Neuvorstellung: Bentley Torcal

Bentleys erster Schritt in die Elektromobilität

Mit dem Torcal bringt Bentley sein erstes reines Elektroauto auf den Markt, ein SUV, das nach eigenem Anspruch die Brücke zwischen der Markentradition und einer elektrischen Zukunft schlagen soll. Bentley-CEO Frank-Steffen Walliser bringt die Positionierung auf den Punkt: „Der Torcal ist in erster Linie ein Bentley.“

Diese Aussage lässt sich beim Blick auf die Karosserie durchaus nachvollziehen: Mit rund fünf Metern Länge wirkt der Torcal flacher und gestreckter als ein klassisches Luxus-Crossover, was vor allem am langen Radstand, den kurzen Überhängen und der weit nach vorn gezogenen Motorhaubenlinie liegt, die sich durch die gesamte Flanke zieht.

Für Bentley ist der Torcal damit weit mehr als nur ein weiteres Modell im Portfolio, er markiert den Einstieg der Marke in eine Antriebstechnologie, die das traditionelle Markenversprechen auf eine neue Grundlage stellen muss, ohne dabei die Identität zu verlieren, die die Kunden von einem Bentley erwarten.

Design: Aufrechte Eleganz statt verspielter Lichtkanten

Anstelle verspielter Lichtkanten setzt der Torcal auf klare Flächen und Linien, ein Prinzip, das Bentley selbst als „aufrechte Eleganz“ bezeichnet. Auffälligstes Detail ist der beleuchtete Diamond-Kühlergrill, dessen dreidimensionale Kristalle bei Dunkelheit zu schweben scheinen. Das Heckdesign fällt dagegen zurückhaltender aus: Die Rückleuchten sitzen außen und ziehen sich als schmale horizontale Bänder in die breiten hinteren Kotflügel, während die große, fast senkrechte Heckklappe nur eine kleine Heckscheibe besitzt.

Der Torcal ist zudem das erste Serienmodell mit dem modernisierten Bentley-Emblem, bei dem die Flügel schärfer, kantiger und deutlich reduzierter gestaltet sind.

Mit etwa fünf Metern Länge ist der Torcal rund zwölf Zentimeter kürzer als der Standard-Bentayga, verfügt aber über einen um drei Zentimeter längeren Radstand, was sich entsprechend großzügig auf die Platzverhältnisse auswirkt.

Innenraum: Merinowolle und Walnuss statt Hartplastik

Im Innenraum setzt sich der Torcal bewusst von seinem technischen Verwandten, dem Porsche Cayenne Electric, ab. Das zentrale OLED-Display ist geschwungen gestaltet, hinzu kommen ein AR-Head-up-Display, eine Gesichtserkennung sowie das Smartphone als Fahrzeugschlüssel. Physische Schalter bleiben für wichtige Funktionen dennoch erhalten. Im Fond lässt sich die Dreiersitzbank erstmals bei Bentley elektrisch umklappen.

Bei den Materialien orientiert sich Bentley konsequent an den Erwartungen der eigenen Kundschaft und verzichtet auf das Hartplastik, das im Innenraum des Cayenne Electric zum Einsatz kommt. Neu im Angebot sind optionale Bezüge aus Merinowolle sowie Dekore aus bis zu 1.000 Lagen nachhaltig beschaffter Walnuss-Reststücke und Recyclingpapier.

Diese Materialität ist für die Positionierung des Torcal von zentraler Bedeutung: Während die technische Basis mit dem deutlich günstigeren Porsche Cayenne Electric geteilt wird, entsteht die Differenzierung zur Schwestermarke fast ausschließlich über Materialqualität, Verarbeitung und liebevolle Details im Innenraum.

Sound: Die „Bentley Dynamic Symphony“ als akustischer Ersatz

Da nicht alle Kunden ein künstliches Motorengeräusch schätzen, hat Bentley bei der Klanggestaltung besonderen Aufwand betrieben. Die „Bentley Dynamic Symphony“ ist kein einfaches synthetisches V8-Imitat: Musikerinnen und Musiker spielten unter anderem Schlagzeug, Bratsche und Bassgitarre ein, kleine Unregelmäßigkeiten blieben dabei bewusst erhalten. Der Klang reagiert auf Drehmomentanforderung und Geschwindigkeit, wird im Sport-Modus intensiver, lässt sich aber auch vollständig abschalten. Selbst Blinker- und Bediengeräusche stammen aus real aufgenommenen Klängen, als akustische Referenz diente der Rhythmus des legendären 6,75-Liter-V8-Triebwerks. Der Sound soll damit als zusätzliche Rückmeldung über das Fahrzeugverhalten dienen.

