Reportage: John Layzell und sein 1925er Alvis

Es ist schwierig genug, in den USA einen fahrbaren Alvis zu finden, doch der dunkelblaue SC 12/50 aus dem Jahre 1925 befindet sich noch immer in erster Hand bei John Layzell.
Foto: press-inform
Alvis SC 12/50 1925 (Foto: press-inform)

HP 9877 – aus erster Hand

Es ist schwierig genug, in den USA einen fahrbaren Alvis zu finden, doch der dunkelblaue SC 12/50 aus dem Jahre 1925 befindet sich noch immer in erster Hand bei John Layzell.

Es ist ein Mittag wie viele im Süden Floridas. Frühling, die Sonne scheint bei stimmungsvollen 25 Grad und das Leben geht für viele seinen entspannten Gang. Auf einem kleinen Parkplatz auf einer der unzähligen Halbinseln nahe Bay Habor nördlich von Miami sitzen zwei Familien und beobachten ihre Kinder beim Spielen als ein blauer Oldtimer um die Ecke zuckelt und vor der Grillstation rückwärts einparkt. Sein weißhaariger Besitzer steigt aus und wirft einen kurzen Blick auf sein Cabriolet, dessen Dach geschlossen ist. John Layzell ist in den 70ern und sieht noch immer aus wie ein cooler Surferboy. Er und sein Alvis SC 12/50 sind ein festes Gespann. Layzell hat eine Reihe von Autos, darunter viele Oldtimer; doch der britische Oldtimer aus dem Jahre 1925 ist ihm besonders ans Herz gewachsen. Das liegt weniger am unspektakulären Design oder der innovativen Antriebstechnik des Vierzylinders – da hatten andere Hersteller zwischen den beiden Weltkriegen größere Innovationen zu bieten.

Der Alvis SC 12/50 befindet sich noch immer in erster Hand, denn seit fast 100 Jahren gehört er nur und ausschließlich der Familie Layzell beziehungsweise McKerrow. „Mein Onkel George hat den Wagen 1924 bestellt und am Ostersamstag im April 1925 schließlich bekommen“, blickt der Großenkel zurück. Layzell, gebürtiger Brite, kam Mitte der 1970er erstmals in die USA, arbeitete für Fluggesellschaften an der Westküste. Irgendwann kehrte er nicht nur seinem Heimatland Großbritannien den Rücken, sondern siedelte nicht zuletzt wegen des guten Wetters und der angenehmen Lebensumstände nach Florida um. „Irgendwann war es Zeit, auch den Alvis herüberzuholen, den mir mein Onkel George 1986 vermacht hatte“, lächelt John, „ich habe ihn dann Ende der 80er Jahre restaurieren lassen und schließlich 1993 nach Florida geholt.“ Sein Kennzeichen: HP 9877.

Alvis SC 12/50 1925 (Foto: press-inform)
Alvis SC 12/50 1925 (Foto: press-inform)
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Alvis SC 12/50 1925 (Foto: press-inform)
Alvis SC 12/50 1925 (Foto: press-inform)
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Alvis SC 12/50 1925 (Foto: press-inform)
Alvis SC 12/50 1925 (Foto: press-inform)

Das blaue Drophead Coupé mit Erstzulassung am 8. April 1925 ist mit einer Karosserie von Cross & Ellis unterwegs – Fahrzeugnummer 8738, Rahmennummer 3419, Motornummer 3709, Fahrgestellnummer 3407, Karosserienummer 9037. Ungefähr 700 Fahrzeuge vom Typ 12/40 und 12/50 wurden 1925 produziert, wobei alle 115 Fahrzeuge der Baujahre 1924 und 25 die Bezeichnung SC trugen. Heute gibt es weltweit gerade noch 18 Fahrzeuge SC 12/50. Kein Wunder: der blaue Brit-Oldtimer ist auf jedem Oldtimerevent die große Schau. „Ich bin mit dem Wagen regelmäßig zu Treffen unterwegs“, erzählt John Layzell, „in all den Jahren bin ich dabei nur zweimal liegen geblieben.“ Seit seinem dritten Lebensjahr ist der gebürtige Brite ein absoluter Technikfreak; schon damals konnte er fast jedes Auto auf den Straßen seiner englischen Heimat praktisch im Schlaf fehlerfrei benennen. Bereits mit elf Jahren klemmte sich der junge John hinter das Steuer eines 1938er Morris 8 und donnerte fortan über improvisierte Offroadpisten. Mit 13 legte er in Schottland die ersten Meilen mit dem Alvis zurück – natürlich mit Onkel George auf dem Beifahrersitz. Das erste eigene Auto von Layzell: ein Austin Seven aus dem Jahre 1932, der seinerzeit gerade einmal 25 Pfund kostete. John Layzell restaurierte den Austin während seiner High School.

