Ein außergewöhnliches Gefühl
Der Amalfi, Ferraris neues Coupé mit Frontmittelmotor, ist ein Einstiegsmodell der völlig anderen Art. Der wunderbar sportliche Gran Turismo setzt auf ein erfrischend einfaches Konzept und begeistert damit wohl jeden hinter seinem Steuer.
Das Design des Roma-Nachfolgers entwickelt die klare, skulpturale Linienführung des Roma weiter. Weniger Linien, mehr Fläche. Die Frontpartie wirkt aufgeräumt und technisch, ohne unnötigen Schnickschnack, während das Heck die Rückleuchten in klaren, grafischen Linien über einem funktionalen Diffusor verbirgt. Er wirkt modern und souverän, nicht theatralisch – ganz im Sinne des Charakters. Während ein 3,9-Liter-V8-Biturbo unter der langen Haube bollert, sorgt das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe mit seiner heckgetriebene Balance für ein puristisches Fahrerlebnis ohne jede Ablenkung. Herzstück des Amalfi ist die neueste Evolutionsstufe des Triebwerks mit der internen Bezeichnung F154-V8. Das doppelte Zylinderquartett leistet 471 kW / 640 PS bei 7.500 U/min und erreicht kaum darüber seine Drehzahlbegrenzung von 7.600 U/min. Damit beschleunigt der Norditaliener in 3,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und in 9,0 Sekunden von 0 auf 200 km/h. Ferrari gibt ein erstklassiges Leistungsgewicht von 2,29 kg pro PS an. Bei der Fahrt spüren die Insassen die kraftvolle Beschleunigung des Amalfi: messerscharfe Gasannahme, sauberes Ansprechverhalten und Hochschaltungen, die in einen noch stärkeren Drehmomentbereich katapultieren. Auf Wunsch bis Tempo 320. Der Normverbrauch: 11,2 Liter auf 100 Kilometer.

Sein Doppelkupplungsgetriebe ist ein wahres Highlight. Die Schaltvorgänge erfolgen blitzschnell; falls der serienmäßige Ruck bei aggressiven Hochschaltungen etwas übertrieben wirkt, sorgt auf Knopfdruck eine sanftere Kennlinie für Abhilfe. Turbosteuerung und -kalibrierung lassen diese Leistungswerte natürlicher bei vielen anderen Aufladern wirken. Das Technikpaket im 4,66 Meter langen Ferrari Amalfi bietet zudem eine unabhängige Turbodrehzahlregelung für jede Zylinderbank, höhere maximale Turbodrehzahl und eine präzise Ladedruckmessung helfen dem Motor, aus niedrigen Drehzahlen heraus kraftvoll zu beschleunigen und bis in den oberen Drehzahlbereich in den automobilen Himmel durchzustarten. Die Kurbelwelle mit flacher Kurbelwelle und die gleichlangen Ansaugwege sorgen für ein präzises Ansprechverhalten und einen kernigen Klang bei steigender Drehzahl. Hält man einen Gang, belohnt der rund 250.000 Euro teure Amalfi mit Durchzugskraft und einem Sound, der bis zum Drehzahlbegrenzer anwächst.
Die Fahrwerksabstimmung des 1,6 Tonnen schweren Ferrari überzeugt vom ersten Kilometer an – perfekt für ein solches Coupé. Lenkung und Bedienelemente fühlen sich typisch Ferrari an: direkt, präzise und dabei niemals hektisch. Die sogenannte Side Slip Control 6.1 verbindet elektronisches Differenzial, Drehmomentmanagement und Bremskontrolle für eine ebenso souveräne wie spielerische Balance. Die Vorderachse greift schnell ein, das Rad erhält eine beruhigende Gewichtsverteilung leicht außerhalb der Mittellage, und in seinen verschiedenen Manettino-Modi atmet das Heck frei, ohne Geist und Fahrer zu blockieren. ABS Evo, das mit einem 6D-Sensor die tatsächliche Fahrzeuggeschwindigkeit und den optimalen Reifenschlupf ermittelt, sorgt für präzise Bremsvorgänge auf gemischten Fahrbahnoberflächen und erhöht die Stabilität auf unebenen Straßen. Lediglich das Brake-by-Wire-System erfordert eine kurze Eingewöhnungszeit.

Das Pedalgefühl ist konstant, sobald man den anfänglichen Druckpunkt verinnerlicht hat, und die Dosierung geht schnell in Fleisch und Blut über. Im Alltag erweist sich der Bumpy Road Mode als bewährter Ferrari-Trick für holprige Straßen, während das Anheben der Fahrzeugfront über hohe Bodenwellen oder an Garageneinfahrten seine Vorteile beweist. Die Aerodynamik ist elegant integriert und nicht aufdringlich. Unterbodenverkleidungen reduzieren den Luftwiderstand, Bodenblech und Diffusor minimieren die Verwirbelungen, und ein integrierter Heckflügel wechselt zwischen Einstellungen für geringen Luftwiderstand und höheren Anpressdruck, um das Fahrzeug auch bei hohen Geschwindigkeiten ruhig und unauffällig zu halten. Der Effekt ist simpel: Der Amalfi bleibt auch bei zunehmender Seitenkraft stabil, ohne dass ein Aufbäumen die präzise Lenkung zunichtemacht.
Im Innenraum hat Ferrari die größten Kritikpunkte behoben. Das Lenkrad verfügt endlich über physische Tasten, darunter einen echten Startknopf aus Aluminium. Das Bildschirm-Trio kombiniert ein 15,6-Zoll-Fahrerdisplay mit einem 10,25-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole und einem zu vernachlässigenden 8,8-Zoll-Beifahrerdisplay. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig, und der elegant gefräste Aluminium-Mitteltunnel beherbergt Ladegerät und Bedienelemente. Die Materialien wirken hochwertig und sind vorbildlich verarbeitet. Dem potenziellen Klientel angemessen wird nur eine Sitzvariante angeboten; stärkere Seitenwangen wären für sportliche Fahrten wünschenswert, doch Sitzheizung, -belüftung und Massagefunktion sorgen für entspannte Fahrten. Die Rücksitze eignen sich nicht für Personen, sondern eher für Gepäck und Jacken – ganz nach Gusto, denn die 273 Liter Laderaum sind nicht viel.

Technische Daten: Ferrari Amalfi
- Motor: V8 mit Turboaufladung
- Hubraum: 3855 ccm
- Leistung: 471 kW / 640 PS
- Max. Drehmoment: 760 Nm ab 3.000 U/min
- Höchstgeschwindigkeit: 320 km/h
- Beschleunigung 0 – 100 km/h: 3,3 Sekunden
- Normverbrauch: 11,2 Liter / 100 km / 254 g CO2
- Antrieb: Heck
- Getriebe: Achtgang-Doppelkupplung
- Leergewicht: ca. 1.600 kg
- Laderaum: 273 Liter
- Preis: ca. 250.000 Euro
















