Türöffner
Chery will endlich in Deutschland Fuß fassen und nimmt mit dem Omoda 5 BEV das Segment der Kompakt-SUVs ins Visier. Ein ambitioniertes Unterfangen.
Zu sagen, dass es für Chery in Deutschland nicht gut läuft, ist ein ziemlicher Euphemismus. Das Kraftfahrt-Bundesamt weist bis Ende August dieses Jahres lediglich 42 Neuzulassungen aus. In Worten: zweiundvierzig! Für einen Hersteller, der Europa und Deutschland im Sturm erobern wollte, ist das ein herber Schlag ins Kontor. Jetzt sollen die Tochtermarken Omoda, Jaecoo und später vermutlich Exlantix die Trendwende bringen. Wenn die Nachfrage in den Schauräumen ausbleibt, greift man gern zu Brot-und-Butter-Modellen – heute sind das Kompakt-SUVs. Also soll der Omoda 5 Cherys Türöffner für Deutschland sein, allerdings ausschließlich als vollelektrische Version. Das ist, als würde man mit einem auf dem Rücken gebundenen Arm in den Ring steigen. Und das ausgerechnet in der hart umkämpften Klasse der Kompakt-SUVs, in der sich VW Tiguan, Kia EV3 und Hyundai Kona tummeln. Der E-Crossover aus dem Reich der MItte will die Konkurrenz mit solider Technik unter modernem Design, ordentlicher Serienausstattung und einem Kampfpreis von unter 40.000 Euro ausstechen.

Allerdings rollt der Omoda 5 mit einer 60,1-Kilowattstunden-Batterie an den Start. Das ermöglicht eine WLTP-Reichweite von 402 Kilometern. Damit übertrifft er zwar den VW ID.4 Pure mit dem 52-kWh-Akku, bleibt aber unter dem Škoda Enyaq 60 und dem Kia EV3 Air zurück, der mit einer Batterie von 58,3 kWh auf 436 WLTP-Kilometer kommt. Bei der DC-Ladeleistung befreit sich Chery mit 130 kW aus der „unter 80 kW“-Nische, erreicht aber keine Spitzenwerte. Die Verbesserung ist beim schnellen Laden spürbar: In 28 Minuten geht es von 30 auf 80 Prozent. An der Wallbox muss man, wie bei vielen anderen auch, mit 11 kW vorliebnehmen.
Der Omoda 5 passt in der Stadt und über Land. Wer bei einer Leistung von 155 kW / 211 PS Sportwagenwerte erwartet, wird enttäuscht. Trotzdem ist man mit einer Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h kein rollendes Verkehrshindernis, und der Standardsprint von null auf 100 km/h ist in 7,7 Sekunden erledigt. Das Resultat dieser Leistungszurückhaltung ist ein Durchschnittsverbrauch von 16,5 kWh/100 km. Nett: Die Fahrmodi Eco, Normal und Sport werden auf Deutsch angesagt. Die Unterschiede sind spürbar. Meistens ist „Normal“ die beste Wahl, im Stop-and-go-Gedränge in der Rush Hour ist Eco völlig ausreichend. Wer in einem Auto eines chinesischen Herstellers sitzt, kann davon ausgehen, dass einem nicht die Zähne wackeln, wenn man über eine Bodenunebenheit fährt. Das ist auch beim Omoda 5 der Fall. Sprich: Die Dämpfer sind komfortabel abgestimmt. Obwohl das Setup besser gelungen ist als bei einigen anderen Chery-Fahrzeugen, fehlt noch ein halber Schritt, um die Reife eines ID.4 oder Škoda Enyaq zu erreichen. Ähnliches gilt für die Lenkung. Wo die Techniker aber definitiv noch Nachholbedarf haben ist bei der Bremse: Sie wirkt synthetisch und vermittelt nur wenig Gefühl.

Im Innenraum verzichtet Chery sowohl auf einen digitalen Overkill als auch auf einen übermäßigen Display-Fetischismus. Das bedeutet: zwei 12,3-Zoll-Displays in einer Einheit statt eines 16-Zoll-Tablet-Monsters in der Mitte. Ein klassisches Head-up-Display ergänzt das. Neben den Lenkradtasten gibt es klassische Direktwahltasten – unter anderem für Fahrmodi, Scheibenheizung oder Umluft. Die Kombination aus alter und neuer Bedienwelt macht den Omoda 5 auch für Nicht-Digital-Natives zugänglich. Die Kombination aus alter und neuer Bedienwelt macht den Omoda 5 auch für Nicht-Digital-Natives zugänglich. Auch wenn man sich schon etwas mit den Menüs beschäftigen muss, bis man die letzten Einstellungsmöglichkeiten findet. Aber auch das ist auf Dauer kein Problem. Wem das zu viel ist, der verbindet sein Smartphone über Apple CarPlay oder Android Auto mit dem Infotainmentsystem.
Dass chinesische Autobauer Innenräume gestalten können, ist längst kein Geheimnis mehr. Der Omoda 5 macht da keine Ausnahme. Die Materialien fühlen sich wertig an, und das Cockpit ist übersichtlich strukturiert. Platz kann bei einem Auto, das 4,38 Meter lang ist und einen Radstand von 2,62 Metern hat, durchaus zum Thema werden. Das ist beim Omoda 5 nur bedingt der Fall, da die Raumökonomie ist in Ordnung. Im Fond finden Erwachsene Platz. Ab einer Körpergröße von 1,85 Metern wird es um den Kopf herum eng. Zaubern können auch chinesische Ingenieure nicht. Der Kofferraum hat ein Volumen von 314 Liter, legt man die Lehnen der Rückbank um, steigt der Ladeboden leicht an und das Volumen wächst auf 1.075 Liter. Für Kleinkram gibt es unter der vorderen Haube einen Frontstauraum (Frunk) mit 35 Litern Fassungsvermögen. Das macht das Paket rund. Wir gehen davon aus, dass Chery deutlich mehr als 42 Fahrzeuge in acht Monaten verkauft, sobald das E-SUV im vierten Quartal dieses Jahres nach Deutschland kommt.
Datenblatt Omoda 5 BEV
- Typ: Kompakt-E-SUV
- Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 211 (155)
- Höchstgeschwindigkeit (km/h): 175
- Beschleunigung 0-100 km/h (sek.): 7,7
- Getriebe: Automatik
- Antrieb: Vorderradantrieb
- Tank (L): 60,9 kWh
- Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 16,5 kWh/100 km
- CO2-Ausstoß (g/km): 0
- Gewicht, Herstellerangabe (kg): 1.710
- max. Zuladung (kg): 475
- Abmessungen (L/B/H): 4.380 / 1.860 / 1.650 (L/B/H)
- max. Ladevolumen (L): 314 bis 1.075 plus 35 l Frunk
- Preis (Euro): ca. 45.000













