Mini mit Schuss
Wer mit einem sportlichen Mini durch die Gegend düsen will, kommt um die John Cooper Works Modelle nicht herum – egal ob mit oder ohne Stecker. Doch wieso tragen die dynamischen Brit-Flitzer überhaupt den Namenszusatz Cooper? Ein Besuch im Süden Englands zeigt, was man aus einem Mini so herausholen kann – ganz in Erinnerung an Rennfahrer John Cooper.
Der Süden der britischen Insel hat seinen ganz besonderen Charme. Die Besucher kommen nicht allein im Frühling und Sommer, um seichte Hügelketten zu bewandern und die Küstenlinie zu bestaunen. Dafür arrangiert man sich auch mit oftmals mäßigen Hotels und eine Kulinarik, die viel Potenzial nach oben hat. Doch der Süden Englands hat mehr zu bieten, als die abwechslungsreiche Natur und Lord March mit seinem gigantischen Areal rund um Goodwood, der nicht nur Rolls-Royce eine Heimat bietet, sondern das Jahr über auch zahlreiche Motorsportveranstaltungen beheimatet. Hier im Süden sind auch die Coopers zu Hause – eine autoverrückte Familie, die untrennbar mit der Automarke Mini verbinden ist und der Region rund um Arundel in West Sussex seinen Stempel ausgedrückt hat. Während es Charlie Cooper in den Westen der Millionenmetropole London verschlagen hat, ist Mike Cooper, der Region Sussex treu geblieben. Das Familienanwesen der Coopers liegt gut versteckt; doch wer genau hinschaut kann hinter hohen Hecken, sattgrünen Wiesen und winkeligen Schotterabzweigungen ein paar verchromte Stoßstangen erspähen, hinter denen politiertes Altmetall freundliche Mini-Gesichter erkennen lassen. Die Garagentore sind geöffnet und hinter den historischen Boliden blitzen die LED-Augen des letzten Mini JCW GP und ein brandneuer John Cooper Works Electric. „Den habe ich erst vor ein paar Tagen zum Testen bekommen“, erzählt Mike wortreich, „unglaublich, wie der abgeht.“

Der neue Mini John Cooper Works Electric ist nicht das einzige Modell mit Stecker auf dem Hof. Der dunkelgrüne Mini Kastenwagen mit der Aufschrift „The Cooper Car Company Ltd“ und weißem Dach sieht unspektakulär aus, wird jedoch von einem 81 kW / 110 PS starken Elektromotor angetrieben, der ihn beim Vollgasspurt schwarze Streifen auf den Asphalt brennen lässt und es auf 160 km/h Spitze schafft. Das Batteriepaket befindet sich in einer roten Werkstattkiste hinter den unbequemen Kunstledersitzen und allein zwei kleine Digitalanzeigen im Tacho geben neben dem fehlenden Motorengeräusch Zeugnis von dem leistungsstarken Elektroantrieb. „Mit einer Akkuladung sind locker 120 Meilen drin“, lächelt Mike. Der gerade einmal 600 Kilogramm schwere Kleinstlaster sieht aus, wie aus dem Ei gepellt und stammt als Ursprungsmodell aus dem Jahre 1962. An der Wand in der privaten Garage hängt eine verstaubte Seifenkiste, mit der die Cooper Garage 2013 beim Festival of Speed die Konkurrenz aus OEMs und Formel-1-Team düpierte – mit einer Karosserie eines historischen Formel-Renners von John Cooper. In den späten 1950er Jahren war John Cooper der erste, der die Motoren von Formel-1-Rennern im Heck verbaute – was sich bis heute durchgesetzt hat.
Hinter dem schmucken Cottage, das Mike Mitte der 1980er Jahre kaufte, gibt es stattliche Freiflächen, die sich bestens für Fußball oder Cricket eignen würden. In dem kleinen Holzhaus plaudert Mike direkt munter los von den ersten Tuningkits, mit denen sein Vater und er den Mini-Modellen einst Beine gemacht haben. „Besonders in Japan waren diese Kits in den 1990ern beliebt, denn dort wurde auf einmal der Mini Cooper vom Markt genommen und die Leute wollten mehr Leistung als im normalen Mini“, erinnert sich Mike, „wir haben für 600 britische Pfund dann unsere Kits mit neuer Ansaugbrücke, Luftfilter und Auspuff angeboten. Weil es Probleme mit dem Zoll gab, habe ich mir einen Schreiner hier im Ort gesucht und der hat uns schöne Kisten gebaut, in die wir die Teile verpackt haben.“ Rover, seinerzeit Inhaber von Mini, hatte jedoch zunächst keinerlei Interesse daran, die Kits zu vertreiben und so wandten sich die Coopers über persönliche Kontakte an Jaguar-Importeure, die die Kits nach Japan bringen sollte. „Als Rover dann mitbekam, dass bereits die erste Bestellung 1.000 Tuning Kits umfasste, wollte man dann doch und hat auch noch die Werksgarantie übernommen.“

