Elektroautos in Down Under

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VonStefan Grundhoff

19. Februar 2026

Zunehmend elektrisch

Australien wird elektrisch. Der fünfte Kontinent, bekannt für Kängurus, endloses Outback, Giftschlangen und den gigantischen Ayers Rock wird überraschend elektrisch. Eine Tour mit dem Mini Aceman soll zeigen, wieso viele Australier umsteigen – zumindest in den großen Städten.

Wer an Australien denkt, der sieht vor dem geistigen Auge hüpfende Kängurus, verdörrte Steppen, sportbegeisterte Einwohner und eine Handvoll turbulenter Metropolen. Sidney ist so eine Stadt, die unter den Weltstädten zumeist erst in der zweiten oder dritten Reihe genannt wird. Mit einzigartiger Historie an einem schützenden Hafenbecken gelegen, ist sie mit rund fünfeinhalb Millionen Einwohnern deutlich größer als viele denken. Wer die anderen Millionenagglomerationen Melbourne, Brisbane und Perth dazu nimmt, sieht wie dünn das Land mit seinen mehr als 7,5 Millionen Quadratkilometern Fläche überhaupt besiedelt ist. Sydney ist trotz seiner zahlreichen historischen Gebäude eine moderne, betont junge Stadt. Das ist auch im Straßenbild zu erkennen, denn hier geben längst Jogger, Fußgänger und Radfahrer den Ton an. Die engen Straßen sind überfüllt und selbst für kurze Strecken gilt es längere Zeiten einzuplanen. Nicht allein, weil das Hafenbecken, zahllose Tunnel und die legendäre Harbour Bridge automobile Flaschenhälse sind, die Zeit kosten – Tag für Tag.

Nachdem General Motor sein letztes lokales Holden-Werk geschlossen hat, fehlt der australischen Autoindustrie das Aushängeschild. Mit 1,2 Millionen Neufahrzeugen in 2025 geht es der Autoindustrie in Down Under jedoch recht gut. Abseits der Großstädte dreht sich im Straßenbild fast alles um Pick-Ups und auch zwischen den engen Häuserschluchten von Sydney oder Melbourne gibt es an jeder Ecke Toyota Hilux, Ford Ranger oder Mitsubishi L200 zu sehen. Meistens sind diese mit Stollenreifen, Luftschnorchel, LED-Zusatzscheinwerfer sowie Rammschutz aufwendig umgebaut und die Bullenfänger sind eine absolutes Muss. Täglich kommt es in  jedem der Bundestaaten zu schweren Zusammenstößen von Kängurus oder Gürteltieren mit den Autos. Kein Wunder, dass sogar viele Überlandbusse, Polizei- oder Krankenwagen mit dem Schutzgitter ausgestattet sind. Der hiesige Automarkt in Australien wird von Toyota dominiert, der vergangenes Jahr knapp 240.000 Fahrzeuge verkaufte. Auf den Plätzen mit gewaltigem Abstand Ford (94.000) und Mazda (91.000) gefolgt vom südkoreanischen Doppelpack aus Kia (82.000) und Hyundai (77.000 Fahrzeuge). Mehr als 60 Prozent der über 1,2 Millionen Neuzulassungen in 2025 sind Crossover – zumeist mit Allradantrieb. Das meistverkaufte Auto: der Midsize-Pick-Up Ford Ranger. 

