Ein Besuch bei der Studie AG Yokohama

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VonStefan Grundhoff

11. Februar 2026

Patrona Bavariae

Japan und seine kunterbunte Tuningszene kennt in der Autowelt spätestens seit Fast & Furious – Tokyo Drift jeder. Dabei ist es nicht so, dass die dortigen Fans allein auf Heimspieler wie Mitsubishi, Toyota, Nissan oder Mazda stehen. Gerade BMW ist in den Millionenmetropolen begehrter denn je. Keiner ist jedoch so kultig wie Bob Suzuki und seine Studie AG.

Bob Suzuki liebt die deutsche Autoszene. Seine Ausflüge nach Deutschland sind ungezählt. Dutzende Male ging es in den vergangenen Jahrzehnten in die alte Autowelt. Zumeist nach München oder gleich zum Nürburgring, denn der Motorsport ist die alles andere als geheime Leidenschaft von Bob Suzuki. Seit mehr als drei Jahrzehnten betreibt der Inhaber eines Rennstalls in Yokohama das unangefochtene Mekka für BMW-Enthusiasten in ganz Japan. Seine Studie AG ist in einem seelenlosen Gewerbegebiet im Herzen von Yokohama, rund eine Fahrstunde südlich von Tokio beheimatet. Auch wenn in Japan auf die Autobahnen selten mehr als 120 km/h gefahren wird; Tuning hat hier Kultstatus – nicht allein bei BMW, sondern gerade auch den Heimmarken, die hier mehr als ihre Kei-Cars zu bieten haben. Doch die deutschen Marken Audi, BMW, Mercedes oder Porsche haben mit ihren Sportmodellen hier einen Ruf wie Donnerhall.

Ein Ausflug nach Kishinecho mitten in Yokohama kann man sich eigentlich getrost sparen – außer man hat ein blau-weißes Herz und den BMW-Rotor auf der Stirn, denn dann gehen einem bei der Studie AG die Augen über. Nicht allein die Bezeichnung „Studie AG“ an der Fassade erinnert an ein BMW-Autohaus der späten 1990er Jahre. Wer durch die gläserne Tür tritt, blickt auf eine Tuningparallelwelt, die sonst wohl nur am Nürburgring anzutreffen ist. BMW-Modelle, Plakate und Pokale wohin das Auge blickt – zudem erstrahlen überall Schriftzüge deutscher Tuningfirmen, von der Decke weht die Nürburgringfahre und an der Wand strahlt eine Landkarte vom Großraum München. Willkommen bei der Studie AG – eine bayrische Insel der automobilen Glückseligkeit mitten in der Millionenagglomeration von Tokio. Deutsche Kennzeichen, Aufkleber, eine übermächtige Landkarte vom Nürburgring und verschiedenste Renndevotionalien schmücken das Geschäft wie ein automobiler Schrein der besonderen Art. Inklusiv Spielkonsole mit Rennsitzen und Arbeitsplätzen mit kostenlosem WLan – der Zugang lautet wenig überraschend: Autobahn. 

„Bei der Studie AG glauben wir, dass das Kundenerlebnis weit über die Arbeit mit Teilen hinausgeht“, erläutert der freundlich lächelnde Bob, „es geht darum, eine tiefe Verbindung zwischen unseren Kunden und ihren Fahrzeugen zu schaffen.“ Vor 30 Jahren hat der japanische Auto-Nerd seinen Tuningladen mit der ungewöhnlichen Bezeichnung „Studie AG“ eröffnet. Das Durchschnittsalter der BMW-Liebhaber, die bei Bob und seinem Team auf Einkaufstour gehen, liegt zwischen 30 und 40 Jahren. Bob Suzuki: „Als ich damals eröffnet habe, gab es so etwas hier in Japan einfach nicht. Die ersten Autos, an denen wir gearbeitet haben, waren E 36er.“ Doch mit Umbauten an Fahrwerk, Dämpfern, Felgen und Auspuffanlagen war es schneller als gedacht nicht mehr getan. Die Kunden wollten immer mehr, immer speziellere Umbauten und kamen von immer weiter her. Teile und Kontakte gab es für das Team von Bob Suzuki anfangs nur in Deutschland. Seit Mitte der 1990er Jahre reist der Inhaber eines eigenen Rennstalls regelmäßig nach Deutschland, macht Abstecher in die BMW-Zentrale nach München und besucht dann gleich noch seine zweite Leidenschaft: die Eifel mit ihrem kurvenreichen Nürburgring. 

Gerade parkt Haruto mit seinem weißen BMW Z4 Coupé vor dem Laden von Bob Suzuki. „Ich komme regelmäßig her und kaufe Teile oder lasse etwas an meinen Autos machen“, posiert Haruto am Heck seines getunten Z4 Coupé mit einem gigantischen Auspuff-Endtopf, „ich habe sechs Autos – darunter auch mehrere Z4. Ich liebe die Autos einfach und mache regelmäßig Ausfahrten.“ Schnell holt er sein Smartphone heraus und zeigt Bilder von den letzten Ausflügen mit weiteren M-Fans. „Für BMW-Teile gibt es für mich nur die Studie AG“, sagt er und verschwindet eilig zum Teileverkauf, wo sich Firmen wie Eibach, Bilstein oder KW ihre Sportfahrwerke anpreisen.  

Speziell an Wochenenden trifft sich die Tuningszene nachts an Autobahnkreuzen, um die eigenen Spoilerkarossen mit Gleichgesinnten zu bestaunen. In die Studie AG kommen allein BMW-Afficinados. Unter ihnen immer wieder auch Touristen oder Deutsche, die gerade in Japan arbeiten, denn Bob Suzuki ist nicht erst durch Instagram und Social Media Kult geworden. Das eigene Studie AG Rennteam hat ihn nur bekannter gemacht. „Dass BMW in Japan eine leidenschaftliche Fangemeinde hat, ist meiner Meinung nach auf die Übereinstimmung zwischen den Werten der Marke und dem japanischen Temperament zurückzuführen“, erzählt Bob Suzuki. Wenn er nicht auf einer der großen Rennstrecken der Welt oder in seinem Laden arbeitet, zieht es ihn zur Kurvenhatz rund eineinhalb Stunden südlich. „Eine meiner absoluten Lieblingsstrecken ist der Hakone Turnpike“, lacht er, „eine wirklich aufregende Straße, die sich perfekt für meine Autos eignet. 13 Kilometer wunderschön geschwungene Kurven und ein Höhenunterschied von 981 Metern.“ 

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