John Cooper machte den Mini-Modellen in den 1960er Jahren mächtig Beine und brachte die Issigonis-Flitzer auf die Siegertreppchen von Rallyes wie der Monte Carlo. Über die Jahrzehnte wollten immer mehr Mini-Fans den motorsportlichen Vitaminschub für das hauseigene Modell. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die Cooper Garage baut mit Neuteilen historische Mini-Modelle neu auf – bis zu 140 PS stark und 100.000 Euro teuer. Die Tuningfirma John Cooper Works wurde 2007 von BMW für die sportlichsten aller Mini-Modelle erworben. Charlie Cooper, Enkel von John Cooper, ist so Mini-verrückt wie sein Vater und sein Großvater. In einer der Garagen steht ein schwarzer Classic Mini, mit dem er den Geschwindigkeitsrekord in Goodwood für die Klasse hält – rund 200 km/h.
Mike Cooper schärfte mit ersten Tuning-Kits auch die erste Generation des New Mini nach, der Anfang der 2000er Jahre, übrig geblieben aus der Rover-Übernahme, neu aufgelegt wurde. Zuerst bekam der müde Mini Cooper eine Leistungsspritze, bevor mit dem sportlicheren Cooper S der Durchbruch gelang. Der 125 kW / 170 PS starke Vierzylinder-Kompressor mit dem heulenden Klang eignete sich prächtig für eine Leistungsspritze. „Wir haben unsere Tuning-Kits prächtig verkauft, die die Leistung nicht allein auf 207 PS steigerten, sondern insbesondere mehr Auspuffsound in die Umgebung tönten. So wurde die Cooper Garage in Rekordzeit zu dem, was die M GmbH für BMW oder AMG für Mercedes war: die hauseigene Sportabteilung mit langer Leine, typisch britisch und innovativer denn je. Da bei der M GmbH Anfang der 2000er niemand die Mini-Modelle auf dem Plan hatte, holten die Bayern Mike Cooper ins Boot und feierten den ersten Mini Cooper S by John Cooper Works.

Seit Jahren wird bei den Coopers im Süden Englands mit jeder neuen Generation eifrig experimentiert; so wie es einst John Cooper tat. Der hätte beinahe sogar Audi mit seiner Quattro-Technik ein Schnippchen geschlagen, indem er in den späten 1960er Jahren dem Classic Mini zwei Motoren an Vorder- und Hinterachse einbaute. „Der Wagen war schwierig zu fahren, denn es gab zwei Kupplungspedale und eine doppelte Schaltung“, erinnert sich Mike Cooper, „auf der Rennstrecke war der Allrad-Mini zu träge und langsam, aber auf der Rallyepiste war es einfach unglaublich, wie sich die bessere Traktion bemerkbar machte.“ Doch als sich John Cooper durch eine gebrochene Hinterachsaufhängung bei einer Erprobungstour mehrfach überschlug und schwer verletzte, wurde das Projekt des Quattro-Mini beendet – der Rest ist Geschichte.
So sehr auto- und speziell Mini-verrückt die Coopers auch sind – die eigenen Fuhrparks beherbergen nicht allein sportliche Mini-Modelle aus den verschiedenen Jahrzehnten, sondern auch Fremdfabrikate. „Die perfekte Kombination im Alltag ist für mich ein Porsche 992 Carrera und ein Mini John Cooper Works“, lacht Mike Cooper und zeigt aus dem Fenster auf seinen neuen VW ID Buzz, den er – elektrisch angetrieben – ebenfalls heiß und innig als Transporter liebt, obschon dieser mit Hänger die Fahrt zu Autorennen in der Region nicht ohne Nachladen schafft. Wohin es für Mini und der John Cooper Works Familie mit den neuen Elektroversionen geht, wissen weder Mike noch Charlie Cooper, doch „John Cooper Works ist einfach Rennsport; ganz wie es mein Vater und Großvater gesehen hätte. Auch elektrisch.“













