Reportage: Opel Adam Cup

Wer die Chance bekommt ein echtes Rallyeauto am Limit zu bewegen, der vergisst auch schon mal, dass sein Magen dafür eigentlich gar nicht ausgelegt ist. Ein Selbstversuch im Opel Adam Cup – mit einem zu erwartenden Finale.
Foto: Opel
Opel Adam Cup (Foto: Opel)

Ritt im Adamskostüm

Wer die Chance bekommt ein echtes Rallyeauto am Limit zu bewegen, der vergisst auch schon mal, dass sein Magen dafür eigentlich gar nicht ausgelegt ist. Ein Selbstversuch im Opel Adam Cup – mit einem zu erwartenden Finale.

Es ist acht Uhr morgens. Der Morgentau steigt mit Hilfe der ersten Sonnenstrahlen in Form von Nebel vom Asphalt auf. In dem 219-Seelendorf Kupfersuhl, knapp 15 Kilometer von der Wartburg bei Eisenach entfernt, herrscht Ruhe. Doch die Idylle fern ab von Telefon- und Datennetzen trügt. Denn in wenigen Minuten wird hier mit dem Opel Adam Cup ein kleiner, aber äußerst lauter Rennwagen über eine abgesperrte Landstraße brettern und auch den schwerhörigsten Einwohner davon in Kenntnis setzen, dass der Tag für einige bereits begonnen hat. Und das Beste: Heute werde ich nicht nur zuschauen oder auf dem Beifahrersitz thronen, sondern hinter dem Lenkrad Platz nehmen.

Zugegeben, die Leistung von 140 PS des nur 3,70 Meter kurzen Rüsselsheimers zaubert im Vorfeld nicht gerade Angstschweiß hervor. Und auch die angekündigte Höchstgeschwindigkeit von gut 170 Kilometern pro Stunde ändert nichts daran. Ganz im Gegenteil. Diese Leistungsdaten bieten einen hervorragenden Nährboden für eine völlig falsche Einschätzung der Lage. Sie löschen sogar die mir normalerweise sehr wohl bekannten Magenprobleme bei rasanten Kurvenfahrten aus meinem Gedächtnis. Es kann überhaupt nichts schiefgehen, außer ich fahre zu schnell – und das habe ich selbstverständlich nicht vor. Zumindest nicht am Anfang. Mit einer Größe von 1,93 Meter und einem Body-Mass-Index fern ab von Gut und Böse gestaltet sich das Einsteigen in den Rallyezwerg zwar etwas mühsam, doch was am Ende zählt ist, dass mit Helm offenbar Platz auch in der kleinsten Hütte herrscht.

Opel Adam Cup (Foto: Opel)
Opel Adam Cup (Foto: Opel)
Opel Adam Cup (Foto: Opel)
Opel Adam Cup (Foto: Opel)
Opel Adam Cup (Foto: Opel)
Opel Adam Cup (Foto: Opel)
Opel Adam Cup (Foto: Opel)
Opel Adam Cup (Foto: Opel)
Opel Adam Cup (Foto: Opel)

Der erste Blick fällt auf bereits aus der Serie bekannte Instrumente wie Tacho und Drehzahlmesser. An dieser Stelle sei verraten, dass dies auch der letzte Blick auf diese Standartinstrumente war. Denn viel wichtiger ist die LCD-Ganganzeige auf der Mittelkonsole inklusive Schaltlampe, die den perfekten Zeitpunkt zum Gangwechsel andeutet. Ist dies der Fall kommt das sequenzielle Sadey-Fünfganggetriebe mit Sperrdifferenzial zum Einsatz. Der Sinn des Satzes meines Beifahrers Horst Rotter „Du musst dem Getriebe richtig weh tun“ erschließt sich mir bereits nach den ersten trockenen Gangwechsel. Der stehende Gangwahlstock muss mit viel Kraft und schnell nach vorn zum Runter- und nach hinten zum Hochschalten gedrückt beziehungsweise gezogen werden. Oder anders gesagt: Wer hier zimperlich ist, kriegt nie einen Gang rein. Es ist soweit. Ich drücke den Hauptschalter, drehe den Zündschlüssel und starte den 29.631 Euro teuren Opel Adam Cup per Knopfdruck. Es wird laut. Sehr laut. Auf der kurzen Fahrt zum Startpunkt versuche ich die Reifen durch Bremsen und das Ziehen der Handbremse, die in einem Rallyeauto direkt neben der Gangschaltung steht und nicht einrasten kann, auf Temperatur zu bringen. Denn ohne Haftung fährt auch das beste Rennauto wie auf Eiern.

