Gefährliche Achterbahn ins Glück
Was dem Europäer die Nordschleife des Nürburgrings, ist dem Australier die Rennstrecke von Bathurst mit ihrem legendären 12-Stunden-Rennen. Den Vergleich mit dem Auf und Ab in der grünen Eifel muss der traditionsreiche Rennkurs im australischen Niemandsland nicht fürchten – im Gegenteil.
Die Piste von Bathurst gehört zu den bekanntesten Rennstrecken der Welt. Ähnliche wie der Hochgeschwindigkeitskurs an der Sarthe in Le Mans und wie in grauer Vergangenheit einmal der Nürburgring, ist der 1938 eröffnete Mount Panorama Circuit mit seiner Länge von 6,2 Kilometern Länge den Großteil des Jahres eine öffentliche Straße und die wohl einzige Sehenswürdigkeit in der 35.000-Einwohner-Stadt im australischen Bundestaat New South Wales. Ungewöhnlich für eine derartige Strecke: der Höhenunterschied ist mit über 170 Metern und Steigungen von bis zu 16 Prozent nicht nur in einem Rennwagen eine Schau. Im Jahreskalender der internationalen Tourenwagensaison hat der Auftakt der interkontinentalen GT Challenge seinen festen Platz und ist nicht allein in Australien für viele bekannter als das Formel-1-Rennen, das in zwei Wochen die Saison eröffnet. „Das Bathurst 12 Hour 2026 war ein wahrhaft unvergessliches Event mit einem Besucherrekord, der die Magie des Mount Panorama erleben wollte“, sagt Veranstaltungsleiter Shane Rudzis, „wir sind unglaublich stolz darauf, wie Fans, Teams und Partner dieses Rennen mit so viel Leidenschaft und Begeisterung unterstützen. Die diesjährige Teilnehmerzahl spiegelt die wachsende globale Bedeutung des 12-Stunden-Rennens und das Engagement aller Beteiligten wider, die dieses Event möglich machen.“

35 Teams mit ihren bis zu 600 PS starken GT-Boliden von zehn unterschiedlichen Marken sind das eine, denn die Riege der Rennfahrer auf der Starterliste kann sich jedes Jahr aufs Neue sehen lassen. Wer als Pilot etwas auf sich hält, der nimmt die aufwendige Reise nach Down Under auf sich und reist aus Asien, Europa oder den USA an die australische Ostküste, um die renommierte Siegestrophäe in die Höhe zu recken. In diesem Jahr gab es einmal mehr deutsche Festspiele, denn nachdem 2024 Porsche gewonnen hatte und BMW 2025 einen Doppelsieg feiern konnte, setzte sich dieses Jahr Mercedes durch. Im Ziel hatte der Mercedes AMG GT3 mit der Startnummer 888 (Besetzung: Engel/Martin/Grenier) nach 262 gefahrenen Rennrunden eine Sekunde Vorsprung vor dem Porsche 911 GT3 (Li/Fjordbach/Boccolacci) und dem bestplatzierten BMW M4 GT3 (Rossi/Farfus/Marciello) mit weiteren knapp sieben Sekunden Abstand. Wie gefährlich die Rennstrecke in der australischen Steppe ist, zeigten nicht nur die zahlreichen Pace-Car-Phasen oder eine Rennunterbrechung drei Stunden vor dem Zieleinlauf nach einem schweren Unfall im Bergstück, sondern als der deutsche Rennfahrer Christopher Mies mit seinem Ford Mustang GT3 kurz nach dem Start in ausklingender Nacht bei Tempo 250 ein über die Strecke hüpfendes Känguru zerfetzte, das noch andere Fahrzeuge beschädigte.

Der Mount Panorama Kurs gilt als eine der gefährlichsten und spektakulärsten Rennstrecken der Welt und mit durch sein Auf und Nieder, zwei lange Geraden den Berg hinauf und wieder herunter mit einem Kurvengeschlängel auf mehr als 800 Metern Seehöhe seinen ganz eigenen Charakter. Kängurus, Wallabys und Schlangen machen sich immer wieder auf der Strecke breit, deren Streckenabschnitte Griffings Bend, The Cutting, Frog Hollow oder The Dipper nahezu jeder australische Junge herunterbeten kann. Dabei sind die Sicherheitsvorkehrungen mit denen europäischer Rennstrecken kaum zu vergleichen und ohne nennenswerte Fangzäune und Auslaufzonen sich kaum besser als 1966, als Mini einen legendären Sieg feiern konnte. Auf den ersten neun Plätzen der damaligen Gallagher 500 waren Morris Cooper S platziert. Der Sieger: Rallye-Ikone Rauno Altonen mit seinem Partner Bob Holden. Die wenigen Minis setzten sich letztlich deutlich gegen die hubraum- und leistungsstärkeren Tourenwagen durch, denn erst auf Platz zehn landete ein Chrysler Valiant V8.
Heute wird das Rennen von deutlich leistungsstärkeren GT3-Tourenwaren wie BMW M4, Porsche 911, Corvette Z06, Audi R8 LMS, Mercedes AMG, Aston Martin Vantage oder Ford Mustang dominiert. Die Einzigartigkeit der Rennstrecke ich jedoch geblieben und jedes Jahr ist das 12-h-Rennen von Bathurst mit dem Start in noch stockdunklem Frühmorgen um 5.45 h Ortszeit einer der Höhepunkte im Rennsportkalender. Kein Wunder, dass er in diesem Jahr mit mehr als 55.000 Zuschauern einen neuen Publikumsrekord gab. Und wer in der Tourenwagenszene etwas sein will, muss hier mindestens einmal gefahren und zumindest auf dem Podium gelandet sein.
















