Power-Hybriden schieben Elektromodelle nach hinten

Avatar-Foto

VonStefan Grundhoff

25. Februar 2026

In der Warteschleife

Bei den Volumenmodellen nimmt der Verkauf der Elektrofahrzeuge markenübergreifend längst Fahrt auf. Egal ob Kleinwagen, Mittelklassemodell oder geräumiger Familienvan – immer mehr Neuzulassungen tragen einen Elektroantrieb in sich. Ganz anders sieht es jedoch bei Luxusmodellen und exklusiven Sportwagen aus. Hier setzen immer mehr Hersteller auf Verbrenner – bestenfalls mit einem Hybridmodul.

Der neue Audi RS5 bietet fraglos spektakuläre Fahrleistungen. Hatte man dem erfolgreichen Vorgänger RS4 im direkten Wettbewerbsvergleich noch ein Leistungsdefizit zur immer stärker werdenden Konkurrenz bescheinigen müssen, sieht das beim neuen Modell ganz anders aus. Der 2,9 Liter große V6-Turbo wird von einem leistungsstarken Elektromotor unterstützt, der die Gesamtleistung auf stattliche 639 PS erhöht. Eine vergleichbare Sportversion mit reinem Elektroantrieb sucht man beim Ingolstädter Autobauer vergeblich. 

Die Konzerntochter Lamborghini zog bei seiner vierten Modellreihe – geplant ab Ende des Jahrzehnts – zumindest teilweise den Stecker. Statt des ehemals geplanten Lanzador, einem 1.000 kW / 1.360 PS starken Elektro-Crossover, wird nun nicht allein eine neu entwickelte Hybridversion des Urus II anrollen, sondern eine 2+2-sitziges Coupé mit Plug-in-Hybridantrieb. Lamborghini-CEO verweist auf ein klares Kundenbekenntnis gegen einen Elektro- und für einen Hybridantrieb mit leistungsstarkem V8-Triebwerk.

Der Trend bei den Sportwagen ist alles andere als neu, denn auch Mate Rimac, europäischer Elektro-Pionier und CEO von Bugatti-Rimac, musste bei seinem Hypersportwagen Rimac Nevera bemerken, dass die Nachfrage deutlich geringer war, als ehemals geplant. Der bekennende Elektro-Fan entwickelt mit seinem Team gerade an einem neuen Hypersportwagen, der nicht von einem Elektromotor, sondern einem 16-Zylinder mit Elektrounterstützung angetrieben wird. 

Anders sieht es bei Ferrari aus, denn der Autobauer aus Maranello stellt in diesem Frühsommer seinen ersten rein elektrischen Crossover namens Luce vor. Viele der Ferrari-Fans sind von der Idee, auf die hoch emotionalen Sechs-, Acht- und Zwölfzylinder verzichten zu müssen, alles andere als begeistert. Auch intern hatte es mit den Familien Agnelli und dem Stellantis Konzern im Hintergrund große Diskussionen gegeben, ob und wann Ferrari ein Elektroauto brauche. Bei Rolls-Royce steht der allemal überzeugende Spectre als spektakuläres Luxuscoupé wie Blei in den Showräumen der Händler und auch bei Bentley wurde die einst von Adrian Hallmark ausgerufene Elektrostrategie von Nachfolger Frank-Steffen Walliser wieder einkassiert. Zunächst sollen es in erster Linie leistungsstarke Hybriden richten und auch bei den bestens betuchten Maybach-Kunden ist die Nachfrage nach imageträchtigen Acht- und insbesondere Zwölfzylindern größer als nach einem flüsterleisen Elektroantrieb.

Die Gründe für die Zurückhaltung oder gar eine Abneigung dem Elektroantrieb bei einem Luxusmodell sowie einem leistungsstarken Sportwagen sind vielfältig. An den reinen Fahrleistungen kann es nicht liegen, denn diese sind mit einem Elektroantrieb schlicht spektakulär und das übergroße Gewicht interessiert die Kunden nicht einmal am Rande. Bei den sportlichen Fahrzeugen sind es bei genauerem Befragen die Emotionen, die ein leistungsstarker Verbrenner hervorruft. Bei Lamborghini brüllen die Acht- und Zwölfzylinder schamlos, bei Ferrari drehen die V12-Sauger in wohl klingenden Höhen und wer möchte sich einen elektrischen Porsche 911 vorstellen? Der Zuffenhausener Sportwagen ohne einen Sechszylinder-Boxer? Undenkbar. Der elektrische Porsche Taycan – alles andere als ein Erfolgsmodell und bei Audi sieht es mit dem Etron GT kaum anders aus. 

Auf niedrigerer Stufe gibt es das auch bei Marken wie Alpine, Toyota, Maserati oder Alfa Romeo. Die gruben ihr leistungsstarkes Quadrifoglio-Doppelpack aus Giulia und Stelvio jüngst wieder aus – 520 PS. Elektrisch sind bei beiden Modellen nur Sitze, Fensterheber oder die Spiegelverstellung. Für viele dieser Fahrzeuge gilt, das diese nicht die einzigen und nicht das Hauptfahrzeug im Haushalt sind. Es geht vorrangig nicht um Reichweite, Ladegeschwindigkeit oder die Höchstgeschwindigkeit, sondern um Emotionen, betont weiche Faktoren und einen modern angehauchten Blick zurück in die Vergangenheit.  Daher werden die Verbrenner gerade in Sport- und Luxusmodellen nicht sterben – im Gegenteil.

Kommentar verfassen