
Musterschüler
Daimler Truck peppt den Actros L auf und verpasst seinem Flaggschiff eine überarbeitete Version des OM-471- Dieselmotors. Zusammen mit einer verbesserten Aerodynamik sinkt so der Kraftstoffverbrauch. Überarbeitete Assistenzsysteme erhöhen die Sicherheit.
Nichts ist so beständig wie der Wandel. War unlängst noch die Elektromobilität das Maß aller Dinge und der Verbrennungsmotor sollte so schnell wie möglich auf dem Schrottplatz der Mobilitätshistorie landen, dreht sich jetzt der Wind. Nicht nur beim Pkw, sondern auch beim Lkw. In der Logistikbranche, wo jeder Cent zweimal umgedreht wird, gelten ohnehin andere Gesetze als bei den Automobilen. „Für alle Antriebstechnologien wollen wir unseren Kunden stets die besten Fahrzeuglösungen bieten. Dabei wird in den unterschiedlichen Weltregionen auch der klassische Diesel-Lkw noch einige Zeit unverzichtbar bleiben. Mit dem neuen Actros L haben wir unser bewährtes Flaggschiff in vielen Aspekten weiter verbessert. Das spiegelt sich schon rein äußerlich im revolutionären Fahrerhausdesign wider“, erklärt Rainer Müller-Finkeldei, Leiter Entwicklung Mercedes-Benz Lkw.
Also ist auch hier der Kunde König und der Diesel noch längst nicht tot. Deswegen haben die Mercedes-Benz-Truck- Techniker den OM 471 Dieselmotor ein drittes Mal unter die Lupe genommen, um aus den 12,8 Litern Hubraum mit einem neuen Turbolader mehr Effizienz herauszukitzeln, ohne dass die Fahrbarkeit und die Leistung darunter leiden. Schließlich transportieren die 40-Tonner nicht weniger schwere Lasten, nur weil sich der Antrieb geändert hat. Was noch wichtiger ist: Durch den um bis zu vier Prozent geringeren Verbrauch sinken auch die Betriebskosten beziehungsweise die „Total Cost of Ownership“ (TCO)
Die Optimierung des Antriebsstrangs ist ein Hebel, um den Verbrauch zu reduzieren. Mindestens genauso wichtig ist die Windschlüpfrigkeit. Auch der Actros L bekommt jetzt das ProCabin-Führerhaus des eActros 600 inklusive der Aerodynamik. Die Veränderungen fallen sofort ins Auge, da die Techniker alle Register der Windkanalkunst gezogen haben. Auf dem Dach befinden sich zwei unterschiedlich große Spoiler direkt hintereinander. Da kommt fast Formel-1-Feeling auf. Die A-Säulen zieren Umlenkbleche im seitlichen Fensterbereich, ergänzt durch eine große und flache Vorbauklappe sowie durch einen optimierten Stoßfänger mit kleinen Kühlluftöffnungen und einer aerodynamisch verbesserten Unterbodenverkleidung.
Erweiterter Rundumblick
Alles in allem ist die Front ist 80 Millimeter länger als bisher. Ein windschnittiger Einstieg, verfeinerte Radhaus- und Seitenverkleidungen sowie nur noch wenige Fugen und Spalten leiten den Luftstrom um die Fahrerkabine. Das aerodynamische Konzept eines großen Lkws ist erst dann vollständig, wenn es den Übergang von der Zugmaschine zum Anhänger mit einbezieht. Deshalb verfügt der Actros L über verlängerte, im Segel-Design ausgeführte Endkantenklappen. Verschiedene Dichtungen, um den Motorraum von der Außenströmung zu entkoppeln, runden das aerodynamische Konzept ab. Unter dem Strich sparen diese Maßnahmen beim neuen Actros L bis zu drei Prozent Kraftstoff. In Verbindung mit dem weniger durstigen Antrieb haben diese Optimierungen angesichts der Betriebszeiten und der Distanzen, die Lkws zurücklegen, große Auswirkungen.
Damit der Fahrer diese Strecken auch möglichst komfortabel absolviert, bietet der Actros L in der Kabine einige neue Komfortfeatures: Sitze mit einer optimierten Heizung sowie einem hochwertigen Flachgewebe-Bezug, Betten mit vollwertigem Lattenrost und dickerer Matratze. Im neuen Actros L befinden sich weitere USB-C-Anschlüsse an den Seitenwänden, der Fahrer freut sich über einen zweiten Kühlschrank, eine LED-Leselampe und eine 230-Volt- Steckdose. Ein neuer dichterer Vorhang trennt das Cockpit von der Schlafstätte und sorgt für die nötige Erholung.
Automatische Notbremsung
Auch beim Infotainment und den Assistenzsystemen hat sich einiges getan. Ab April 2025 ist das Multimedia- Cockpit Interactive 2 mit neu konzipiertem Menü-Design, Sprachsteuerung, verbesserter Konnektivität sowie neuen Applikationen wie Connected Traffic Warnings erhältlich. Bei den Sicherheitssystemen gibt der Actros L den Musterschüler, denn die übertreffen die ab Juli 2024 geltenden strengen Standards der General Safety Regulation (GSR), die eine ganze Reihe von Fahrerassistenzsystemen vorschreibt. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat Daimler Truck eine neue Elektronikplattform mit einer optimierten Sensorfusion der Kameras und Radareinheiten entwickelt, die eine 20-fach höhere Datenverarbeitung ermöglicht. Aufgrund der sechs verbauten Sensoren – vier seitliche Short Range Radare vorne und hinten jeweils sowohl rechts als auch links, ein Long Range Radar vorne in der Mitte sowie die Multifunktionskamera in der Windschutzscheibe lässt sich ein virtueller Rundumblick von 270 Grad realisieren.
Das wirkt sich direkt auf die Assistenzsysteme aus. Blockiert dynamischer Verkehr die Fahrbahn, kann der Notbremsassistent von Daimler Truck jetzt bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h eine automatische Vollbremsung einleiten. Der Active Brake Assist (ABA) der sechsten Generation überwacht mehrere Fahrspuren und erkennt Gefahren bis zu einer Entfernung von 250 Metern. Aufgrund des größeren Blickwinkels bietet der Sideguard Assist (ASGA) der zweiten Generation mehr Funktionen. Der ASGA 2 überwacht bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h das Verkehrsgeschehen auf der Fahrer- wie auch auf der Beifahrerseite und warnt den Fahrer vor Gefahren hin, die sich 30 Meter hinter und sieben Meter vor dem Actros L befinden.
Autor:Wolfgang Gomoll, München, Stand: 2024-04-02 09:00:00
Fotos: press-inform / Daimler Truck










