Reportage: Yachten von Autoherstellern

Automobilhersteller sind schon seit vielen Jahren nicht mehr nur auf den Bau von Autos fixiert. Neben Möbeln und Mode gehören auch der Yachtbau oder zumindest die Motorisierung von Schiffen zu ihrem Repertoire.
Foto: AMG
Concept Cigarette AMG Electric Drive (Foto: AMG)

Zu Lande und erst recht zu Wasser

Automobilhersteller sind schon seit vielen Jahren nicht mehr nur auf den Bau von Autos fixiert. Neben Möbeln und Mode gehören auch der Yachtbau oder zumindest die Motorisierung von Schiffen zu ihrem Repertoire.

Sonnenbrillen, Baby-Strampler, Sofas und vieles mehr müssen nicht mehr zwangsläufig aus den üblichen Möbel- oder Designstudios kommen. Nicht selten ist auf ihnen, neben einem gesalzenen Preisschild, auch ein bekannter Automarkenname zu lesen. Ob Porsche, Mercedes oder Ferrari, nur noch ganz wenige Autohersteller konzentrieren sich tatsächlich nur auf das, was sie groß gemacht hat: Autos bauen. Da wundert es nicht, dass nach der Aufforderung sich doch bitte mal das neueste Porsche-Familien-Schmuckstück anzuschauen, nicht die Garage geöffnet, sondern zum Yachthafen gefahren wird. Ist dies der Fall, dürfen sich die Gäste an Bord der 41,2 Meter langen RFF135, umschauen. Die bis zu 65 Kilometer pro Stunde schnelle und 9.200 PS starke Yacht wurde von der Porsche Design Group und der Royal Falcon Fleet aus Singapur entwickelt. Eine Besonderheit an ihr ist die Tatsache, dass sie tatsächlich einen Preis hat und somit auch zu kaufen ist: 35 Millionen Euro.

Ebenfalls mit einem Preisschild versehen ist das Powerboat MIT ZR 48, oder besser bekannt unter dem Namen Corvette ZR1 Powerboat. Das 14 Meter lange Rennboot beschleunigt dank zweier V8 Motoren mit jeweils 1.350 PS auf bis zu 280 Kilometer pro Stunde. Im Inneren wurden Dinge wie Schaltknüppel, Lenkrad und Mittelkonsole verwendet, die auch in einer Corvette ZR1 zu finden sind. Im Preis von 1,2 Millionen Euro ist netterweise der passende Anhänger zum Transport gleich mit eingerechnet. In Kooperation mit Mercedes-AMG hat Cigarette Racing in den Jahren 2010 und 2012 bereits zwei Powerboats gebaut. Eines zum Thema SLS AMG und das andere zum Thema C 63 AMG Coupe Black Series. Im vergangenen Jahr folgte mit dem Concept Cigarette AMG Electric Drive das dritte Powerboat. Mit 2.252 PS schafft das 11,6 Meter lange Rennboot satte 160 Kilometer pro Stunde. Der Antrieb besteht aus insgesamt zwölf Permanentmagnet-Synchron-Elektromotoren aus dem SLS AMG Coupe Electric Drive. Allein die 2.400 kWh großen Batterien wiegen 2,2 Tonnen. Nach sieben Stunden sind sie wieder zu 100 Prozent geladen.

Concept Cigarette AMG Electric Drive (Foto: AMG)
Riva Aquarama Lamborghini Boot (Foto: Lamborghini)
Riva Aquarama Lamborghini Boot (Foto: Lamborghini)
Bugatti Veyron Sang Bleu Yacht Concept (Foto: Bugatti)
Bugatti Veyron Sang Bleu Yacht Concept (Foto: Bugatti)
BMW Deep Blue 46 (Foto: BMW)
Audi Trimaran Yacht (Foto: Audi)
Audi Trimaran Yacht (Foto: Audi)
Arrow460 (Foto: Mercedes)