Doch wer genau hinschaut sieht, dass sich zwischen die Geländewagen mit offener Ladefläche unter stechender Sonne auch auf der Südhalbkugel immer mehr Elektroautos mischen. Der einst unangefochtene Elektrohersteller Tesla hat zuletzt mehr als ein Viertel seiner Verkäufe verloren und wird von der internationalen Konkurrenz aus Asien und Europa unter Druck gesetzt. Der blaue Mini Aceman fällt im Straßenbild nicht allein wegen seiner kräftigen Koloration auf. Touristen und Einheimische drehen sich um, wenn der kompakte Crossover nahezu geräuschlos vorbeirollt. Vom Touristenstadtteil The Rock geht es vorbei an Cruise Terminal über die Harbour Bridge nach North Sydney. Hier befindet sich eine der wenigen Schnellladestationen, denn auch wenn die Elektroautos mit einem Verkaufsanteil von 8,3 Prozent immer beliebter werden, tut sich bei den Ladesäulen wenig. An der BP-Tankstelle gibt es zumindest zwei Schnelllader – mit gerade einmal 75 kW. Selbst Marktführer Tesla betreibt in den Großräumen wie Sydney kaum Supercharger. An Ladesäulen wie Ridge Street, Queen Street oder am Cammeray Square liegen die Kosten pro kWh zwischen 0,60 und 0,75 Cent – 0,38 bis 0,60 Euro. Bisweilen kommen Parkkosten dazu und die sind in den Parkhäusern gigantische – schnell mehr als 15 Euro pro Stunde. Immerhin sind neben den Lade- auch die Tankkosten überschaubar. Ein Liter Super kostet 1,70 Aussie-Dollars – rund ein Euro.

„Die Zahl der Ladestationen hier ist nicht mit denen in Europa zu vergleichen“, erzählt Alexander Brockhoff, General Manager von Mini Australien, „die meisten Kunden laden ihre Fahrzeuge zu Hause. Wir haben mittlerweile eine Elektroquote von rund 30 Prozent.“ Gerade in den Städten ist die Elektromobilität auf dem Vormarsch und der Elektroanteil liegt landesweit aktuell bei knapp über acht Prozent. Auch die Plug-in-Hybriden sind nicht zuletzt entsprechender Subventionen deutlich auf dem Vormarsch. Knapp 54.000 Neuzulassungen bedeuten einen Zuwachs von 130 Prozent im vergangenen Jahr. Der sogenannte „New Vehicle Efficiency Standard“ sowie der „Federal Electric Car Discount“ dürften zusammen mit aktuell mehr als 85 Modellen auf dem lokalen Markt dafür sorgen, dass die Zahlen der Steckermodelle deutlich ansteigen. Wer jedoch auf längeren Strecken zwischen den Metropolen Sydney, Brisbane, Canberra oder Melbourne unterwegs ist, muss sich vorher anschauen, wo geladen werden kann, denn das Netz an Schnellladern ist dünn und mehr als 150 kW gibt es ohnehin so selten wie einen quirligen Koala-Bären. Gut für die Reichweite der Elektromodelle: die Tempolimits von maximal 100 / 110 km/h auf der Autobahn werden ebenso streng kontrolliert wie in den Innenstädten Tempo 50 bis 70. Vollgas geht es da allenfalls einmal durchs verlassene Outback.

Dafür sorgen nicht zuletzt die Autohersteller aus Asien und speziell China, die sich immer mehr auf dem australischen Markt breit machen. Ohne Zollschranken haben sie die mittlerweile eingestellte australische Autoproduktion mehr als ersetzt und so setzen sich China-Marken wie BYD, MG oder Great Wall Motors immer mehr in den Volumensegmenten durch. Geht es jedoch um hochpreisige Modelle, führt an Fahrzeugen aus Europa und Deutschland kaum ein Weg vorbei. „Autos, die mehr als 91.000 australische Dollars kosten, erhalten zusätzlich eine Luxussteuer in Höhe von 33 Prozent“, sagt Johannes Schoen, verantwortlich für die Mercedes-Verkäufe in dem Kontinent, „das trifft bei uns bereits eine C-Klasse oder einen GLC.“ Verbraucht das Neufahrzeug mehr als sieben Liter pro 100 Kilometer, geht es für die Luxussteuer bereits bei 80.000 australischen Dollar los. 

Zusammen mit den endlosen Weiten und oftmals unbefestigten Wegen im Outback keine große Überraschung, dass die Zulassungsstatistik von Geländewagen und Pick-Ups wie Ford Ranger / Everest, Toyota RAV4 / Hilux oder Toyota Land Cruiser Prado dominiert wird. Die beiden großen Importmarken dürfte sich in den kommenden Jahren zunehmend mit Herstellern aus China und Südkorea auseinandersetzen, denn beide Nationen setzen betont auf elektrische Crossover und profitieren von einer Freihandelszone ohne Zölle. 

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