Der Startplatz ist erreicht. Unter das Dröhnen des kleinen Adam mischt sich bereits der ganz spezielle Rennwagengeruch aus einer Verbindung von Benzin und stinkenden Bremsen. Mein Magen macht sich zum ersten Mal bemerkbar. Co-Pilot Horst Rotter zählt von zehn runter. Der erste Gang liegt an. Fünf, vier. Ich treibe die Drehzahl hoch. Drei, zwei. Mein letzter Blick aus dem Seitenfenster gilt den beiden Rettungssanitätern. Eins. Go! Der 1,6 Liter große Vierzylinder-Saugmotor wird geflutet. Das 160 Newtonmeter starke Drehmoment peitscht auf die vorderen beiden 16-Zöller ein – es geht vorwärts. Nach 100 Metern kommt die erste Ansage von Horst. „Links fünf, rechts fünf – no cut“. Während ich mit aller Kraft die Gänge reinkloppe und an der elektrohydraulischen Servolenkung drehe, durchkurve ich die schnelle Links-rechts-Kombination, die ich laut Ansage nicht schneiden darf. Dabei fällt mir auf, dass ich diese Art der Kommandos doch irgendwo schon mal gehört habe und ich diese direkt, ohne groß zu überleben, sofort verstehe und in die Tat umsetzen kann. Ach ja! Mir schießen auf einmal Erinnerungen an meine stunden-… ach, wochen-, wenn nicht sogar jahrelangen Playstation- und PC-Sitzungen vor mein geistiges Auge. Haben also doch was gebracht.

„Links fünf wird zu Links vier über Kuppe, Rechts zwo weit“. Es folgen zwei schnelle Linkskurven, die sich etwas zuziehen und eine weite Spitzkehre nach rechts. Wie von selbst wandert die rechte Hand, nachdem sie den zweiten Gang reingekloppt hat, auf den Handbremshebel. Allerdings verläuft die erste Handbrems-Kehre durch ein viel zu zaghaftes Ziehen alles andere als professionell. Hätte ja mal einer sagen können, dass die Handbremse im Opel Adam Cup genauso missbraucht werden will wie das Getriebe. Zumindest ein Problem wurde dadurch gelöst: Der Straßenbegrenzungspfosten am Ausgang der Kehre wird mich bei meiner zweiten Runde nicht mehr stören. Doch daran ist eigentlich noch gar nicht zu denken, denn von der gerade einmal 2,5 Kilometer kurzen Strecke, ist erst die Hälfte um. Die ersten Anzeichen kalten Schweißes machen sich zudem bemerkbar.

„Links vier schmiert, Links fünf, Rechts zwo“, tönt es durch mein Headset im Helm. Hat der jetzt tatsächlich schmiert gesagt? Und tatsächlich: Es schimmert feucht auf der inneren Seite der schnellen Linkskurve. Erst jetzt wird mir so recht bewusst, dass der da rechts neben mir sitzende und mir durchaus vertrauende Horst mein feuerfester Schutzengel ist. Mit dem Wissen, dass mir ja jetzt nichts mehr passieren kann, ziehe ich mit ordentlich Schmackes an der Handbremse und durchdrifte die „Rechts zwo“ gefühlt wie ein ganz Großer. Dass die ganz Großen des Rallyesports das wahrscheinlich doppelt so schnell und im Zweifel auch ohne zu bremsen geschafft hätte, versuche ich dabei genauso zu vergessen, wie mein langsam aufsteigendes Frühstück. Eine beschmierte Linkskurve gefolgt von einer schnellen Rechts-links-Kombination später, ist es auch schon vorbei. Ein letztes Mal wird die Handbremse bis zum Anschlag gezogen und ein lupenreiner 180-Turn vollzogen, bis es genau die gleiche Strecke zurückgeht.

Auf dem Rückweg, der etwas gemächlicher gefahren wird, fallen mir zum ersten Mal die ganzen Bäume am Straßenrand auf. Hinzu kommen ein paar hartgesottene Rallyefans, die dabei sind, die vom Fahrtwind meiner ersten Fahrt umgefallenen kleinen Videokameras wieder in Stellung zu bringen. Mein erster Gedanke ist: „Für die lege ich gleich noch einen Zahn zu.“ Die Bäume sind schon wieder vergessen. Und tatsächlich, bereits der zweite Durchlauf gestaltet sich flüssiger und dadurch noch schneller. Ok, in der zweiten Kehre muss kurz einmal der Rückwärtsgang herhalten, da ich dann doch etwas zu beherzt an der Handbremse gerissen habe. Aber alles in allem machen die nächsten drei, vier Fahrten meinem Co-Piloten und mir richtig viel Spaß.

Allerdings ist nach Runde fünf Schluss. Nicht, weil mir die Zeit davonläuft, sondern weil ich den Begriff „Es steht mir bis Oberkante-Oberlippe“ erneut am eigenen Leib erfahren muss. Schweiß gebadet und mit allerletzte Mühe erreichen wir im Ausrolltempo den Servicepark. Mein Blick fällt sofort auf die für uns frisch geschmierten Mett-Brötchen – mein persönliches Heilmittel gegen Übelkeit am Steuer. Doch bevor ich mir den magenberuhigenden Fleischhappen einverleiben kann, muss erst noch der Wagen heruntergefahren werden. „Die Software eines Rennwagens braucht genau wie der heimische Computer ein paar Sekunden zum Runterfahren. Wenn man ihn zu schnell abschaltet, braucht er beim nächsten Mal länger beim Hochfahren“, erklärt Horst. Gesagt getan. Jetzt nur noch aus dem Rallye-Winzling schälen und ab zum Mett. Das war knapp – aber, wie bei Opel so gern gesagt wird, leider geil!

Autor:

Marcel Sommer, Stand: 2014-03-26 20:08:00
Fotos: Opel