangreiche Verschattung durch elektrische Rollos sowie elektrische Türen, die im Alltag allerdings eher einen gewissen Showeffekt bieten als einen spürbaren praktischen Vorteil. BMW bietet den i7 ausschließlich mit langem Radstand an, was mit Blick auf die Kernmärkte der Baureihe nachvollziehbar erscheint, auch wenn das inzwischen gestrichene Schiebedach von manchen Kundinnen und Kunden vermisst werden dürfte.

Verarbeitung und Materialqualität bewegen sich auf einem durchweg hohen Niveau. Die Bedienung über zahlreiche Untermenüs könnte allerdings deutlich einfacher gestaltet sein, wobei eine stabile Software sowie eine intelligente Sprachsteuerung so manche Bedienschwäche überspielen. Das Lenkrad mit seinem vergleichsweise wulstigen Kranz und den etwas unglücklich platzierten Tasten wirkt dabei stilistisch weniger überzeugend, was angesichts der sonst hochwertigen Anmutung im Innenraum umso mehr auffällt.

Stragegie: Wo BMW investiert hat und wo nicht

Betrachtet man den überarbeiteten i7 60 xDrive insgesamt, zeigt sich ein Fahrzeug mit klaren Stärken und ebenso klaren Schwächen. Bei Fahrkomfort, Verarbeitung und Fahrleistung bewegt sich die Luxuslimousine auf einem Niveau, das der Preisklasse angemessen ist. Bei der Ladetechnik und beim teilautomatisierten Fahren bleibt der i7 dagegen hinter dem zurück, was Wettbewerber wie Mercedes-Benz beim EQS inzwischen bieten.

Für Kundinnen und Kunden, die überwiegend im Stadtverkehr oder auf kürzeren Strecken unterwegs sind, dürfte diese Schwäche kaum ins Gewicht fallen. Wer den i7 dagegen regelmäßig für lange Strecken mit häufigen Ladestopps nutzen möchte, sollte die vergleichsweise niedrige Ladeleistung von maximal 250 kW in die Kaufentscheidung einbeziehen.

Preis des BMW i7 60 xDrive

Der BMW i7 60 xDrive ist ab 145.740 Euro erhältlich. Kleinlich wirkt allerdings die Aufpreispolitik. Optionale Individualledersitze schlagen etwa mit weiteren 10.700 Euro zu Buche. Angesichts der gebotenen Fahrleistung, des Komforts und der Verarbeitungsqualität bewegt sich der Preis dennoch im Rahmen. Auch wenn die im Vergleich zum Wettbewerb schwächere Ladeleistung angesichts dieses Preisniveaus schwerer wiegt als bei günstigeren Modellen.

Technische Daten: BMW i7 60 xDrive

  • Motor: Elektro, vorn und hinten (Allradantrieb)
  • Leistung: 400 kW / 544 PS
  • Max. Drehmoment: 745 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 240 km/h
  • Beschleunigung 0–100 km/h: 4,8 Sekunden
  • Batteriegröße: 112,5 kWh
  • Normverbrauch: 20,8 kWh / 100 km
  • Reichweite: 608 km (nach WLTP), real rund 550 km
  • Max. Ladeleistung: 250 kW
  • Leergewicht: 2.770 kg
  • Laderaum: 500 Liter
  • Preis: ab 145.740 Euro
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