Die bessere Wahl
Während in Europa der Dacia Duster sich über den Preis definiert, bringt Renault in Indien einen moderneren und hochwertigeren Duster auf den Markt.
Renault setzt in Indien auf die ganz große Symbolik. Der neue Renault Duster wird am 26. Januar vorgestellt. Dieses Datum markiert das Inkrafttreten der indischen Verfassung im Jahr 1950 und erinnert an ein wichtiges Ereignis in der Geschichte des großen Landes. Aber Moment mal: Renault Duster, das Auto heißt doch Dacia Duster und ist ein Bestseller in Deutschland und Europa. In Indien geht der Duster seit seiner Einführung 2012 unter dem Namen der Markenmutter an den Start. Klar. Renault kennt man auch auf dem Subkontinent. Dacia eher weniger. Dazu kommt: In Indien ist der Duster kein Auto. „Er ist ein Statussymbol. Quasi der Jeep Indiens“, sagt Renaults Vizepräsident Produktperformance Bruno Vanel.

Der Erfolg gibt den Strategen der Rhombus-Marke recht. Vom Duster wurden in den letzten 14 Jahren über 200.000 Exemplare verkauft. In einem Markt, der gnadenlos hart umkämpft ist und in dem Platzhirsche wie der Hyundai Creta und der Kia Seltos ebenfalls um die Gunst der Autofahrer buhlen. Der Duster war eines der ersten kompakten SUV, das in Indien angeboten wurde. Er hat eine ganze Fahrzeugklasse mitbegründet, die heute immerhin rund ein Viertel aller Pkw-Verkäufe ausmacht. Der Trend geht weiter nach oben. Indien wird 2026 mit 1,45 Milliarden Einwohnern und derzeit rund 4,3 Millionen verkauften Autos pro Jahr der drittgrößte Automarkt der Welt sein. Prognosen gehen davon aus, dass bis spätestens 2030 die Sechs-Millionen-Marke geknackt wird. Und: 55 Prozent aller Neuzulassungen sind SUVs. Kleinwagen werden immer weniger nachgefragt.
Der Grund dafür liegt nicht nur in veränderten Kundenwünschen, sondern auch in der indischen Steuerpolitik. Seit September 2025 gilt eine neue GST-Struktur (Goods and Services Tax), die die Autofahrer entlastet (früher waren es bis zu 50 Prozent): Für Autos mit einer Länge von maximal vier Metern und einem Hubraum von maximal 1,2 Litern (Benziner) bzw.1,5 Litern (Diesel) beträgt die Steuer 18 Prozent, für alles darüber 40 Prozent. Deshalb messen viele indische SUVs exakt 3,99 Meter. Oder eben – wie der neue Duster – 4,34 Meter, um sich optisch deutlich von den kleineren Fahrzeugen abzusetzen. Das gilt auch für die Technik. Mit dem in Indien entworfenen und entwickelten Duster setzt Renault genau das um.

