Reportage: Neue E-Kombis

Auch bei der Elektromobilität brauchen die Deutschen nicht auf ihre geliebten Kombis verzichten. Schon im nächsten Jahr bringen Audi, BMW und VW Stromer Lademeister auf den Markt, während MG dieses schon erledigt hat.
Foto: press-inform / VW
VW ID.7 Tourer (Foto: press-inform / VW)

Stromer Lademeister

Auch bei der Elektromobilität brauchen die Deutschen nicht auf ihre geliebten Kombis verzichten. Schon im nächsten Jahr bringen Audi, BMW und VW Stromer Lademeister auf den Markt, während MG dieses schon erledigt hat.

Deutschland, Kombiland. Das war jahrzehntelang Gesetz und änderte sich erst mit dem Aufkommen der SUVs. Die Elektromobilität verstärkte diesen Trend noch. Schließlich brauchen die großen Akkupakete Platz und wiegen eine Menge. Also warum nicht gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen und die Energiespeicher in einen Crossover packen, der per se hochbeiniger ist als eine klassische Limousine. Doch auch die Elektromobilisten wünschen sich verschiedene Karosserieformen und deshalb feiern die Kombis ein Comeback als Stromer.

Dass VW beim batterieelektrischen Äquivalent zum Passat nicht auf einen Kombi verzichten würde, war eigentlich klar. Zumal die Wolfsburger schon seit 60 Jahren erfolgreich diese Derivate verkauft. Also bekommt der ID.7 auch im nächsten Jahr seinen Variant. Warum der auf einmal Tourer heißt, bleibt wohl das Geheimnis der VW-Marketing- und Vertriebsstrategen. Noch sind nicht alle Details bekannt, aber der ID.7 Tourer hat einen cw-wert von 0,24 und damit lediglich um 0,01 Punkte mehr als die Limousine. Das Kofferraumvolumen fasst 545 Liter, legt man die Lehnen der Rücksitze um, werden 1.714 Liter daraus. Ein Wert würdig eines Kombis.

Audi A6 Avant e-tron concept (Foto: press-inform / Audi)
MG5 Electric (Foto: press-inform / MG)
BMW i5 Touring (Foto: press-inform / BMW)
BMW i5 edrive40 (Foto: press-inform / BNW)
Audi A6 Avant e-tron concept (Foto: press-inform / Audi)
Audi A6 Avant e-tron concept (Foto: press-inform / Audi)
Audi A6 Avant e-tron concept (Foto: press-inform / Audi)
MG5 Electric (Foto: press-inform / MG)
MG5 Electric (Foto: press-inform / MG)

Da der Tourer ebenfalls auf VWs MEB evo steht, dürften auch die Batterie und Antriebsdaten identisch zur Limousine bleiben. In der Pro-Version haben die Akkus eine Kapazität von 82-Kilowattstunden (netto 77 kWh) und bei ID.7 Pro S-Variante sind es 91 kWh (85 kWh netto). Zudem wird der Kombi ebenfalls mit 210 kW / 286 PS an den Start rollen. Vielleicht gibt es auch bald eine Power-Variante mit 411 kW / 558 PS. Beim Laden wird auch der Kombi mit bis zu 200 kW schnelle Tankstopps ermöglichen.

Interessante Antriebe

Während VW sich mit dem Tourer noch etwas Zeit lässt, hat MG mit dem MG5 Electric schon den ersten Kombi am Start. Der MG E-Kombi schafft bis zu 400 Kilometer Reichweite und hat ein Kofferraumvolumen von 479 bis 1.367 Litern. Also deutlich weniger als der ID.7-Rucksackwagen. Allerdings ist der Kombi mit 4,60 Meter Länge auch kein Abmessungsriese und in der Kompaktklasse unterwegs. Der MG5 Electric setzt auf solide Technik und auf zwei Batteriearten und -Größen. Die kleinen Akkus mit einer Kapazität von 50,3 kWh bestehen aus Lithium-Eisen-Phosphat (LFP) Zellen, während die 61,1 kWh-Batterie mit Lithium-Nickel-Mangan- Kobalt (NMC)-Modulen bestückt ist.

