Fahrbericht: Mercedes-Benz GLE 450 4Matic

Fahrbericht Mercedes-Benz GLE 450 4Matic: 381 PS, 560 Nm, Cloud-Dämpfer und Superscreen. Was die Modellpflege bringt und was sie kostet.

Es gab eine Zeit, da stand der Stern für drei Dinge: einen Reihensechszylinder, Sitze wie aus Granit und eine Verarbeitung, die den Vater stolz und den Nachbarn neidisch machte. Wer damals in einem W124 saß, wusste, was er für sein Geld bekam. Heute reicht das Preisschild für ein Luxus-SUV bei Mercedes locker an die 100.000 Euro heran, und was man dafür bekommt, ist eine ganz andere Geschichte.

Der GLE ist nach sieben Jahren Bauzeit zur Modellpflege geladen, rund 3.000 Teile hat man angefasst. Wir sind ihn gefahren, knapp 400 Kilometer lang, und er hat uns einiges zu sagen, vor allem dort, wo er schweigt.

Leiser Luxus mit wuchtigem Auftritt

Wer den modellgepflegten GLE erkennen will, muss genauer hinsehen. Die Formensprache bleibt, die Details werden geschärft. Die Scheinwerfer tragen eine neue Lichtsignatur mit zwei horizontal angeordneten Stern-Signets als Tagfahrlicht. Am Heck greifen dreidimensionale Leuchten mit sternförmigen Inlays die Idee auf. Ein markanterer Frontstoßfänger und ein vergrößerter Kühlergrill mit Chromrahmen und optional beleuchtetem Zentralstern lassen den GLE wuchtiger wirken. Je nach Geschmack wirkt das auch ein wenig zu viel des Guten.

Das technische Highlight ist das optionale DIGITAL LIGHT der neuesten Generation. Es arbeitet mit Mikro-LED-Technologie, leuchtet ein um 40 Prozent größeres Feld bis zu 600 Meter weit aus, verbraucht die Hälfte der Energie und ist durch das integrierte Steuergerät leichter.

Starker Sechszylinder mit viel Gelassenheit

Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Benziner (M256 Evo) wurde für die kommende Abgasnorm EU7 ertüchtigt. Er leistet jetzt 280 kW (381 PS) und liefert ein um zwölf Prozent gesteigertes maximales Drehmoment von 560 Nm an den serienmäßigen Allradantrieb. Das Plateau liegt breit zwischen 2.000 und 4.500 Umdrehungen an und ist im Alltag sofort spürbar.

Für den kräftigen Antritt im Teillastbereich und die spontane Gasannahme sorgen ein neuer, leistungsstärkerer elektrischer Zusatzverdichter mit 7,5 Kilowatt, angepasste Einlassnockenwellen und strömungsoptimierte Kanäle im Zylinderkopf. Ergänzt wird der Verbrenner von einem 48-Volt-Mildhybrid, der kurzzeitig bis zu 17 kW (23 PS) und zusätzliche 205 Nm bereitstellt. Er ermöglicht das Segeln mit abgeschaltetem Motor und vibrationsarme Motorstarts.

Beim Beschleunigen vergehen 5,3 Sekunden bis Tempo 100, bei 250 km/h wird abgeregelt. Auf der Testrunde von knapp 400 Kilometern lag der Verbrauch bei 9,8 Litern auf 100 Kilometern, der WLTP-Wert reicht von 9,5 bis 10,5 Litern. Der turbinenartig drehende Sechszylinder macht bei dynamischer Fahrweise durchaus Freude und erinnert an die Reihenmotoren früherer Mercedes-Generationen.

Wie in Watte gepackt

Das Besondere am Antrieb ist seine Laufruhe. Die Ingenieure haben die Akustik-Maßnahmen gegenüber dem Vorgänger deutlich verbessert. Hochwertiges Vliesmaterial kleidet den Kardantunnel und die Trennwand zum Motorraum aus, eine spezielle Schwermatte auf der Motorabdeckung absorbiert hochfrequente Verbrennungsgeräusche. Beim gemütlichen Dahingleiten fällt der Motor kaum auf. Unser Eindruck: In dieser Klasse ein Maßstab, auch wenn andere Hersteller aufholen dürften.

