Brüssel Motorshow 2026

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VonWolfgang Gomoll

9. Januar 2026

Dornröschen-Kuss

Die Brüssel Motorshow etabliert sich zunehmend als europäischer Jahresauftakt. Hinter dem Comeback der Automobilmesse stecken jedoch handfeste Gründe. 

Brüssel im Januar. Es gibt sicher pittoreskere Orte als die belgische Hauptstadt und die Brussels Expo. Warum sind dennoch viele Automobilhersteller an diesem grauen Januartag im Messezentrum auf der Brüssel Motor Show vertreten und nicht auf der Hightech-Messe CES in der Glücksspielmetropole Las Vegas? Noch vor ein paar Jahren war das Benelux-Auto-Stelldichein eher eine viertklassige Veranstaltung. Als Audi sein Werk in der Region schloss, schien dies der letzte Sargnagel für die Automesse zu sein – und damit das endgültige Aus für eine Traditionsveranstaltung. Immerhin fand die erste Brüsseler Motorshow bereits 1902 statt. Doch diese goldenen Zeiten waren nur noch eine Erinnerung auf vergilbtem Papier.

Was sind also die Gründe für das Aufblühen des Veranstaltungs-Nachtschattengewächses am Place de Belgique 1? Eine Antwort ist einfach: Business. Im Gegensatz zum nervösen Treiben und der Reizüberflutung in Nevada geht es in Belgien hauptsächlich um Zahlen. Viele Händler und Flottenkunden sind vertreten und auf der Messe werden Weichen gestellt, Bestellungen getätigt. Vor allem aus den Benelux-Staaten. Hinzu kommt, dass die Branche nach dem Wegbrechen der beiden Messen in Detroit und Genf nach einem Jahresauftakt lechzt, bei dem Kontakte geknüpft und gepflegt werden. Auch wenn die Bedeutung von klassischen Automessen in den letzten Jahren stetig abgenommen hat. Mit wenigen Ausnahmen, wie die Auto China.

Dazu kommt, dass die Budgets der Autobauer immer knapper werden. Das große Tamtam gehört der Vergangenheit an. Es ist schlichtweg zu teuer. Ein weiterer Grund für die Renaissance des automobilen Stelldicheins ist ein ursprünglicher. Auch in Zeiten der Social-Media-Clips sind Autos immer Objekte, die man selbst anschauen und ertasten kann. Schließlich lebt eine Automobilmesse auch vom Publikum und die Brussels Motorshow endet erst am 18. Januar, einem Sonntag. Die Besucher können sich auf einige Neuigkeiten freuen. Insgesamt haben 64 Automobilhersteller und 28 Motorradhersteller den Weg nach Brüssel gefunden. Darunter bekannte Namen wie Audi, BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen, Tesla sowie chinesische Marken, wie BYD, Jaecoo, Omoda und Zeekr.

Toyota, dessen Europazentrale in Brüssel sitzt, lässt sich beim Heimspiel nicht die Butter vom Brot nehmen und stellt den Pick-up Hilux inklusive vollelektrischer Version sowie als Mildhybrid auf den Messestand. Die Premiumtochter Lexus hat mit dem ES Electric sowie dem RZ 550e F-Sport zwei Europapremieren im Gepäck. Mazda kontert mit dem schmucken E-SUV CX-6e. Kia spielt dabei gleich mehrere Karten auf einmal aus: Das vollelektrische neue B-SUV EV2 ist eines der Mess-Highlights. Die GT-Versionen des EV3, EV4 und EV5 bringen etwas Pfeffer in den Auftritt des koreanischen Herstellers. Die Muttermarke Hyundai liefert in Brüssel die praktische Antwort auf die Frage, warum „Elektro“ nicht nur SUV bedeutet: Der Staria Elektro ist die erste vollelektrische Variante der Baureihe.

Auch der Stellantis-Konzern ist beim Europa-Auftakt dabei. Und wie! Der Multimarken-Konzern klotzt mit 5.200 Quadratmetern Standfläche, 62 Fahrzeugen und elf Marken. Darunter zwei Weltpremieren: die Modellpflegen des Opel Astra und des Peugeot 408. Besonders spannend ist die 4,10 Meter kurze Studie Citroën Elo, die bis zu sechs Plätze bietet und auch als „Wohnraum“ genutzt werden kann. Die China-Division Leapmotor präsentiert den elektrischen Crossover B03X (in China A10) auf dem Alten Kontinent. Erstmals zieht der asiatische Autobauer den kompletten Schleier vom B05 und gewährt einen Blick in den Innenraum des Stromers. Fiat zeigt in Europa zum ersten Mal die Familien-Van-Studie Qubo (bis 7 Sitze), der sowohl Diesel- als auch BEV-Optionen bietet. Passend dazu rollt die Blaumann-Tochter Fiat Professional das elektrische Dreirad TR5 für die berühmte letzte Meile an den Start.

Die große Grandezza ist natürlich Alfa Romeo vorbehalten. Die Giulia Quadrifoglio Luna Rossa erhält ein neues, auffälliges Aerodynamikpaket mit Ground-Effect-Anströmung, das den in die Jahre gekommenen Italiener auf den Asphalt saugen soll. Dazu gehören Kohlefaser-Seitenschweller, Unterboden-Elemente und ein Doppel-Heckflügel, dessen Profil an die Foils der America’s-Cup-Yacht „Luna Rossa“ angelehnt ist – num statt Auftrieb Abtrieb zu erzeugen. Ergebnis laut Alfa: 300 km/h Spitze und rund 140 Kilogramm Abtrieb bei Höchsttempo, also etwa das Fünffache der Serien-Quadrifoglio.

Die Edelmarke DS setzt auf Sportlichkeit und verströmt mit der Designstudie Taylor Made N°4 Concept französischen Futurismus. Das Konzeptauto ist eine Melange aus Motorsport, Video-Rennspielen und Pariser Materialkunde: Es verfügt über vier Titan-Anmutungen, Akzente in „Light Gold“ sowie lila Details und die Startnummer 77 als Gruß an den Formel-E-Piloten Taylor Barnard. Passend dazu steht der Formel-E-Bolide DS E-Tense FE25 daneben, flankiert von DS-Performance-Line-Sondermodellen. Jeep spielt mit der Avenger Black Edition die rustikale-Offroad-Karte.

Bei den Chinesen tut sich nicht besonders viel. Lediglich Xpeng feiert die Europapremiere des P7+ und Nio hat eine aufgewertete Version des Fireflys vorrätig. Während BYD die Fülle seiner Produktpalette und sich selbst zelebriert. Aber das könnte sich bald ändern. Denn Brüssel ist auf dem aufsteigenden Ast und dann werden auch asiatische Hersteller mehr Weltpremieren in die belgische Hauptstadt schicken. 

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