Chinas Staatsmarke bläst zum Angriff auf die deutsche Premium-Klasse
Die staatliche chinesische Luxusmarke Hongqi macht nun ernst auf dem deutschen Markt. Nachdem man nach dem Auftritt auf der IAA in München im vergangenen Herbst überraschend wenig Neuigkeiten zum geplanten Start in Europa bekam, gibt das Unternehmen nun sprichwörtlich Gas.
Über den in Deutschland vor allem durch großvolumige US-Cars bekannten Importeur AEC Automotive Systems läuten die Chinesen die nächste Phase ihrer Europa-Offensive ein und nehmen gezielt das volumenstarke SUV-Segment ins Visier.

Vorerst schickt der Mutterkonzern FAW überraschenderweise ausschließlich zwei Verbrenner-Modelle ins Rennen, die den etablierten deutschen Premium-Größen von Audi, BMW und Mercedes spürbar Marktanteile abknöpfen sollen. Das ungewöhnliche Modellprogramm scheint aber mit Bedacht ausgesucht: Mit einem neu aufgebauten Händlernetz in Metropolen wie München, Frankfurt, Berlin, Hamburg, Köln, Stuttgart und Düsseldorf will AEC die verlässliche Basis schaffen, bevor in weiteren Schritten auch rein elektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride folgen.
Hongqi HS3: Ausgewachsener Herausforderer im Kompakt-Segment

Der neue Hongqi HS3 tritt im hart umkämpften C-SUV-Segment an und fordert Platzhirsche wie den BMW X1, Audi Q3 oder Volvo XC40 heraus. Schon optisch macht der Chinese keinen Hehl aus seinem Selbstbewusstsein: Die Front wird von einem massiven, verchromten Kühlergrill dominiert, aus dessen Mitte sich die herstellertypische, spitz zulaufende rote Lichtleiste über die Motorhaube zieht.
Mit einer Gesamtlänge von 4,66 Metern, einer Breite von 1,90 Metern und einem Radstand von 2,77 Metern übertrifft der HS3 typische europäische Kompakt-SUVs deutlich und kratzt bereits an den Dimensionen der nächsthöheren Mittelklasse. Dieser Größenzuwachs kommt im Innenraum an: Selbst großgewachsene Passagiere genießen im Fond eine überdurchschnittliche Kniefreiheit, während der Kofferraum praxisgerechte 452 bis 1.450 Liter Ladevolumen bereitstellt.

Im Cockpit setzt Hongqi auf eine modern-sportliche Ausrichtung mit gut konturierten Sitzen und einer gelungenen Materialauswahl aus Kunstleder und Soft-Touch-Oberflächen. Das digitale Bediensystem kombiniert ein 12,3-Zoll-Instrumentendisplay hinter dem Sportlenkrad mit einem hochformatigen 12,6-Zoll-Zentral-Touchscreen. Smartphone-Integration via Apple CarPlay und Android Auto ist ebenso an Bord wie eine gekühlte Induktionsladeschale mit 50 Watt Ladeleistung.
Antriebsseitig steht vorerst nur der 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner im Fokus. Dieses Top-Triebwerk leistet 252 PS sowie 380 Nm Drehmoment und gibt seine Kraft über eine sanft schaltende Achtgang-Wandlerautomatik von Aisin an einen Allradantrieb ab. Eine günstigere Frontantriebsversion gibt es in anderen Märkten ebenfalls, wie auch eine üppige Hybrid- und PHEV-Fülle, auf die man in Deutschland allerdings noch warten muss.
Beim Fahrverhalten gibt sich der rund 1,7 Tonnen schwere HS3 betont komfortabel: Die Federung bügelt Pflastersteine und Querfugen gelassen glatt, lässt die Karosserie in flott angegangenen Kurven jedoch spürbar wanken, während die Akustikdämmung den Innenraum leise hält.
Hongqi HS5: Die Komfort-Sänfte für den Business-Einsatz

Eine Klasse höher tritt der Hongqi HS5 im D-SUV-Segment an, um sich mit Schwergewichten wie dem Audi Q5, BMW X3 oder Mercedes GLC zu messen. Der 4,79 Meter lange Allradler tritt optisch noch kolossaler auf als sein kleinerer Bruder. Sein verchromter Kühlergrill samt durchgehenden LED-Lichtelementen und zweigeteilten Hauptscheinwerfern soll ihm eine ausgeprägte Oberklasse-Aura verleihen.
Im Innenraum empfängt der HS5 seine Insassen mit einem gewissen Lounge-Charakter. Die Kombination aus Nappa-Leder mit Rautensteppung, Alcantara-Einsätzen sowie Holz- oder Aluminium-Applikationen muss sich vor der europäischen Konkurrenz nicht verstecken.

Das Bedienkonzept des HS5 basiert auf einer eleganten Widescreen-Landschaft aus zwei durchgehenden 12,3-Zoll-Bildschirmen, ergänzt durch ein hochauflösendes Head-up-Display und eine separate Bedieneinheit für die Zwei-Zonen-Klimaautomatik. Für angemessenen Beschallungskomfort auf langen Strecken sorgt ein serienmäßiges Bose-Surround-System mit 12 Lautsprechern.
Unter der Haube arbeitet auch hier vorerst der 2,0-Liter-Turbobenziner. In der größeren Karosserie müssen die 252 PS und 380 Nm Drehmoment, allerdings deutlich schwerer arbeiten: Der Normverbrauch liegt bei 11,0 Litern auf Kilometer, im Vergleich zu den 8,6 Litern, die Hongqi für den gleich starken HS3 angibt. Beide Werte wirken etwas aus der Zeit gefallen. Man darf gespannt sein, wann die Chinesen hier mit effizienteren Motoren nachbessern.
Immerhin können sich die Fahrleistungen sehen lassen: In 7,6 Sekunden eilt der HS5 auf Tempo 100 und erreicht maximal 215 km/h. Dank eines optionalen adaptiven Fahrwerks mit elektronischer Dämpferregelung sowie doppelter Akustikverglasung gleitet der HS5 wie eine klassische Reiselimousine über die Autobahn.
Der Nächste von vielen: Wo die Hongqi punkten kann
Der Marktstart von Hongqi in Deutschland zeigt, dass chinesische Hersteller längst nicht mehr nur über den Preis oder reine Elektro-Fahrzeuge angreifen wollen. Plötzlich geht es auch gezielt um edle Materialien, hohen Fahrkomfort und üppige Serienausstattungen.
Hongqi muss beim HS3 und HS5 allerdings ein großer Spagat gelingen: Sie müssen die eigenständige, fernöstliche Luxus-Identität präsentieren, die von den großen Staatslimousinen abstrahlt, ohne wie eine billige Kopie europäischer Vorbilder zu wirken. Dazu kommt, dass die Strategie mit dem Fokus auf reine Verbrenner Fragezeichen hinterlässt. Vielleicht regeln sie es also doch über den Preis. Klar ist das bis jetzt allerdings noch nicht, denn auch AEC hält sich noch bedeckt in Sachen Kalkulation.