Auch elektrisch unterwegs, zumindest bis Tempo 15, ist der 15 Meter lange Audi Trimaran dank der zwei elektrisch angetriebenen Jetboote in den beiden Auslegern. Soll die Fahrt auf bis zu 56 Kilometer pro Stunde erhöht werden, kommen zwei Audi-Dieselmotoren im Mittelrumpf zum Einsatz. Die Idee zum futuristischen Drei-Rumpf-Boot aus Ingolstadt entstand im Rahmen einer Diplomarbeit. Auch aus Bayern stammt die Deep Blue 46. Die in den Studios von DesignworksUSA, einem Tochterunternehmen der BMW Group, erdachte 14,2 Meter lange Yacht verfügt über zwei je 420 PS starke Motoren. Wesentlich offensichtlicher ist die technische Herkunft beim Lancia Sportboot auszumachen. Denn das unsinkbare Schlauchboot mit zwei je 6,7 Liter großen und 560 PS starken Dieseltriebwerken trägt seinen Namen in großen Lettern rund um den Rumpf. Das 13,1 Meter lange und 3,83 Meter breite Sportboot bietet elf Passagieren an Deck Platz. Unter Deck befindet sich eine Koje für zwei Personen. Der Vorteil des 102 Kilometer pro Stunde schnellen Schlauchbootes liegt im nur 80 Zentimeter messenden Tiefgang.

27 Liter Hubraum

Ein weiterer italienischer Automobilhersteller, der sein Know How auch auf das Wasser bringt, ist Lamborghini. Zusammen mit dem Designer Mauro Lecchi haben sie ein 1.400 PS starkes und 15 Meter langes Rennboot zumindest virtuell zu Wasser gelassen. Der zweite Wasser-Lambo, die real existierende Riva Aquarama Lamborghini, hat zwei V12-Motoren im Heck verbaut. Doch nicht irgendwelche. Es sind originale Aggregate aus dem historischen Lamborghini 350 GT. Das 1968 von Ferruccio Lamborghini, dem Gründer der Marke mit dem Kampfstier, gebaute Luxus-Boot ist restauriert und mit 25 Lackschichten versehen worden. Dagegen richtig neu wirkt das 2011 vorgestellte Bugatti Veyron Sang Bleu Yacht Concept, das mit einem 1.000 PS starken vierfachen Turbo W16 vorangetrieben wird. Wie auch die Bugatti Yacht nur am Reisbrett entworfen und auch dort hängengeblieben ist das 6,1 Meter lange Jaguar Speedboat Concept.

Von einer mindestens ebenso edlen Marke stammen die Motoren der zwölf gebauten Aeroboat: Rolls-Royce. Die 1.100 PS starken V12-Aggregate sind im Übrigen dieselben 27 Liter großen Triebwerke, die auch das Kampfflugzeug Spitfire in die Lüfte schießen. Mit wesentlich weniger Hubraum kommt die Frauscher 909 Benaco aus. Das neun Meter lange Boot wird von zwei TDI Motoren der Marke Volkswagen Marine angetrieben. Die beiden 4,2 Liter großen V8-Diesel kommen unter anderem im Audi Q7 und Audi A8 zum Einsatz.

Eine S-Klasse für die See? Der Arrow460 Granturismo soll eine sein. Und nicht nur das. Die 1,5 Millionen Euro teure Superyacht wurde von Mercedes Benz Style, der Designsparte des Hauses, und Silver Arrow Marine erdacht und in die Tat umgesetzt. Die 14 Meter lange schwimmende S-Klasse schafft dank 1.000 Seepferdchen Tempo 74. Mindestens der gleich Preis muss auf den Tisch gelegt werden, soll der Timossi-Ferrari Racing Hydroplan, besser bekannt als Arno XI, unter der eigenen Flagge in See stechen. Das rote Rennboot fuhr am 15. Oktober 1953 auf dem Iseo See ganze 241,7 Kilometer pro Stunde schnell. Der damals 385 PS leistende Ferrari V12-Motor bringt heute 600 PS über die mehr als 10.000 Umdrehungen pro Minute schaffende Schraube ins Wasser.

Autor:

Marcel Sommer, Stand: 2014-05-22 16:11:00
Fotos: AMG