Der Endzeit-Offroader
Sein Aussehen macht einem schiere Angst, denn der RAM 2500 ist gewaltiger denn je – düster. Wem der normale Giganto-Pick-Up nicht reicht, schickt ihn zur Offroad-Kur Richtung AEV nach Wixom / Michigan. Die Umbauexperten fürs Grobe machen aus dem RAM 2500 einen wahren Endzeit-Offroader. Was auch immer geschehen mag, man scheint für alles bestens gewappnet.
Echte Offroad-Fans sind in den USA immer seltener mit einem gewöhnlichen Geländewagen unterwegs. Die mächtigen Pick-Ups, genannt Full-Size-Trucks, sind längst zum Lieblingsspielzeug der ambitionierteren Kletterfans geworden. Respektable Geländewagen wie Mercedes G-Klasse, Toyota Land Cruiser oder Jeep Wrangler erscheinen neben einem Ungetüm wie dem RAM 2500 wie eine Mischung aus Beiboot und untauglichem Spielzeug. Nach der Umbaukur der Spezialisten von AEV wird der bereits alles andere als gewöhnliche RAM 2500 zum spektakulären AEV Prospector XL. Irdische Grenzen scheinen angesichts dessen Offroad-Potenzial verschoben – nicht allein wegen des gigantischen 40-Zoll-Radsatzes von BF Goodrich, der das Ein- und Aussteigen zu einer Kletterpartie in die Alpen werden lässt.

Gleich nebenan auf dem Parkplatz hier in Sal Clemente parkt ein respektabler Toyota Tundra. Der hat zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, doch bereits seine Dimensionen sind üppig und überragen alles Europäische auf vier Offroadpneus. Doch neben dem 6,02 Meter langen Prospector XL sieht der Tundra aus wie ein Kompaktklassemodell aus japanischer Produktion. Keine Frage, der RAM 2500 Super Duty fährt bereits als Serienmodell in einer eigenen Liga, kaum zu messen an hiesigen Maßstäben. Doch nach den umfangreichen Umbauten ist der Koloss aus Michigan kaum wiederzukennen – size matters.
Der knapp 65.000 US-Dollar teure RAM 2500 Heavy Duty 4×4 wird von einem Commonrail-Diesel angetrieben, der statt der europa-üblichen 3,0 Liter einen stattlichen Hubraum von 6,7 Litern bietet. Das bedeutet 316 kW / 430 PS und gigantische 1.460 Nm maximales Drehmoment für den härtesten Alltagseinsatz – insbesondere abseits befestigter Routen. Der Schub, den der über drei Tonnen schwere Koloss auf die Straße bringt, ist gewaltig und erst bei 160 km/h wird elektronisch abgeregelt – der Offroad-Reifen wegen. Außer dem akustisch überaus präsenten Cummins-Sechszylinderdiesel und der geräumigen Fahrgastzelle bleibt beim RAM 2500 nicht viel beim Alten, wenn ihn sich die Spezialisten von AEV in der Fertigung einmal vorgenommen haben. Besonders aufwendig wird in wochenlanger Arbeit das Fahrwerk des Allrad-Kolosses bearbeitet. Ein eigens entwickeltes Dualsport-RT-Federungssystem mit Bilstein 5100er Stoßdämpfern soll dem vergnügungssüchtigen Offroad-Fan die perfekte Kombination aus Fahrkomfort und Handling auf unterschiedlichem Terrain bieten. Wohlgemerkt ohne dabei die Zugkraft oder Nutzlast einzuschränken, denn diese vielen Kunden besonders wichtig, wenn es mit dem Anhänger, Quad oder Campingaufbau ins harte Gelände geht. Spürbar am griffigen Lederlenkrad sind nach der Umbauaktion auch die Veränderungen an der Lenkgeometrie. Um die gewaltigen Offroadwalzen besser lenkbar zu machen, ging jedoch die Rückmeldung von der Fahrbahn verloren. Die Lenkung ist im normalen Fahrbetrieb auf der Straße schlicht zu leichtgängig und gefühllos.



Doch so richtig wohl fühlt sich der RAM 2500 nach der Prospector-Kur von AEV im harten Gelände auf einem Trail im Nationalpark oder indem er in Schleichfahrt rutschige Großfelsen erklimmt, ob den Sonnenaufgang morgen früh ebenso allein wie einzigartig erleben zu können – Wilder Westen inklusive. Damit es bei der Kletterpartie zu keinen Beschädigungen an Fahrwerk, Unterboden und speziell der Karosserie kommt, wurde deutlich draufgesattelt. So verfügt die Frontstoßstange des Prospector verfügt über eine vier Millimeter dicke Außenhaut aus Panzerstahl, die nicht nur die Frontpartie schützt, sondern auch massive die 16,5-Zoll-Warnwinde in sich aufnimmt. Zuglast – 7,5 Tonnen. Für Befestigungen aller Art in Stand und Fahrbetrieb gibt es massive Abschleppösen aus Gusseisen. Die Heckstoßstange aus Stahl maximiert den Böschungswinkel des Prospector und bietet zudem einen maximalen Schutz für die Unterseite der Ladefläche. Wieso darunter der normale Ersatzreifen noch immer verbaut ist, dürfte ein AEV-Geheimnis bleiben, da das einzig passende Rad am Ladeflächen-Befestigungssystem der rückwärtigen Kabine befestigt wurde.
So rustikal und martialisch sich der RAM von außen präsentiert, so edel geht es im Innern zu. Zumeist auf der Ausstattungsvariante Laramie basierend gibt es klimatisierte Ledersitze im Innern mit bestickten Kopfstützen, animierte Instrumente sowie ein 14,5 Zoll großen Hochkant-Bildschirm für Navigation, Soundsystem und Bedienmodule, die nicht über die Taster abgebildet werden. Natürlich hat der AEV auf der breiten Mittelkonsole zahlreiche Schalter mehr als das Serienmodell, denn über grobschlächtige Kunststoffkipper lassen sich unter anderem Winde und die verschiedenen LED-Strahler bedienen. Auf Wunsch ebenfalls zu bekommen: ein zehn Zoll großes Beifahrerdisplay sowie eine belederte Instrumentenabdeckung, die die überschaubare Qualitätsniveau spürbar hebt.



Wem das rund 24.400 US-Dollar teure Basispaket für den Umbau zum Prospector XL nicht reicht, kann tüchtig nachordern, einen eigenen Farbwunsch beibringen und Zubehördetails wie Schnorchel, Differenzial-Abdeckungen, Zusatzleuchten rundum, Exklusivleder oder elektrische Trittbretter für den eigenen Einsatzzweck ordern. Letztere sind schon deshalb zu empfehlen, weil das Ein- und Aussteigen sonst ähnlich anspruchsvoll ist, wie die Granitwände im Eldorado Canyon State Park. Mit einem Campingmodulen drückt sich der Gesamtpreis somit schnell auf über 150.000 US-Dollar. Bauzeit: rund drei Monate.
Technische Daten: RAM 2500 HD AEV Prospector XL
- Motor: Reihensechszylinder-Diesel mit Aufladung (Cummins)
- Hubraum: 6.690 ccm
- Leistung: 316 kW / 430 PS
- Max. Drehmoment: 1.460 Nm
- Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
- Normverbrauch: 15,5 Liter Diesel / 100 km
- Getriebe: Achtgang-Automatik
- Leergewicht: 3.300 kg
- Zuglast: 5,0 Tonnen
- Preis: ab circa 100.000 US-Dollar










