Opel Design der Zukunft

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VonStefan Grundhoff

25. Februar 2026

Markant statt extravagant

Es könnte besser laufen im Hause Opel. Und die gigantischen Abschreibungen des Stellantis Konzerns in Höhe von insgesamt 22 Milliarden Euro haben die Situation auch für die Rüsselsheimer nicht einfacher gemacht. Doch unter dem neuen Firmen-CEO Antonio Filosa dürfte es für die einzelnen Marken wieder mehr Luft zum Atmen geben.

Für die zahlreichen Stellantis Marken sind die Zeiten alles andere als leicht und die Korrektur weg von dem einst eingeschlagenen Tavares-Kurs voll in Richtung Elektromobilität zu einer betont offenen Ausrichtung der Antriebsarten bringt Antonio Filosa zwar Szenenapplaus, kostet jedoch einen gigantischen zweistelligen Milliardenbetrag. Zukünftig sollen sich die Marken untereinander wieder mehr voneinander unterscheiden – auch bei den Antrieben. „Die Marke ist das Herz. Deshalb haben wir bei Stellantis beschlossen, die europäischen Marken wieder in die europäische Organisation zu verlagern, um näher am Kunden zu sein, ihm zuzuhören, seine Bedürfnisse zu verstehen, seine Prioritäten zu erkennen“, erklärt Emanuele Cappellano als europäischer Stellantis-Chef. Deutlicher kann man eine Abkehr vom bisherigen Kurs – eingeführt unter Carlos Tavares – nicht formulieren.

Neben den Antrieben ist das Design zentrales Kriterium der Unterscheidung, bei dem Gilles Vidal die einzelnen Marken choreographiert. „Alles dreht sich heute schneller“, erläutert der Franzose als Kreativ-Dirigent, „angetrieben wird das insbesondere durch die Consumer Electronics. Für die Kunden wird vieles heute schnell langweilig. Darauf müssen wir reagieren.“ Für Opel als deutsche Marke in dem bunten Markenpotpourri des Vielmarkenbetriebs bedeutet das, dass die Designlinie der vergangenen Jahre unter Mark Adams fortgesetzt wird. Allzu extravagante Kreationen wird es bei zukünftigen neuen Modellen kaum geben. „Der Kunde entscheidet, was gutes Design ist und ob das Auto die Chance hat, zu einer Ikone zu werden“, erläutert Gilles Vidal, „deutsches Design ist nicht crazy, sondern ist Ausdruck der hiesigen Ingenieurskunst. Die liegt nach wie vor über anderen in der Welt. Die meisten Kunden wollen Autos, die sie verstehen. Mutiger werden kann man dann, wenn sich der Elektroantrieb letztlich durchgesetzt hat.“

Marken wie Mercedes mit seiner EQ-Familie, VW mit seinen frühen ID-Modellen oder Porsche mit einem Elektrofahrzeug wie dem Taycan hatten hier in den letzten Jahren kräftig Lehrgeld zahlen müssen. Kunden und Fans gingen mit der eingeschlagenen Elektrostrategie – optisch klar zu erkennen – auf die Barrikaden und wanderten zur Konkurrenz. Als Folge wurden die nachfolgenden Modellgenerationen in Sachen Extravaganz deutlich zurückgenommen und mehr an das Aussehen der anderen Markenmodelle angeglichen. „Man hat bei einem Elektroauto natürlich mehr Designfreiheiten“, erläutert Opel-Chefdesigner Mark Adams, „doch wenn wir etwas wirklich Neues erfinden, muss es auch Vorteile haben und wirklich besser sein. Erst autonome Fahrzeuge werden Autos im Innern neu erfinden. Die größten Veränderungen kommen erst noch – auch außen.“

Daher darf man beim kommenden Opel Corsa gespannt sein, wie die auf der Münchner IAA im Herbst 2025 vorgestellte Konzeptstudie des GSE Vision Gran Turismo in die Serie umgesetzt wird. Allzu extravagant wird das Volumenmodell, an dem bei den Rüsselsheimern viel hängt, daher ab 2027 / 2028 kaum werden. „Trotzdem müssen wir unsere Marke begehrlich machen“, legt Mark Adams nach, „eine französische oder italienische Marke macht einiges anders. Wir wollen eine echte Kundenexperience und bei den Modellen keine russischen Puppen.“

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