KGM Torres Hybrid

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VonWolfgang Gomoll

2. Oktober 2025

Kein Speedkletterer

Der KGM Torres Hybrid kommt kantig daher, ist aber ein SUV für den Alltag und nicht für den knallharten Offroad-Einsatz. Der Koreaner punktet mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und viel Platz, hat aber Schwächen beim Infotainment und bei der Materialauswahl im Innenraum.

Der Name „Torres“ verspricht große Berge und endlose Weite. Wie gemacht für ein SUV. Schließlich ist Torres del Paine ein Nationalpark in Patagonien (Chile), der für seine zerklüfteten Berge bekannt ist. Doch ganz so ein harter Hund ist der KGM Torres Hybrid mit seinem Vorderradantrieb nicht. Im Alltag steht er morgens zwischen Familienkutschen und Dienst-Golfs, obwohl sein Auftritt eher „Basislager“ als „Baumarkt“ verspricht. Die Frage lautet nun: Wie viel Abenteuer steckt wirklich im neuen Vollhybriden?

Um diese Frage zu beantworten, lohnt ein Blick unter die Motorhaube. Dort arbeitet ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit 110 kW / 150 PS zusammen mit einer E-Maschine, die 130 kW / 177 PS beisteuert. Also doch ein Gipfelstürmer? Nicht ganz! Unterm Strich stehen nämlich lediglich 150 kW / 204 PS und ein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern. Gut genug, um aus dem Stand einigermaßen flott auf Landstraßentempo zu beschleunigen. Bei 180 km/h ist jedoch Schluss. Das DHT-Hybridgetriebe wechselt automatisch zwischen seriellem, parallelem und Mischbetrieb. Kurz fährt der Torres sogar rein elektrisch – bis zu 100 km/h. Die Energie dafür kommt von einer 1,83-Kilowattstunden-Batterie.

Dass E-Komponente das Kommando hat, merkt man, so lange man es entspannt angehen lässt. Auch Überholvorgänge sind keine große Herausforderung. Will man den Torres mit dem Gaspedal komplett aus der Reserve locken, mault der Vierzylinder etwas unwirsch, aber die entsprechende Reaktion bleibt aus. Das passt zum komfortbetonten Auftritt des 4,70 Meter langen SUVs. Zumal auch die Vorderreifen schnell jaulend um Traktion betteln. Eben kein Speedkletterer, aber ein Bergführer, der die Gruppe sicher zum Gipfel bringt. Dazu passt auch das Fahrwerk, dass aber harmonischer auf Bodenunebenheiten reagiert, als das beim technischen Bruder Musso EV der Fall ist. Der Verbrauch pendelte sich nach unserer Testfahrt, die auch über Autobahnen führte, bei 7,8 l/100 ein. KGM gibt 6,1 l/100 km an.

Im Interieur fallen die Hartplastikelemente in den Türen sowie im unteren Sichtbereich auf. Die Verarbeitung ist gut und manche Oberflächen sind genarbt. Hinzu kommt der Einstiegspreis von 39.390 Euro. Dafür gibt es bereits Sitzheizung, DAB+-Empfang, Klimaautomatik und Keyless-Go. Bei unserem Testwagen in der Lux-Ausstattung für 45.890 Euro sind unter anderem 20-Zoll-Pneus montiert; die Heckklappe lässt sich elektrisch öffnen und schließen, und die Bezüge bestehen aus echtem Leder. Manche werden denken: „Etwas oldschool.“ Dazu passen auch die Lenkradtasten, des bei weitem nicht so unförmigen Volants wie das beim Technikbruder Musso EV der Fall ist. Das war es dann aber auch schon im Großen und Ganzen mit den „echten“ Knöpfen.

Im Cockpit dominieren die beiden 12,3-Zoll-Displays. Damit folgt der Torres dem Zeitgeist. Nach kurzer Zeit findet man sich in den Menüs zurecht, allerdings könnten die Reaktionszeiten etwas schneller sein. Auch die Anmutung des Navigationssystems stammt nicht zwingend aus dem Silicon Valley des Jahres 2025. Da ist es beruhigend zu wissen, dass sich das eigene Smartphone per Apple CarPlay oder Android Auto in das Infotainmentsystem einbinden lässt. Irgendwie passt es ins Bild, dass dies nur per Kabel möglich ist. Für uns ist diese vermeintliche Einschränkung kein großer Verlust, da wir ohnehin keine Freunde des induktiven Ladens sind. Stichwort: Erwärmung des Akkus.

Das große Pfund, mit dem der Torres Hybrid wuchert, ist das Platzangebot. Bei einer Länge von 4,71 Metern und einem Radstand von 2,68 Metern ist klar, dass er kein rollendes Folterwerkzeug für Klaustrophobiker ist. Vorne und hinten hat man auch mit einer Körpergröße von 1,85 Metern genug Platz. Diese Raumopulenz geht jedoch nicht zu Lasten des Kofferraums. Mit 703 bis 1.662 Litern und einem versteckten Fach unter dem Ladeboden passt eine große Camping- und Outdoor-Ausrüstung in das Gepäckabteil. Ein weiteres Argument für den rustikalen Koreaner. Zumal der Einstiegspreis messerscharf kalkuliert ist und unter dem des Toyota RAV4 Hybrid liegt sowie in etwa gleichauf mit dem des Hyundai Tucson Hybrid. Allerdings bietet der KGM eine umfangreiche Serienausstattung.

Oder anders gesagt: Der Torres Hybrid ist nichts für Menschen, die jeden Sonntag die Nordschleife unsicher machen wollen. Er ist gemacht für Familien, Vielfahrer und Pragmatiker, die viel Platz, solide Technik und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis suchen. Seine Stärken liegen im Raumangebot, im Komfort, in der Effizienz und im Preis. Etwas weniger überzeugend sind die Materialien, die Reifenabstimmung und die verhaltene Dynamik.

Datenblatt KGM Torres Hybrid

  • Typ: SUV
  • Motor: Vierzylinder-Benziner
  • Hubraum (cm3): 1.498
  • Leistung in PS (kW) bei U/min-1: 204 (150) bei 5.500
  • Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1: 300
  • Höchstgeschwindigkeit (km/h): 180
  • Getriebe: Hybridgetriebe DHT
  • Antrieb: Vorderradantrieb
  • Treibstoffsorte: Super
  • Tank (L): 50
  • Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km): 6,1
  • CO2-Ausstoß (g/km): 139
  • Gewicht, Herstellerangabe (kg): 1.670
  • max. Zuladung (kg): 580
  • Abmessungen (L/B/H): 4.705 / 1.890 / 1.710 (L/B/H)
  • max. Ladevolumen (L): 703 bis 1.662
  • Preis (Euro): 45.890
  • Basismodell (Euro): 39.390
  • Abgasnorm: Euro 6e-bis

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