Porsche Sonderwunsch-Programm

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VonStefan Grundhoff

25. November 2025

Mitarbeiter auf Zeit

Immer weniger Autofans wollen ein dröges Fahrzeug von der Stange. Selbst kleine Editionen, außergewöhnliche Farben und Individualisierungen reichen vielen nicht mehr aus. Im Sonderwunschprogramm von Porsche ist der Kunde nicht nur König, sondern auch Mitarbeiter auf Zeit.

Aller Abschied fällt schwer und das gilt insbesondere für den Mitarbeiterausweis, denn der ist jetzt Geschichte. Zwei Jahre lang ging es für Phillip Sarofim, Gründer von Trousdale Venture, alle paar Wochen aus Los Angeles nach Zuffenhausen zum Projekttag. Bei der Einlasskontrolle hielt der Autosammler seinen Mitarbeiterausweis kurz vor das Lesegerät und trat ein – in die geheimen Entwicklungsbüros von Porsche. Der Auftrag war spannend – einzigartig. Ein Projekt, wie es Porsche noch nicht erlebt hat, denn der Amerikaner hielt die Sonderwunschabteilung der Schwaben ganz schön auf Trab. Hat das Team rund um Alexander Fabig sonst alle Hände voll damit zu tun, bestens betuchten Kunden von Carrera GT und 918 Spyder ihre exklusiven Sonderwünsche zu erfüllen, so war diesmal alles anders. Phillip Sarofim liebte seinen Cayenne GTS der ersten Generation aus dem Jahre 2009 so sehr, dass er ihn neu beleben wollte – und wie. Trotz über 80.000 gefahrenen Kilometern. 

Zwei Jahre lang wurde an dem E1-GTS gewerkelt und geschraubt, abgestimmt und nachjustiert. Die Übergabe beim Festival Icons of Porsche, ein ebenso bunter wie PS-starker Fantreff im Design District von Dubai war der perfekte Abschluss – zumindest für den 39jährigen Phillip Sarofim. Der dunkelgrüne Cayenne GTS steht mit seinen Offrad-Pneus auf Serienfelgen und mächtigen Anhängerkupplung im warmen Sand – dahinter die illuminierte Skyline nebst Burj Khalifa – das Bild ist fast surreal und Sarofim strahlt: „Der Look des 911 Spirit 70 hat mich nachhaltig beeindruckt und inspiriert. Solche 1970er-Jahre-Vibes wollte ich unbedingt auch für meinen Cayenne.“ Dabei begeistert sich Sarofim nicht allein für Porsche-Modelle oder seine Fliegerei, sondern auch für die Buggy-Firma Meyers Manx, die seinem Konzern gehört. 

Eine ungewöhnliche Aufgabe für Alexander Fabig, Leiter Individualisierung und Classic bei Porsche: „Bisher haben wir solch aufwendigen Factory Re-Commission-Projekte hauptsächlich für klassische Porsche oder für Raritäten wie den Carrera GT durchgeführt. Dass wir jetzt einen 16 Jahre alten Cayenne wieder in den Neuwagenzustand versetzt und ein absolutes Einzelstück daraus gemacht haben, zeigt, wie vielfältig die Träume von Porsche-Enthusiasten sind.“ Alexander Fabig leitet ein Team von mehr als 150 Personen, die sich mit allen möglichen Extrawünschen der Kunden beschäftigen. Mal geht es um eine besonders ausgefallene Lackierung oder besondere Bezugsstoffe auf den Sitzen, mal sind es Projekte wie der grüne Cayenne GTS oder der gelbe Porsche 993 Speedster von Luca Trazzi. Anders als bei 964 oder 991 gab es vom 911er der Generation 993 keinen Speedster von der Stange. Die Sonderwunschabteilung von Porsche setzte dieses Projekt jedoch um. Trazzi besaß bereits sieben Speedster und wollte auch einen entsprechenden 993. Der Italiener hat sich als Designer formschöner Kaffeemaschinen einen Namen gemacht. Die Tatsache, dass Lucca Trazzi selbst Designer ist, machte die Sache für die Zuffenhausener Unikatsspezialisten nicht einfacher. Prompt rückte der Italiener zum ersten Treffen mit einem Buch voller Ideen und Skizzen an, wie denn sein Speedster aussehen sollte. So viel Engagement ist sogar erwünscht. „Wir haben uns schon sehr intensiv ausgetauscht und diskutiert“, erzählt Porsche-Designer Glen Larson. Allerdings gilt auch in der Sonderwunsch-Abteilung eine Vorgabe: die DNA des 911ers darf nicht verwässert werden. Deswegen geht jedes Auto, bevor es gebaut wird, über den Tisch des Porsche-Chefdesigners Michael Mauer. 

„Der Entwurf sollte die Stilelemente aller bisherigen Speedster-Modelle vereinen“, erklärt Lucca Trazzi, der den Entstehungsprozess auf Schritt und Tritt begleitete und dafür immer wieder in Zuffenhausen vorbeischaute. Die Königsaufgabe bei jedem Speedster ist die Heckabdeckung, die Luca Trazzi selbst entworfen hat. „Die Inspiration war das Heck des Porsche 997“, erzählt der Italiener stolz. Der gelbe Lack, ist nicht zufällig gewählt, genauso wenig wie der Name „Otto-Yellow“. Gelb ist Trazzis Lieblingsfarbe und der Otto der Name seines Hundes. Der Wert des Einzelstücks: mehr als eine Million Euro.

Den Auftakt zum Sonderwunsch-Programm bildete 2021 Paolo Barilla, Le-Mans-Gesamtsieger von 1985 auf einem privat eingesetzten Porsche 956. Anlässlich seines 60. Geburtstages entschied sich der italienische Unternehmer dazu, angelehnt an sein Le-Mans-Siegerfahrzeug einen höchst individuellen Porsche 911 GT3 zu entwerfen. Neben dem Renndesign in gelb, weiß und schwarz trägt der 992 die Startnummer 7 seines siegreichen 956 auf Haube und Türen. Details wie Heckflügel oder Schalthebel wurden ebenfalls neu entwickelt. „In den Achtzigern hatte ich die Gelegenheit, einen wundervollen Porsche 956 zu fahren“, erzählt Paolo Barilla, „die Neuinterpretation einiger Elemente in einem aktuellen 911 GT3 macht diese Erinnerung lebendig und aufregend. Nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen, die mir nahestehen.“

„95 Prozent unserer Anfragen betreffen die Sportwagen“, lächelt Alexander Fabig, „deshalb war das Projekt mit dem Cayenne E1 auch so spannend für uns.“ Wer ein ähnliches Projekt in Auftrag geben will, braucht allerdings einen langen Atem. Die Wartezeit liegt bei bis zu acht Jahren. „Bei uns laufen parallel eine Handvoll dieser sehr umfangreichen Themen, die sehr zeitaufwendig sind“, erläutert Fabig, „die Nachfrage ist groß. Wir sind gerade dabei die Kapazitäten zu schaffen, damit sich die Wartezeit verkürzt.“ Gerade heiß im Trend: der Porsche Carrera GT mit seinem einzigartigen Zehnzylinder. Die meisten Kunden, die diesen Supersportwagen auf Neuwagenzustand gebracht haben wollen, sind übrigens Zweitbesitzer. 

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