
Die Zukunft im Blick
Auf dem Volkswagen Group-Konzernabend in Genf gab Martin Winterkorn den Startschuss für eine neue Konzernausrichtung. Ein paar Premieren gab es aber auch zu sehen.
Wenn der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG Martin Winterkorn das Wort ergreift, herrscht Ruhe. So auch beim traditionellen Volkswagen Group-Konzernabend im Vorfeld des diesjährigen Genfer Automobilsalons. Nach einem eher hastig durchgepeitschten Premierenfeuerwerk mit der einen oder andere kleineren Panne, rüttelte Martin Winterkorn auch den letzten der 1.251 Gäste am Ende wieder wach. „Wir sind überzeugt, dass die besondere Faszination Auto auch in Zukunft ihren Platz haben wird. Allerdings stehen wir in den nächsten Jahren vor den größten Umbrüchen seit Bestehen des Automobils.“ Rumms, das hat gesessen. Was er damit meint, ist schnell erklärt. Die Industrie muss sich noch schneller auf Veränderungen des Kundengeschmacks einstellen. Modellzyklen könnten in Zukunft kürzer werden. Nicht jedes bestehende Modell muss einen Nachfolger erhalten und völlig neue Karosserievarianten könnten erwartet werden. „Wir müssen unser Denken und Handeln ein Stück weit neu justieren. Uns ist vor diesen Herausforderungen nicht bange. Wir starten hier und heute ein neues Zukunftsmodell mit dem Namen Future Tracks“, erklärte er mit der bekannt festen Stimme. Ein Facelift könnte in naher Zukunft vielleicht sogar in der heimischen Garage per Softwareupdate durchgeführt werden.
Vor der abschließenden Rede von Martin Winterkorn gab es aber auch die eine oder andere Premiere zu bestaunen. Zu den PS-Monstern des Abends gehörte ohne Zweifel eine weitere Sonderedition des 1.200 PS starken Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse. Der 2,6 Millionen Euro teure Rembrandt Bugatti ist das vierte Fahrzeug der Legendenfahrzeug-Reihe und ehrt den Bruder des Firmengründers Ettore. Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 408,84 Kilometer pro Stunde. Mit 325 Kilometern pro Stunde wesentlich langsamer, aber immer noch unglaublich schnell, ist der 610 PS starke Lamborghini Huracan, der von Lambo-Chef Stephan Winkelmann auf die Bühne pilotiert wurde. „Mit dem Gallardo hat der Huracan nichts zu tun. Er ist ein völlig neuer Lamborghini“, versicherte er. Und weiter: „Zum ersten Mal in der Geschichte von Lamborghini bieten wir ein Doppelkupplungsgetriebe an.“
Mit 635 PS stärker und mit bis zu 331 Kilometern pro Stunde auch schneller ist der neue Bentley Continental GT Speed. Der in der Cabrioversion von Bentley-Chef Wolfgang Schreiber präsentierte Traum in goldbraun ist der schnellste Bentley aller Zeiten und laut Schreiber „genug für alle Lebenslagen.“ Weniger als die Hälfte der Kraft bringt der Seat Leon über seine angetriebene Vorderachse auf die Straße. Der 280 PS starke Spanier ist laut Seat-Chef Jürgen Stackmann „der ganze Stolz des Hauses. Er zeigt wozu wir in der Lage sind. Ein veritabler, wunderschöner Ausdruck unserer DNA!“ Der in unter 20 Sekunden auf Tempo 200 beschleunigende Sportler ist der schnellste und stärkste Seat, den die Marke jemals auf die Straße gebracht hat.
Ducati an Bord
Die Marke, von der am ehesten ein rennsportlicher Auftritt erwartet wurde, kam zumindest in puncto Lautstärke ihrem Ruf nach. Denn mit dem Porsche 911 GT1 rollte ein berühmter Urahn des kommenden Le Mans-Flitzers 919 Hybrid vor, der wenige Stunden später auf der Messe enthüllt werden soll. Eine echte Neuheit war bei Porsche jedoch Fehlanzeige. Die gab es hingegen von der VW Nutzfahrzeugabteilung zu sehen. Denn mit dem Multivan Alltrack zeigte sich ein neuer Ableger des VW Busses. „Der VW Bus ist seit sechseinhalb Jahrzehnten der Maßstab seiner Klasse. Und wir werden dafür sorgen, dass das auch so bleibt!“. Die geballte Faust von VW Nutzfahrzeugchef Eckhard Scholz wirkte an dieser Stelle jedoch ein wenig zu aufgesetzt.
Neben den mobilen Lückenfüllern wie der Ducati Diavel, die von Ducati-Chef Claudio Dominicali am Steuer mit mehr Schwung und weiter als geplant auf die Bühne geschossen kam sowie der sechssitzigen Design-Studie Clipper aus dem Hause Giugiaro wirkte der neue Audi TT schon fast wie eine Offenbarung. Audi-Chef Rupert Stadler erklärte: „Wir haben ihnen heute eine Weltpremiere mitgebracht. 1995 zeigten wir mit der ersten Generation des TT eine wahre Designikone. Zur dritten Generation war es die Aufgabe, den TT drahtiger, sportlicher und effizienter zu gestalten.“ Nach 4,7 Sekunden liegt bei der sportlichen TTS-Version mit 310 PS Tempo 100 an. Noch in diesem Jahr soll eine 400 PS starke RS-Version folgen.
Nicht stark aber dafür irgendwie giftig sah die Premiere aus dem Hause Skoda aus. Der von Skoda-Chef Winfried Vahland präsentierte giftgrüne VisionC soll die Designsprache des tschechischen Herstellers aufzeigen: „So verstehen wir bei Skoda wunderschöne, individuelle Mobilität.“ Da hielten es die Herrschaften von VW schon etwas puristischer – zumindest was die Farbwahl anging. Der 184 Diesel-PS starke SUV im Golfformat, bei VW unter dem Namen T-Roc firmierend, kann auf Grund seiner MQB-Bauweise sowohl mit Verbrennungsmotoren als auch mit Hybrid- oder vollelektrischen Antrieben bestückt werden. Die Gilde der Plug-In-Hybriden und somit der derzeit alltagstauglichsten Antriebsvariante repräsentierte an diesem Abend der VW Golf GTE. „Er ist der GTI mit Plug-In-Technik“, erklärt VW Entwicklungsvorstand Heinz Jakob Neußer. Allerdings schafft der GTE rund 1.000 Kilometer am Stück.
Autor:Marcel Sommer, Stand: 2014-03-03 23:08:00
Fotos: press-inform