Auch die vier Fahrmodi Bentley, Comfort, Sport und Refresh greifen über die reine Antriebs- und Fahrwerksabstimmung hinaus: Sie steuern zusätzlich Licht, Klang, Klima, Luftstrom und Displayinformationen. Der Comfort-Modus blendet nahezu alle nicht notwendigen Anzeigen aus, während der Refresh-Modus die Frischluftzufuhr und Helligkeit erhöht. Ergänzt wird das Gesamtpaket durch elektrische Türen, 25 Radar-, Kamera- und Sensorsysteme, ein trainierbares Parksystem sowie ein automatisches Zurücksetzen auf engen Straßen.

Antrieb: Zwei Leistungsstufen mit bewusster Zurückhaltung

Zum Marktstart bietet Bentley den Torcal in zwei Versionen an. Das Basismodell leistet 604 kW beziehungsweise 821 PS bei einem maximalen Drehmoment von 1.194 Newtonmetern und beschleunigt das rund 2,7 Tonnen schwere E-SUV in 3,4 Sekunden von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Der Torcal S kommt zusätzlich mit Launch Control, leistet 653 kW beziehungsweise 888 PS bei 1.350 Nm, schafft den Standardsprint in 2,9 Sekunden und erreicht 260 km/h.

Bemerkenswert ist dabei die Zurückhaltung, mit der Bentley diese Fahrleistungen kommentiert: „Eine noch brutalere Beschleunigung wird von vielen Kunden eher als unangenehm empfunden“, heißt es seitens des Herstellers, eine Aussage, die angesichts des Fahrzeuggewichts und der Zielgruppe durchaus nachvollziehbar erscheint.

Technik: Geteilte PPE-Plattform mit eigenständigen Details

Die Technik des Torcal basiert auf derselben PPE-Architektur wie beim Porsche Cayenne Electric und teilt mit diesem wesentliche Komponenten. Zwei permanenterregte Synchronmaschinen sorgen für den Vortrieb. An der Hinterachse arbeitet ein Sperrdifferenzial mit je einer Lamellenkupplung an jeder Abtriebswelle, an der Vorderachse setzt Bentley dagegen auf ein offenes Differenzial.

Die 800-Volt-Batterie besteht aus 192 Pouch-Zellen und verfügt über eine Nettokapazität von 113 Kilowattstunden, ein Wert, der beim Cayenne Electric noch als Bruttowert angegeben wird. Die Energie reicht für bis zu 600 Kilometer WLTP-Reichweite. Geladen wird mit bis zu 400 kW Gleichstrom, wobei der Ladestand von zehn auf 80 Prozent in 16 Minuten wächst; in sieben Minuten lassen sich rund 161 Kilometer Reichweite nachladen.

Fahrwerk: Eigenständig abgestimmte Konzerntechnik

Das Grundprinzip des Fahrwerks stammt ebenfalls aus dem Konzernregal und entspricht dem Porsche Active Ride aus dem Cayenne Electric, wurde für den Torcal jedoch verändert und neu abgestimmt. Zum Einsatz kommen Luftfedern sowie Zweiventildämpfer, bei denen sich Zug- und Druckstufe getrennt regeln lassen. Klassische Querstabilisatoren fehlen, ihre Funktion übernehmen die aktiven Dämpfer, die über je eine Motor-Pumpen-Einheit pro Achse verfügen.

Die britischen Techniker haben den Strömungsquerschnitt im Dämpfer gegenüber der Porsche-Variante vergrößert und erreichen damit eine größere Spreizung zwischen den einzelnen Fahrmodi. Hinzu kommt eine serienmäßige Allradlenkung mit bis zu fünf Grad Lenkwinkel an der Hinterachse, wodurch sich der Wendekreis auf lediglich 11,1 Meter reduziert. Optional bietet Bentley zudem Carbon-Bremsen mit 440-Millimeter-Scheiben vorn und 410-Millimeter-Scheiben hinten an.

Preis des Bentley Torcal

Eine offizielle Preisangabe von Bentley liegt noch nicht vor. Ausgehend von der Positionierung unterhalb des Bentayga gehen wir von einem Einstiegspreis von etwa 200.000 Euro aus. Der Marktstart ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen.

Technische Daten: Bentley Torcal und Bentley Torcal S

  • Motor: zwei permanenterregte Synchronmaschinen, Allrad
  • Leistung: 604 kW / 821 PS (Basis); 653 kW / 888 PS (S)
  • Max. Drehmoment: 1.194 Nm (Basis); 1.350 Nm (S)
  • Beschleunigung 0–100 km/h: 3,4 s (Basis); 2,9 s (S, mit Launch Control)
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (Basis); 260 km/h (S)
  • Leergewicht: rund 2,7 Tonnen
  • Batteriepaket: 800 Volt, 192 Pouch-Zellen, 113 kWh netto
  • Reichweite: bis zu 600 km (WLTP)
  • DC-Laden: bis zu 400 kW, 10–80 % in 16 Minuten
  • Wendekreis: 11,1 m
  • Länge: rund 5,0 m
  • Preis: voraussichtlich ab etwa 200.000 Euro
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