Fahrbericht: VW T-Roc Hybrid

Mit dem neuen VW T-Roc Hybrid bringen die Wolfsburger erstmals einen echten Vollhybrid nach Toyota-Vorbild. Kann das Spar-SUV überzeugen?

Später Griff nach der Toyota-Formel

Der T-Roc zählt seit seiner Markteinführung im Jahr 2017 zu den unverzichtbaren Ertragsbringern des Volkswagen-Konzerns. Mehr als zwei Millionen Exemplare des im portugiesischen Werk Palmela gefertigten Kompakt-SUV rollten seither zu den Kunden – eine Erfolgsgeschichte, die Wolfsburg angesichts der aktuellen Finanzkrise dringender braucht denn je.

Auf Basis der weiterentwickelten MQB-Evo-Plattform wagt Volkswagen nun einen überfälligen Schritt und spendiert dem 4,37 Meter langen Crossover erstmals einen Vollhybridantrieb. Damit folgen die Niedersachsen auf den Spuren des Hauptwettbewerbers Toyota, der die effiziente Kombination aus Verbrenner und Elektromotor bereits vor rund drei Jahrzehnten salonfähig gemacht hat.

Antrieb und Verbrauch: Kraft der zwei Herzen

Das Herzstück der hier gefahrenen Hybridvariante leistet 125 kW respektive 170 PS sowie ein maximales Drehmoment von 310 Nm. Das System kombiniert einen 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit zwei Elektromotoren – von denen einer als Generator dient und der andere für den Vortrieb verantwortlich ist – sowie einer Batterie mit 1,6 kWh Bruttokapazität.

Das Hybridsystem arbeitet je nach Fahrsituation variabel: Bei niedrigem Tempo rolled der T-Roc rein elektrisch, im seriellen Modus erzeugt der entkoppelte Verbrenner ausschließlich Strom, und ab etwa 60 km/h übernimmt der Benziner im parallelen Betrieb primär den Antrieb.

Am Steuer macht sich die dominante Rolle der E-Maschine positiv bemerkbar. Das Ansprechverhalten beim Beschleunigen fällt angenehm spontan und flüssig aus, da ein herkömmliches Schaltgetriebe entfällt und die Kraft über eine einstufige Automatik übertragen wird. Schaltwippen gibt es nicht; die Intensität der Rekuperation lässt sich stattdessen über die Fahrstufe „B“ am Wählhebel oder im Sport-Modus justieren.

Auf der Testrunde spielte der Vollhybrid seine Stärke beim Verbrauch voll aus: Während sich der 116 PS starke Mild-Hybrid eTSI im Schnitt 7,2 Liter auf 100 Kilometer genehmigte, begnügte sich der T-Roc Hybrid mit 5,8 Litern.

Der Wermutstropfen zeigt sich jedoch auf der Autobahn. Um das kleine Akkupaket vor übermäßiger Entladung zu schützen, regelt VW die Höchstgeschwindigkeit der Hybridversion bereits bei mageren 180 km/h ab – der schwächere eTSI läuft zum Vergleich 212 km/h. Dass die Beschleunigung von null auf 100 km/h mit 8,5 Sekunden um vier Zehntel schneller gelingt, tröstet Vielfahrer darüber nur bedingt hinweg.

Cockpit und Platzangebot: Aufwertung mit Kofferraum-Opfer

Im Innenraum hat Volkswagen spürbar nachgebessert und beseitigt Kritikpunkte des Vorgängers. Die Armaturentafel wirkt solider verarbeitet und präsentiert sich mit Stoff- sowie Kunstlederbezügen modern eingekleidet. Sogar die Türablagen im Fond sind nun mit Teppich ausgekleidet, wenngleich das Handschuhfach unausgekleidet bleibt. Das Infotainment arbeitet auf Bildschirmen mit bis zu 12,9 Zoll Diagonale, ergänzt durch hintergrundbeleuchtete Touch-Slider sowie einen zentralen Dreh-Drück-Steller in der Mittelkonsole für Lautstärke und Fahrprofilauswahl.

Die Platzverhältnisse in der zweiten Reihe überzeugen mit reichlich Kopf- und Kniefreiheit für 1,80 Meter große Passagiere, wobei der breite Mitteltunnel die Beförderung von drei Erwachsenen einschränkt.

Sehr schmerzhaft fällt jedoch die Unterbringung der Hybrid-Technik im Fahrzeugheck aus. Da die Komponenten untergebracht werden mussten, wanderte der Ladeboden nach oben, wodurch das Kofferraumvolumen von bisher üppigen 475 Litern auf bescheidene 340 Liter schrumpft.

Fahrverhalten und Abstimmung: Ausgewogene Ruhe im Fahrwerk

Trotz eines Mehrgewichts von 115 Kilogramm im Vergleich zur Mild-Hybrid-Variante zeigt sich der T-Roc Hybrid im Fahrbetrieb überraschend leichtfüßig. Die Lenkung arbeitet präzise, ist in den Modi Eco und Comfort für zügige Kurvenfahrten allerdings etwas zu leichtgängig geraten. Erst der Sport-Modus vermittelt die nötige Rückmeldung von der Fahrbahn. Die Bremsen überzeugen durch ein sehr lineares und direktes Pedalgefühl beim Übergang von elektrischer Rekuperation zu mechanischer Verzögerung.

Das Fahrwerk mit aufwendiger Einzelradaufhängung an der Hinterachse meistert den Spagat zwischen Komfort und Stabilität souverän. Wer grobe Stöße noch effektiver ausbügeln möchte, greift zum optionalen variablen Dämpfersystem mit 15 Einstellstufen oder wählt ab Werk kleinere 16-Zoll-Räder mit höherem Reifenquerschnitt.

Fazit und Preis

Der VW T-Roc Hybrid schließt zu einem Einstiegspreis von 39.535 Euro eine lange offene Lücke im Wolfsburger Modellprogramm. Er liefert spürbare Verbrauchsvorteile im Pendleralltag und überzeugt mit verbesserter Innenraumqualität sowie agilem E-Schub. Wer jedoch regelmäßig zügig über die Autobahn reist oder maximales Ladevolumen benötigt, muss die Einschränkungen bei Höchstgeschwindigkeit und Kofferraum realistisch kalkulieren. Gerade das nur noch mäßige Ladevolumen dürfte für viele Kunden ein Dealbraker sein.

Technische Daten: VW T-Roc Hybrid

Motor: Vierzylinder-Benziner mit Elektromotor
Hubraum: 1.498 ccm
Leistung: 125 kW / 170 PS
Max. Drehmoment: 310 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h:  8,5 Sekunden
Getriebe: Automatik
Antrieb: Front
Batteriegröße: 1.6 kWh
Normverbrauch: 5,0 Liter / 100 km / 115 g CO2
Ladevolumen: 340 Liter
Tankvolumen:  40 Liter
Leergewicht: 1.589 kg
Preis: ab 39.535 Euro

Add a Comment

Kommentar verfassen