Dynamischer Neustart
Opel wird wieder sportlich – zumindest schrittweise. Buchstabenkombinationen wie GTE, GSi oder OPC machten die Rüsselsheimer einst zur sportlichsten Volumenmarke Deutschlands. An diese Historie will Opel nach Jahren der dynamischen Abstinenz wieder anknüpfen. Der erste Schritt mit dem elektrischen Mokka GSE ist vielversprechend.
Nein, nicht Corsa oder Astra, sondern der Opel Mokka ist seit Jahren das Herz der Marke mit dem Blitz. Nach der Übernahme durch den Stellantis Konzern war es mit der Sportlichkeit lange Zeit jedoch nicht weit her, denn die Modelle Corsa, Astra oder Insignia konzentrierten sich auf das Brot-und-Butter-Geschäft, um neue Kostenstrukturen zu straffen. Dabei blieb die Sportlichkeit weitgehend auf der Strecke und nicht allein Opel-Fans bedauerten die Streichung von Vitaminkürzeln wie GSE / GTE, GSi oder OPC, die einst für imposante Fahrleistungen zum bezahlbaren Preis standen. Der überarbeitete Opel Mokka GSE bringt in der Elektroversion Sportlichkeit und Kurvenhatz zurück in die Palette, denn an der Vorderachse arbeitet nunmehr ein Elektromotor mit 207 kW / 281 PS und 345 Nm Drehmoment.

Keine Frage, angesichts der immer stärker werdenden Modellen mit geradezu beängstigenden Beschleunigungswerten wäre ein noch imposanterer Leistungsnachschlag und insbesondere ein Allradantrieb wie ihn die vorherige Mokka-Generation noch in sich trug, wünschenswert. Doch dessen Abstinenz ist kein Grund, den Mokka GSE nicht zu feiern. Die Fahrleistungen machen mit 0 auf Tempo 100 in 5,9 Sekunden schon einmal gute Laune, auch wenn für eine echte Sportversion die allzu früh abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h enttäuschend ist. Einst donnerten OPC-Sportversionen von Corsa, Astra und Insignia locker Richtung 250 km/h oder gar darüber. Ganz nebenbei sind alle Verbrenner-Versionen des Mokka mit gerade einmal 130, 136 oder 156 PS immerhin 203 bis 209 km/h schnell. Das passt nicht.
Doch wer ein paar Kilometer mit dem frontgetriebenen Mokka GSE unterwegs ist, wird die Sportlichkeit kaum anzweifeln und fährt wohl den besten Opel der vergangenen Jahre. Das stramme Fahrwerk und präzise Lenkung präsentieren sich fein abgestimmt, sorgen für gute Laune beim Fahrer und lassen in den Hintergrund treten, dass es sich um eine Elektroversion handelt. Der GSE-Mokka macht mehr als gute Laune, überspielt seinen Antrieb gekonnt und bietet abseits der reinen Fahrleistungen jenes dynamische Fahrgefühl, das über Jahrzehnte die Opel-Anhänger begeisterte. Die Lenkung ist präzise und so lässt sich das aktuell flotteste Elektromodell der Rüsselsheimer flott über kurvige Landstraßen bewegen. Dass immer wieder die Regelelektronik eingreifen muss, daran gewöhnt man sich schnell. Trotzdem würde dem GSE ein mitarbeitender Antrieb an der Hinterachse gut tun. Die Federung ist straff, niemals hart und dabei auch bei rumpeliger Fahrbahn nicht nervig. Eine variable Dämpferverstellung braucht bei dem mindestens 47.300 Euro teuren Kompakt-Crossover niemand – insbesondere nicht, wenn die Abstimmung so gut passt. Die verschiedenen Fahrprogramm verändert Regelelektronik und Lenkung während sich auf dem zentralen Bildschirm Sportanzeigen mit zweifelhaftem Sinn in Szene setzen. Viele Kunden werden das mögen.

Dabei hat der Verzicht auf den Allradantrieb zumindest einen kleinen, positiven Nebenaspekt: das Leergewicht des Mokka GSE liegt bei knapp 1.700 Kilogramm und damit deutlich weniger als einigen Wettbewerbern, die jedoch auch länger sind. Ein paar Kilogramm mehr hätten allerdings auch einen größeren Akku bedeutet, denn das 54 kWh große Batteriepaket ist alternativlos und gerade bei kalten oder sehr warmen Temperaturen kann die versprochene Reichweite von ohnehin sehr überschaubaren 336 Kilometern spürbar unter die 300er-Marke schrumpfen. Das Ladetempo: schlappe 100 kW.
Der Innenraum präsentiert sich im aktuellen Opel-Look. Durchaus puristisch, allemal wertig, jedoch mit allerhand Hartplastik, was für ein Fahrzeug der 50.000-Euro-Liga schmerzlich ist. Das gilt auch für die Serienausstattung, denn die ist für ein Topmodell eher mäßig. Die wohl konturierten Sportsitze mit Alcantara-Einlagen sind nur manuell zu verstellen, echte Ledersitze fehlen ebenso wie ein Sitzheizung im Fond, die Wettbewerber oft sogar in den unten Klassen anbieten. Doch in Sachen Ausstattung hat der geneigte Interessent allein die Möglichkeit, die Farbe sowie Kontrastelemente auf Haube und Dach zu wählen. Nichts zu sagen lässt sich gegen das Platzangebot, denn für einen gerade einmal 4,15 Meter langen Elektro-SUV istz vorne wie hinten genügend Raum für Nutzungen aller Art. Der Laderaum: 310 – 1.060 Liter – leider ohne eine elektrische Heckklappe. Mal schauen, wen Opel als nächstes mit dem GSE-Sportabzeichen adelt.

Technische Daten: Opel Mokka GSE
- Motor: Elektro, vorn
- Leistung: 207 kW / 281 PS
- Max. Drehmoment: 354 Nm
- Beschleunigung 0 – 100 km/h: 5,9 Sekunden
- Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
- Antrieb: Front
- Normverbrauch: 18,5 kWh / 100 km
- Leergewicht: 1672 kg / 388 kg Zuladung
- Reichweite: 336 km
- Ladegeschwindigkeit: 100 kW
- Preis: ab 47.300 Euro