Während die spartanische Dacia-Version in Europa in den Schauräumen steht, bekommt Indien ein SUV, das eine Liga höher spielt. Auch optisch. Der Kühlergrill trägt selbstbewusst den Schriftzug „Duster”. Daneben sorgen Voll-LED-Scheinwerfer für eine sichere Fahrt bei Dunkelheit. Beim Euro-Duster gibt es diese nur in höheren Ausstattungsvarianten. Hinten ziert ein durchgehendes LED-Lichtband die Karosserie, das beim europäischen Modell so nicht zu finden ist. Die Front und das Heck sind anders gestaltet. Platz ist genug vorhanden, da das Dach um vier Zentimeter höher ist als beim europäischen Duster. Indien bekommt nicht einfach einen aufgehübschten Dacia – Indien bekommt ein eigenständiges Fahrzeug, bei dem rund 90 Prozent der Teile laut Renault neu entwickelt sind. Auch das Interieur unterscheidet sich deutlich: Wo Europa auf robuste Kunststoffe setzt, polstert Indien mit weicheren Materialien, etwa in den Türverkleidungen und auf dem Armaturenbrett.
Der neue indische Duster basiert auf Renaults CMF-B-Plattform, die auch Kardian und Boreal nutzen. Das ermöglicht auch eine moderne E-Architektur. Das digitale Kombiinstrument misst bis zu 10,25 Zoll (in Europa sind es maximal 7 Zoll) und der zentrale Touchscreen 10,1 Zoll. Die beiden Monitor sind zu einer Einheit zusammengefasst. Das Infotainment bietet Google Maps, Google Assistant und erstmals in einem Renault Googles KI-Assistent Gemini. Der wird im Laufe des Jahres 2026 per Over-the-Air-Update nachgeliefert. Das ist in Indien ein Pfund: Kein anderes kompaktes SUV bietet diese Funktionsfülle. Dazu gehört auch die Zweizonenklimatisierung mit PM2,5-Partikelfilter und Ionisator. Das ist besonders in Metropolen wie Delhi oder Mumbai wichtig, wo die Luftqualität ein Dauerthema ist. Die Sitze sind belüftet und elektrisch verstellbar und bieten dank einer neuen Schaumstruktur mehr Langstreckenkomfort. Das große Panorama-Glasdach garantiert angenehmes Licht im Innenraum. Die Heckklappe öffnet elektrisch. Der Kofferraum fasst 518 Liter. Die im Verhältnis 60:40 umklappbare Rückbank vergrößert das Ladevolumen auf maximal 1.789 Liter. Das Soundsystem von Arkamys passt sich an die Hörpräferenzen des Fahrers an. Auch hier ist klar: Europa hat ein gutes Auto. Indien bekommt ein besseres.

Sicherheit spielt in einem Land wie Indien, in dem viele Unfälle an der Tagesordnung sind, eine große Rolle und ist sicher ein Kaufargument. Der Renault Duster ist mit 17 Fahrassistenzsystemen (ADAS) ausgestattet – eine Neuerung in dieser Fahrzeugklasse in Indien. Dazu gehören ein adaptiver Tempomat mit Start-Stopp-Funktion, ein Spurhalteassistent, eine Spurverlassenswarnung, ein Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, ein Totwinkelwarner, eine Verkehrszeichenerkennung, ein automatisches Fernlicht sowie eine 360-Grad-Kamera mit 3D-Ansicht. Hinzu kommt die „Flank Protection“, eine Funktion, die bei niedriger Geschwindigkeit vor seitlichen Hindernissen warnt.
Zum Marktstart stehen zwei Benziner zur Auswahl: Der Turbo TCe 100, ein Dreizylinder mit einem Liter Hubraum, 74 kW / 100 PS und 160 Newtonmeter Drehmoment, gekoppelt an eine Sechsgang-Handschaltung. Das andere Triebwerk ist der Turbo TCe 160: ein aufgeladener Vierzylinder mit 1,3 Litern Hubraum, 118 kW / 160 PS und 280 Nm Drehmoment der wahlweise mit einer manuellen Schaltung oder einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe erhältlich ist. Der Top-Motor wird der E-Tech Full Hybrid 160 sein, der einige Monate nach der Markteinführung folgt. Auch in Indien spielt der Verbrauch eine immer größere Rolle. Das 1,8-Liter-Vierzylinderaggregat, das nach dem Atkinson-Prinzip arbeitet, wird von zwei Elektromotoren flankiert. Die Schnittstelle ist das bekannte Multimode-Getriebe. Die Systemleistung beträgt 118 kW / 160 PS, die Batterie hat eine Kapazität von 1,4 Kilowattstunden. Im Stadtverkehr soll der Duster bis zu 80 Prozent der Zeit rein elektrisch fahren können und bis zu 40 Prozent weniger Benzin verbrauchen als ein konventioneller Verbrennungsmotor. Das resultiert in einer Gesamtreichweite von bis zu 1.000 Kilometern. Der Preis dürfte zwischen 10 bis 17 Lakh Rupien (umgerechnet 12.000 und 20.000 Euro) liegen.
















