Wie sang schon einst Udo Jürgens…
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an….. schmetterte der österreichische Sänger Udo Jürgens 1977 und landete damit einen Riesenhit. Diesen alles andere als runden Geburtstag feiert nunmehr der britisch-deutsche Autohersteller Mini.
Kaum ein europäischer Autohersteller hat eine solche Fangemeinde wie Mini. Da ist vielleicht noch Porsche mit seinem 911, VW mit seinem Golf, Land Rover mit dem Defender und Mercedes mit seiner G-Klasse. Doch im Volumenbereich ist Mini allein auf weiter Flur, wenn es um seine verrückten Fans geht. Die kommen nicht allein aus Europa und schon gar nicht allein aus Großbritannien – Mini ist auch in Japan oder den USA seit vielen Jahren Kult; insbesondere seitdem BMW sich den Autobauer aus Oxford Ende der 1990er Jahre einverleibte. Mittlerweile sind die neuen Mini-Modelle mindestens genauso beliebt wie der Klassiker, den Sir Alec Issigonis in den 1950ern kreierte und 1959 enthüllte.

Am 26. August 1959 stellte die damalige British Motor Corporation den ersten Mini vor. Dass er Classic Mini einmal eine Kultmobil werden würde, war damals nicht abzusehen. Doch schneller als erwartet wurde er zur Ikone – nicht zuletzt mit Hilfe der Modebranche. Mary Quant hatte nach eigenen Angaben Probleme mit dem Einparken. Nicht zuletzt deshalb fuhr die Engländerin voll auf den Mini ab, der in den 60er Jahren Londons Straßen eroberte. Als Modedesignerin Quant einen neuen Rock erfand, der möglichst wenig Stoff verbrauchen und möglichst viel Bein zeigen sollte, musste sie den einen passenden Namen nicht lange suchen: Minirock hieß das scharfe Teil, das aus England in den Swinging Sixties genau so wenig wegzudenken ist wie der legendäre Kleinwagen.
Auch andere Länder haben ihre Kultautos wie Deutschland seinen Käfer, Frankreich die Ente 2CV und Italien seinen Cinquecento – alle haben sie ihre Verdienste: Der Käfer mobilisierte eine ganze Nation, die Ente reduzierte das Automobil auf das wirklich wesentliche und der Fiat ist so italienisch wie Chianti und Spaghetti. Doch wenn es darum geht, per Auto ein fröhlich-gelassenes Lebensgefühl zu transportieren, steht der Mini seit Jahrzehnten ganz oben auf dem Treppchen. Die Individualisierungen, die die Mini-Jünger an ihren Fahrzeugen vornehmen, sind abgefahren und spektakulärer denn je
Sir Alec Issigonis dagegen, der den Mini angeblich in einem Restaurant auf der Serviette entwarf, war alles andere als locker. Ziemlich arrogant soll er gewesen sein, erzählt man sich noch heute. Wünsche nach mehr Luxus in seinem Auto wie etwa einem Radio lehnte der Konstrukteur der British Motor Corporation (BMC) barsch ab und verbat sich jede Einmischung in sein Konzept. Denn das hieß Purismus pur: Platz für vier Personen plus Gepäck, leicht zu fahren, sparsam im Verbrauch und mit 496 Britischen Pfund überaus günstig in der Anschaffung. Jedes Detail im 3,05 Meter und 34 PS starken kurzen Ur-Mini, der mit minimalen Unterschieden als Morris Mini-Minor und Austin Seven vom Band lief, war auf maximale Ökonomie getrimmt. Das begann beim Frontantrieb mit vorn quer eingebautem Motor und erstreckte sich bis auf die Türgriffe, die es innen gar nicht gab: Einfache Seilzüge mussten seinerzeit genügen. Das Design des Ur-Mini war ganz von der Ingenieursseite geprägt, mit einem modischen Auto hatte das eher wenig zu tun.

So taugte der Ur-Mini auch zum genügsamen Arbeitstier. Ein Lieferwagen, ein Kombi und sogar ein Pick-up sorgten für Nachwuchs im Reich der Zwergenmobile. Eine kurze Episode blieb der 1964 präsentierte Mini Moke. Er war eigentlich für die Armee gedacht, doch im Gelände konnte man mit dem Moke (ein altmodisches Wort für Esel) keinen Blumentopf gewinnen. So wurde er zum Freizeitmobil und Strandflitzer. Auch die Stufenheckversionen des Mini, in der großen BMC-Familie als Riley Elf und Wolseley Hornet verkauft, wurden keine Verkaufsschlager. Ein besonders ulkiges Modell ist der erste Mini Clubman: Er war als Limousine und Kombi zu haben und sah von hinten aus wie ein Mini, die Front jedoch war eckig-modern gestaltet.
Seinen Kultstatus verdankt der Mini vor allem dem Cooper. Der Sportwagenkonstrukteur John Cooper war eng mit Alec Issigonis befreundet und sah im Mini sofort die potenzielle Rennsemmel. Zahlreiche Erfolge im Renn- und Rallyesport, darunter der Klassensieg für den Finnen Rauno Aaltonen bei der Rallye Monte Carlo 1963, sollten Cooper Recht geben. Der Mini Cooper, der erstmals 1961 in einer Kleinserie von 1.000 Stück erschien, machte dem Mini ordentlich Beine. Der Hubraum wuchs von 848 Kubikzentimeter auf einen Liter und die Leistung auf 55, später sogar mehr als 70 PS. Die ersten Cooper-Modelle gehören heute zu den begehrtesten Mini-Sammlerstücken. Als die britische Autoindustrie in den 80er Jahren vor die Hunde ging, war der Mini einer der wenigen Leuchttürme im Inselnebel. Doch auch er musste Federn lassen: Die Modelle Clubman, Estate und Van wurden eingestellt. 1990 kam der Mini Cooper wieder, 1991 das Cabrio – angeregt durch den Umbau eines enthusiastischen Autohändlers aus Deutschland. Im Jahr 2000 war nach zahlreichen Sondermodellen endgültig Schluss mit dem Classic Mini. 5,3 Millionen Autos waren seit 1959 vom Band gelaufen.
Dass der Neustart 2001 unter BMWs Führung erfolgte, bescherte dem Wagen eine völlig neue Verarbeitungsqualität, ein exzellentes Fahrwerk und (wenn auch nicht von Beginn an) ausgezeichnete Motoren. Doch der Premium-Zwerg schreckt viele Mini-Fans mit seinen üppigen Preisen keinesfalls ab. Er wurde zum urbanen Trendmobil einer betont weiblichen Kundschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Mit der aktuellen Generation hat sich die Mini-Familie aus Cooper / Cooper Cabrio, Aceman und Countryman mit modernen Verbrennern und Elektroantrieben neu erfunden.








