Verbrennerverbot wird einkassiert
Wie eine Reihe von Medien – angeführt von der Bild-Zeitung – berichten, ist das an sich für das Jahr 2035 beschlossene Verbrennerverbot vom Tisch. Die Kunde hätte dann über das Jahr 2035 die Wahl, wie sein neues Auto angetrieben wird. Industrie und Politik zeigen sich gleichermaßen erleistert.
Am Ende war der Druck einzelner Industrienationen dann wohl doch zu groß geworden. Nicht allein Nationen wie Deutschland oder Italien hatten sich mit ihren Regierungschefs in den vergangenen Monaten immer lauter dafür eingesetzt, das Verbrennerverbot wieder einzukassieren. Insbesondere der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatten darauf gepocht, Verbrenner über das Jahr 2035 nicht komplett zu verbannen. Auch die Autoindustrie hatte weitgehend einhellig immer lauter darauf verwiesen, dass eine Durchsetzung des für 2035 beschlossenen Verbots von Pkw mit Verbrennungsmotor zum Verlust von zehntausenden von Arbeitsplätzen führen würden.

Jetzt hat sich – wie man es nunmehr hört – die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit dem Vorsitzender EVP Manfred Weber als größte Gruppierung des Brüsseler Parlaments auf eine neue, deutlich abgeschwächte Regelung geeinigt, die das Aus vom Verbrenner-Aus bedeuten würde. Der europäische Ableger von CDU / CSU hatte seit langem den Rücktritt vom im März 2023 unter anderen Mehrheiten beschlossenen Verbrenner-Aus gefordert. Details zur neuen Regelung sollen jedoch erst Mitte kommender Woche verkündet werden. Die Entscheidung, effiziente Verbrenner in Neufahrzeugen ab 2035 nunmehr doch nicht von den europäischen Straßen zu verbannen, dürfte bei allem politischen Druck jedoch nicht allein an den mittel- und nordeuropäischen Staaten gelegen haben. Vielmehr hatten die meisten Regierungen der Länder in Süd- und Osteuropa darauf hingewiesen, dass die Infrastruktur für einen kompletten Umstieg in die Elektromobilität in den kommenden neun Jahren nicht bereit sei und die Kunden in vielen dieser Länder sich die neuen Elektrofahrzeuge schlicht nicht leisten würden können. Auch wenn die Preise der immer kleiner werden Elektromodelle mittlerweile langsam unter die 25.000-Euro-Grenze fallen, kaufen gerade in Ländern wie Griechenland, Spanien, Portugal oder Italien Kunden bevorzugt Neufahrzeuge, die unter 20.000 Euro kosten.

Die meisten einflussreichsten CEO der europäischen Autoindustrie hatten sich ebenfalls klar für eine Antriebsoffenheit positioniert, um die weltweit unverändert beliebten Verbrenner – egal ob Benziner oder Diesel – nicht allein in Europa zu verbannen und so technischen Fortschritt gerade auch gegenüber China und den USA aufzugeben. „Entscheidend ist nun, dass Europa die Ziele für 2030 und 2035 überdenkt. Ein Enddatum für eine bestimmte, erfolgreiche Technologie zu setzen, würde zu einem massiven Schrumpfen der gesamten Industrie führen“, unterstreicht der scheidende BMW-Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse, „das würde nicht nur der europäischen Industrie schaden, sondern außerdem auch Abhängigkeiten schaffen, die in der aktuellen geopolitischen Dynamik problematisch sind.“
Auch bei Mercedes ist man erleichtert, dass das europäische Verbrenner-Aus in 2035 nunmehr vom Tisch zu sein scheint. Die ehemals rein elektrisch geplanten neuen Modelle CLA und GLB wurden im Rahmen der jahrlangen Entwicklung nunmehr auch als hybride Verbrenner aufgesetzt. „Mit Vorstellung der Hightech-Hybridvarianten haben Kunden jetzt noch mehr Flexibilität bei der Wahl des CLA, der am besten zu ihrem Lebensstil passt“, sagt Mercedes-Vertriebsvorstand Mathias Geisen. Bei den Kunden werden die reinen Elektrofahrzeuge immer beliebter, doch die Verbrenner haben nach wie vor die größte Nachfrage. Im vergangenen Monat November lag ihr Verkaufsanteil in Deutschland durch die rund 55.000 Fahrzeuge bei 22,2 Prozent und damit deutlich unter den knapp 104.000 Hybridfahrzeugen (41,2 Prozent) und über den separat ausgewiesenen Plug-in-Hybriden mit 12,9 Prozent (33.433 Fahrzeuge).