Umzug ins Sonnenparadies

Zusammen mit einem Freund baute er später einen 1953er-VW-Käfer zum Rallyecross-Boliden mit Porsche-Motor im Heck um und gewann so im Jahre 1971 die nationale RAC-Meisterschaft. Der 1925er Alvis SC mit seinem knatternden 50-PS-Motor befindet sich abgesehen von einigen Instandsetzungen und einer frischen Lackierung noch im Ursprungszustand. Wegen der floridianischen Hitze hat der Oldtimerfan einen elektrischen Ventilator und kleine Hitzeschilder installiert. Für die sichere Fahrt im turbulenten Alltagsverkehr gab es ein paar Motorradblinker. Sonst sieht der Doppelsitzer mit Stoffdach so aus, wie bei seiner Erstauslieferung im Frühjahr 1925. Sogar die Steuerplakette des Jahre 1925 thront noch an der Windschutzscheibe.

Sogar mt Bremsen vorn

John Layzells Autoleidenschaft änderte sich durch den Umzug nach Florida nicht. Vor zehn Jahren baute der Brite zusammen mit seinem Sohn Brett erneut einen Käfer um. Diesmal ging es nicht um die britische Rallyemeisterschaft, sondern eine der härtesten Rallyes der Welt: die Tour von Peking nach Paris. Das Vater-Sohn-Gespann wurde unter den knapp hundert Teilnehmern immerhin 26. Der Rallye-Käfer kommt regelmäßig auf längeren Touren zum Einsatz: zuletzt beim Great Race von Jacksonville / Florida nach Traverse City / Michigan. Auf kürzeren Touren kommt gerade im Umfeld von Miami der Alvis SC 12/50 zu Einsatz. In der Garage von Layzell steht mit einem Speed 25 Vanden Plas von 1937 ein weiterer Alvis und wenn etwas mal schneller oder noch bequemer gehen soll, sind da immer noch Modelle wie ein Porsche 924 S aus dem Jahre 1987.

Gerade in den USA ist ein britisches Vorkriegsmodell wie der Alvis eine echte Schau. „Ein paar Fans gibt es selbst hier auch in Florida“, erzählt der Fan von Formel-1-Rennen und Fußballspielen der britischen Premier League als er den 1,6 Liter Motor mit der Handkurbel gekonnt anwirft. Das erste Versucht klappt und John klettert hinter das Steuer seines blauen Lieblings. „Ich bin froh, dass mein Onkel sich damals dafür entschieden hat, den Wagen auch mit Bremsen an der Vorderachse zu bestellen“, lächelt Layzell, „die kosteten damals extra.“ Und schließlich schafft der knatternde Brite mit der Karosserienummer 9037 locker 100 km/h. Eines war in den Familien Layzell und McKerrow schon immer klar: Autos sind zum Fahren und nicht dem Anschauen da. So geht es regelmäßig nicht nur rund um Golden Beach zu Cars & Coffee, sondern auch zu Fantreffen im Norden von Florida oder an der Golfküste – so kommen pro Jahr locker 750 bis 1.000 Kilometer locker zusammen. Dabei weiß niemand, wie viele Meilen der Alvis SC 12/50 in seinen 98 Dienstjahren zurückgelegt hat – nicht einmal sein Eigentümer. Aber wen stört’s? Der Wagen bleibt ohnehin erster Hand.

Autor:

Stefan Grundhoff, Miami, Stand: 2023-03-23 10:48:00
Fotos: press-inform