Reportage: Audi plant US-Werk in Georgia

Milliardenschwerer Vorstoß mit politischer Sprengkraft: Audi plant vier Milliarden Euro in den USA in Georgia zu investieren.

Milliardenschwerer Vorstoß mit politischer Sprengkraft

Audi geht nun auch den Schritt, den die schwäbische und bayerische Premium-Konkurrenz bereits vor Jahrzehnten vollzogen hat: Die Ingolstädter Traditionsmarke baut ihr erstes eigenes Fahrzeugwerk in den USA.

Die Ankündigung erfolgte publikumswirksam im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner im US-Bundesstaat Georgia, bei der Audi-CEO Gernot Döllner gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump die Pläne enthüllte.

Ab Anfang der 2030er-Jahre sollen im Südosten der Vereinigten Staaten vor allem große Luxus-SUVs vom Band rollen, um das Potenzial auf dem wichtigsten Premiummarkt der Welt endlich voll auszuschöpfen.

Ein längst überfälliger Befreiungsschlag

Die Entscheidung für einen eigenen Fertigungsstandort in den USA kommt keineswegs überraschend, war innerhalb des Volkswagen-Konzerns jedoch über viele Jahre hinweg ein hochbrisantes Streitthema.

Vor allem der Widerstand der mächtigen deutschen Gewerkschaften verhinderte lange Zeit eine Verlagerung von Produktionskapazitäten großer Crossover nach Nordamerika. Statt in den USA zu bauen, entschied sich Audi Anfang der 2010er-Jahre aufgrund massiver steuerlicher Vergünstigungen für den Aufbau eines Werks im mexikanischen San José Chiapa im Bundesstaat Puebla, wo seit Herbst 2016 die Kernbaureihe Audi Q5 für den Weltmarkt produziert wird.

Nun nimmt Audi rund vier Milliarden US-Dollar in die Hand, um ab der geplanten Grundsteinlegung im kommenden Jahr ein eigenes Werk aus dem Boden zu stampfen, das rund 4.500 neue Arbeitsplätze schaffen und für eine Jahreskapazität von etwa 200.000 Fahrzeugen ausgelegt sein wird.

BMW und Mercedes als erfolgreiche Vorbilder im US-Süden

Mit dem Schritt nach Georgia holt Audi ein Versäumnis nach, das BMW und Mercedes-Benz bereits in den 1990er-Jahren erfolgreich gelöst haben. BMW verwandelte seinen Standort im südcarolinischen Spartanburg über die vergangenen drei Jahrzehnte zum weltweit größten Werk des Konzerns, in dem jährlich mehr als 430.000 Fahrzeuge montiert werden.

Spartanburg stieg mit einem Exportvolumen von zuletzt rund 225.000 Fahrzeugen im Wert von über zehn Milliarden US-Dollar sogar zum größten Automobil-Exporteur der gesamten USA auf. Zudem investierten die Münchner jüngst 1,7 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der Elektromobilität vor Ort sowie in ein nahes Batteriewerk in Woodruff.

Ähnlich erfolgreich agiert Mercedes-Benz im alabamaischen Tuscaloosa: Seit 1997 liefen dort mehr als fünf Millionen Oberklasse-SUVs wie GLE und GLS sowie deren elektrische Ableger vom Band, unterstützt durch ein modernes Batteriewerk im benachbarten Bibb County.

Politische Rückenwinde und Druck auf deutsche Stammwerke

Die Wahl des Zeitpunkts für die Verkündung besitzt klare politische Komponenten. US-Präsident Donald Trump nutzte die Milliardeninvestition im Wahlkampf kurz vor den anstehenden Midterm-Wahlen dankbar als Beleg für seine Wirtschaftspolitik. Audi-Chef Döllner betonte derweil die strategische Notwendigkeit, das Geschäft in den USA durch eine wettbewerbsfähige lokale Fertigung nachhaltig zu stärken.

Während der US-Vorstoß Audi neue Marktchancen eröffnet, sorgt die Nachricht in der deutschen Heimat für erhebliche Unruhe. An den heimischen Standorten Ingolstadt und insbesondere Neckarsulm bangen die Beschäftigten angesichts schwacher Auslastung um ihre Zukunft.

Eine spürbare Entlastung bringt die US-Expansion primär für das Volkswagen-Konzernwerk im slowakischen Bratislava, das mit dem Auslauf des VW Touareg dringend benötigte Kapazitäten für andere Modelle wie den Porsche Cayenne, Skoda Superb und VW Passat freisetzt.

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