Reportage: Auto China 2016

Auf der Beijing Motor Show kommen einige die Weltpremieren zum Vorschein, die es in Europa nicht immer leicht hätten.
Foto: Audi
Audi A3 2016 (Foto: Audi)

Dicke Luft und schicke Autos

Auf der Beijing Motor Show kommen einige die Weltpremieren zum Vorschein, die es in Europa nicht immer leicht hätten.

Mit der Auto China 2016 eröffnet in Peking eine der größten Automesse der Welt ihre Pforten. Was dem einen eine gern genutzte Möglichkeit, dem Smog zu entkommen, ist dem anderen ein Herzenswunsch. Denn hier stehen die automobilen Neuheiten, die das Land trotz nach wie vor schwächelnder Wirtschaftslage in Zukunft befahren sollen. Knapp 2.000 Aussteller aus mehr als einem Dutzend Länder buhlen auf ihren Ständen mit Hilfe von großen Musik- und Lautsprecheranlage vehement um Aufmerksamkeit. China ist ein Land mit vielen Einwohnern. Die Messe wird vom 25. April bis zum 4. Mai zum lärmenden und atmenden Beispiel dafür.

Dass die chinesische Regierung trotz aller Unkenrufe ein Wachstum von 6,5 Prozent für die nächsten fünf Jahre ausgegeben hat, freut natürlich nicht nur die Chinesen selbst, sondern auch die internationalen Autobauer. 5,45 Millionen Fahrzeuge wurden in China allein in der Zeit von Januar bis März dieses Jahres verkauft. Zum Vergleich: In den USA und Europa sind es im selben Zeitraum je rund vier Millionen gewesen. Da wundert es nicht, dass nahezu jeder Automobilhersteller mindestens eine Premiere mit ins Land des Lächelns gebracht hat. Vor allem die um einige Zentimeter in der Länge gestreckten, sogenannten Lang-Versionen sind in China sehr beliebt. Einem Land, in dem der Fahrzeugbesitzer am liebsten hinten Platz nimmt, da er im Zweifel mehr Zeit im Verkehrschaos verbringt, als daheim.

Infiniti QX Sport Inspiration Concept (Foto: Infiniti)
Chery FV2030 (Foto: Chery)
Dongfeng Aeolus A9 (Foto: Dongfeng)
Honda SUV (Foto: Honda)
Lexus IS (Foto: Lexus)
BAIC (Foto: Baic)
Mazda CX 4 (Foto: Mazda)
Jaguar XF L (Foto: Jaguar)
Mitsubishi ASX (Foto: Mitsubishi)

Mercedes-Benz weiß das natürlich schon seit Jahren und präsentiert die E-Klasse im verlängerten Kleid. Sie baut auf der aktuellen E-Klasse der Baureihe 213 auf und wird in China produziert. Voraussichtlich wird sie nach der dortigen Markeinführung auch auf dem indischen Markt erhältlich sein. Eine Maybach-Version wird es laut Daimler-Vertriebschef Ola Källenius nicht geben: „Nur ganz oben an der Spitze sehe ich das Potential für Maybach-Varianten. Eine Maybach E-Klasse zum Beispiel gehört nicht zu den Dingen, die wir aktuell auf der Tagesordnung haben.“ Smart zeigt seine sportliche Brabus-Version.

Erster Jaguar aus China

Auch aus Deutschland wird die Langversion des Audi A4 nach Peking rollen. Zwischen 37.000 und 75.000 Euro soll der A4L umgerechnet kosten. Bis zu 252 PS stark, um 8,8 Zentimeter verlängert und mit Allrad ausgestattet, könnte er auf den Markt kommen. Mit rund 400 PS noch stärker unterwegs ist der TT RS. Der bis zu 280 Kilometer pro Stunde schnelle Sportler verfügt unter anderem über die bereits auf der CES in Las Vegas gezeigten OLED-Rückleuchten. Die Audi-Neuheiten-Show rundet das Facelift des A3 ab. Sportlich und deutsch geht es auch auf dem Porsche-Stand zu. Mit dem 718 Cayman könnte in Peking ein 300 PS und 380 Newtonmeter starker Zuffenhäuser zu sehen sein. BMW wird die verlängerte Version des X1 präsentieren.

Auch verlängert, aber von der britischen Insel kommend, feiert der Jaguar XF-L seine Premiere. Die im Chery-Werk Changshu gefertigte Langversion der britischen Nobel-Limousine soll auf die besonderen Bedürfnisse der chinesischen Kunden hin entwickelt und auch ausschließlich für den chinesischen Markt erhältlich sein. Er wird neben dem Range Rover Evoque und dem Land Rover Discovery das erste Jaguar-Modell des Unternehmens Jaguar Land Rover sein, das in China produziert wird.

Elektro-Supersportler

Aus dem krisengeschüttelten Volkswagen-Konzern wird ein Hightech-SUV der Oberklasse zu sehen sein. Sprich, die unter dem Namen VW Beijing Concept gezeigte Studie wird einen Ausblick auf den nächsten Touareg geben. Ein digitalisiertes Bedien- und Anzeigekonzept soll völlig neue Interaktionsmöglichkeiten bieten. Zudem soll das Interieur so luxuriös erscheinen, dass es weniger einem Fahrzeuginnenraum, sondern vielmehr einer Lounge ähnelt. Für den Antrieb kommt ein Plug-in-Hybrid mit 381 PS und 700 Newtonmetern zum Einsatz. 50 Kilometer rein elektrische Reichweite und ein Normverbrauch von unter drei Litern liest sich sparsam. 224 Kilometer pro Stunde soll er schnell sein – den Sprint bis Tempo 100 absolviert er in 6,0 Sekunden. Nur für den chinesischen Markt ist die Luxuslimousine Phideon.

Ein mittelgroßes SUV für den Luxusmarkt hat auch Nissan-Tochter Infiniti mit im Gepäck. Das QX Sport Inspiration Concept weckt die Hoffnung auf ein scharfes Serienmodell. Ebenfalls ein echter Scharfmacher ist der Elektro-Supersportler aus dem Hause BAIC. Drei Sekunden sollen ihm bis Tempo 100 reichen, 260 Kilometer pro Stunde soll er schnell sein und seine Reichweite über 300 Kilometer betragen. Von Mazda erhoffen sich die Besucher der Auto China 2016 das neue SUV-Coupe CX-4, das sehr dicht mit der 4,60 Meter langen Studie Koeru verwandt sein dürfte. Neben all den Europäern feiern selbstverständlich noch zahllose chinesische Neuheiten ihre Weltpremieren. Ob BAIC, Dongfeng oder Chery – die Liste scheint endlos, die Anzahl der Fahrzeuge, die jemals europäischen Boden erreichen liegt jedoch fast bei null.

Autor:

Marcel Sommer, Stand: 2016-04-20 09:15:00
Fotos: Audi