Komfort mit Voraussicht

Die Airmatic-Luftfederung wurde neu kalibriert. Sie verbindet eine präzisere, verbindlichere Fahrdynamik mit hohem Schluckvermögen. Selbst auf den optionalen 21-Zoll-Rädern rollt der GLE gelassen über Kanaldeckel und Querfugen.

Eine cloudbasierte Dämpferregelung greift auf Car-to-X-Daten zu: Meldet ein vorausfahrender Mercedes eine Bodenwelle oder Schwelle, passt der GLE die Dämpfung vor dem Hindernis automatisch an. Das nützt besonders den Passagieren im Fond. Optional gibt es die E-Active Body Control, ein vollaktives 48-Volt-System, das die Straße 1.000-mal pro Sekunde analysiert und Wank-, Nick- und Hubbewegungen nahezu vollständig ausgleicht. Wer zieht, darf bis zu 3,5 Tonnen anhängen, die ESP-Anhängerstabilisierung passt bei Luftfederung Höhe und Dämpfung selbstständig an.

Der Fortschritt kommt mit einem Preis

Im Innenraum zündet Mercedes die nächste digitale Stufe. Unter einer durchgehenden Glasfläche sitzen serienmäßig drei 12,3-Zoll-Displays. Das Betriebssystem MB.OS wird von einem zentralen Supercomputer gesteuert und bringt einen lernfähigen KI-Assistenten, den MBUX Virtual Assistant, mit Google- und Microsoft-Anbindung. Over-the-Air-Updates sind über die gesamte Lebensdauer möglich.

Die Kritik: Haptik und Wertigkeit haben aus unserer Sicht gelitten. Die metallgerahmten Lüftungsdüsen und das großflächige Zierteil unter den Bildschirmen der Zeit vor der Modellpflege lagen auf einem Niveau, das dem Preis entsprach. Immerhin hat sich die Designabteilung am Lenkrad auf alte Werte besonnen: Eine haptische Wippe und eine Walze aus galvanisiertem Metall ersetzen die unpräzisen Touch-Slider.

Mehr Rechenpower für die Assistenzsysteme

Ein neuer, wassergekühlter Hochleistungsprozessor verknüpft die Daten von zehn Kameras sowie Radar- und Ultraschallsensoren. Das automatische Einparken funktioniert jetzt bis 5 km/h, rund 60 Prozent schneller als zuvor. In der 360-Grad-Kamera warnt eine neue Felgenschutz-Funktion, wenn die Räder dem Randstein zu nahe kommen.

Preis des Mercedes-Benz GLE 450 4Matic

Der Grundpreis des GLE 450 4Matic liegt bei 95.164,30 Euro. Er bewegt sich damit im Luxus-SUV-Segment um 100.000 Euro. Wer die optionalen Extras wie DIGITAL LIGHT, die 21-Zoll-Räder oder die E-Active Body Control wählt, wird diesen Wert allerdings überschreiten. Als Gesamtpaket erscheint der 450er schlüssig und ausgewogen: ein Sechszylinder, der Luxus ohne V8 oder Diesel bietet, ein Fahrwerk mit Weitblick und ein Cockpit, das digital punktet, bei der Haptik aber Abstriche verlangt.

Technische Daten: Mercedes-Benz GLE 450 4Matic (Modellpflege)

  • Typ: SUV
  • Motor: Sechszylinder-Reihe, Benzin, 48-Volt-Mildhybrid
  • Hubraum: 2.999 cm³
  • Leistung: 381 PS (280 kW)
  • Drehmoment: 560 Nm
  • Boost-Leistung (48 V): 23 PS (17 kW)
  • Boost-Drehmoment (48 V): 205 Nm
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (abgeregelt)
  • Beschleunigung 0–100 km/h: 5,3 Sekunden
  • Getriebe: Neungang-Automatik
  • Antrieb: Allradantrieb
  • Tankinhalt: 85 Liter
  • Verbrauch WLTP: 9,5 bis 10,5 l/100 km
  • Testverbrauch: 9,8 l/100 km
  • Gewicht (Herstellerangabe): ca. 2.220 kg
  • Max. Zuladung: 855 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 4.924 / 1.947 / 1.797 mm
  • Ladevolumen: 630 bis 2.055 Liter
  • Max. Anhängelast (gebremst): 3,5 Tonnen
  • Grundpreis: 95.164,30 Euro
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