Interessanterweise kombiniert MG die kleinere Batterie mit dem 130 kW / 177 PS Motor (WLTP-Reichweite 320 km), während die größeren Akkus mit einer 115 kW / 156 PS starken E-Maschine vorliebnehmen nehmen muss, dafür aber eben bis zu 400 Kilometer weit kommt. Beide Versionen haben Vorderradantrieb und ein Drehmoment von 280 Newtonmetern. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 185 km/h ebenfalls identisch. Beim Laden sticht der MG5 Electric ebenfalls nicht hervor. Beim Wechselstrom-Tanken sind es 11 kW und an einem DC- Schnelllader sind maximal 87 kW möglich. Definitiv keine Spitzenleistung. Immerhin kann der MG5 Electric als mobile Powerbank genutzt werden, um Geräte mit Strom zu versorgen.

Schemenhafte Umrisse

BMW ist ein Hersteller, bei dem Kombis schon immer ihr Scherflein zum Gewinn beigetragen haben. Da beim Münchner Autobauer unverändert die Power-of-Choice-Doktrin gilt, nutzt BMW Plattformen, die sowohl klassische Verbrennungsmotoren als auch rein elektrische Antriebsstränge ermöglichen. Unlängst hat BMW den neuen 5er vorgestellt, inklusive zwei Elektro-Varianten und jeder, der die Modellgeschichte des weißblauen Vehikels kennt, weiß, dass ein Kombi nicht weit ist, wenn eine Limousine erscheint. Das ist beim neuen 5er nicht anders. Also erscheint im Frühjahr 2024 ein BMW i5 Touring.

Bislang haben die Münchner nur Bilder herausgegeben, die einen schemenhaften Umriss zeigen. Dennoch kann,man getrost davon ausgehen, dass die beiden Modelle bis zur B-Säule identisch sind. Somit wird die elektrische Version des BMW G61 (interner Code) auch mit den gleichen Motorisierungen bestückt sind. Demnach wird die Basisversion BMW i5 eDrive40 einen Heckantrieb mit 250 kW / 340 PS und einem maximalen Drehmoment von 430 Nm haben.

E-Avant nutzt die PPE-Plattform

Die Batterie hat bei den beiden E-Versionen eine Nettokapazität von 81,2 kWh. Damit versorgt sie auch den allradangetriebenen BMW i5 xDrive M60 mit Energie. Die allradgetriebene Variante prügelt mit 442 kW / 601 PS und bis zu 820 Nm Drehmoment (beim Boost) auf den Asphalt ein. Da nicht alle Regionen die teutonische Vorliebe für Kombis teilen, wird der BMW i5 Touring zunächst in Europa, Japan und Taiwan erscheinen.

Einer der Konkurrenten des BMW 5er Tourings ist seit jeher der Audi A6 Avant. Auch die Ingolstädter werden den Kombi der oberen Mittelklasse elektrifizieren. Anders als die Münchner setzt die Marke mit den vier Ringen mit der Premium Platform Electric (PPE) eine Architektur ein, die für rein elektrische Fahrzeuge konzipiert ist. Zunächst nutzen der Porsche Macan und der Audi Q6 e-tron diese Technik, später im nächsten Jahr kommt der Audi A6 e-tron dazu.

Auf der Automesse in Shanghai 2022 hatte die Studie A6 Avant e-tron Concept im Gepäck, die schon einen konkreten Eindruck auf die Serienversion des Kombis gab, im Gepäck. Die Studie ist 4,96 Meter lang, 1,96 Meter breit und 1,44 Meter hoch und hat damit fast die Abmessungen des aktuellen A6 Avant. Allradantrieb ist bei einem solchen Audi gesetzt. Die beiden Elektromotoren generieren insgesamt 350 kW / 476 PS. Die Batterie hat eine Kapazität von 100 Kilowattstunden und soll dank des cw-werts von 0,24 (Limousine 0,22) eine Reichweite von rund 700 Kilometer ermöglichen. Geladen wird aufgrund der 800-Volt-Technik mit bis zu 270 kW. In weniger als 25 Minuten sind die Akkus von fünf auf 80 Prozent gefüllt.

Autor:

Wolfgang Gomoll, München, Stand: 2023-11-05 20:24:00
Fotos: press-inform / VW