Moda Miami 2026

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VonStefan Grundhoff

2. März 2026

Nachbarschaftsfest

Innerhalb weniger Jahre hat sich Moda Miami zu einem der bekanntesten Autoevents in den USA entwickelt. In der edelsten Wohngegend von Coral Gables treffen sich Autobegeisterte, Klassikfans und Luxusjünger im spektakulären Biltmore Hotel zu einem Event der besonderen Art. 

Das Anfang der 1920er Jahre erbaute Biltmore Hotel, jahrzehntelang als Krankenhaus genutzt, ist einer der architektonischen Höhepunkte von Florida. Seine südländische Architektur mit dem über 100 Meter hohen Turm, spektakulärer Poolanlage und angeschlossenem Golfplatz sicherte dem erst seit Ende der 1980er Jahre wiedereröffneten Hotel zahlreiche Auftritte in Film wie Bad Boys sowie TV-Serien wie Miami Vice oder CSI Miami. In der einst größten Poolanlage auf der Welt war Tarzan-Star Johnny Weissmüller einst Bademeister. Seit 2024 ist das Biltmore Hotel mit seiner exklusiven Nachbarschaft sehenswerter Veranstaltungsort von Moda Miami, einem Auto- und Oldtimerevent, der weit mehr sein will als eben nur dies. Wer in Florida etwas auf sich hält, wer dem Schnee in New York entfliehen möchte oder auf den Keys sein Wochenendrefugium hat, der schaut nur allzu gerne bei Moda Miami vorbei, genießt die lässige Atmosphäre von millionenschweren Klassikern, kaum weniger günstigen Sportwagen und flaniert über den sachfremd genutzten Golfplatz hinter dem im gelben Sonnenlicht schimmernden Biltmore Hotel.

In der geschichtsträchtigen Stimmung des historischen Luxushotels mischen sich Autofans aus den USA, Europa und Asien, filmen Carspotter exklusive Einzelstücke und schauen bei den Versteigerungen von Luxusmakler RM Sotheby’s vorbei, die einige überraschend stattliche Erträge erzielten. Mercedes lässt nach 140 Jahren seinen Patent Motorwagen durch die Mangroven knattern und zeigt vielen Besuchern, dass das Ford Model-T eben nicht das erste Auto war. Noch spektakulärer ist jedoch einer der wenigen American Mercedes aus dem Jahre 1905, der belegt, dass die Schwaben schon immer eine ganz besondere Beziehung zu den USA hatten und haben. Der deutschstämmige Klavierfabrikant William Steinway gründete in Long Island / New York einst die Daimler Motor Company, importierte Motoren und baute nach Simplex-Vorbild höchst amerikanische Mercedes-Modelle. 

Nach der Abspaltung von der Traditionsveranstaltung Amelia Island, die nunmehr eine Woche später und 400 Meilen weiter nördlich stattfindet, hat sich Moda Miami schneller als von vielen erwartet im Kalender etabliert und insbesondere durch die einzigartige Lokalität und spektakuläre Fahrzeuge gibt es ein großes Publikumsinteresse. Zu Preisen ab 275 US-Dollar kann man den Charme eines ebenso entspannten wie luxuriösen Nachbarschaftsfestes genießen, trifft gleichgesinnte Autofans aus aller Welt, die nicht nur die Fahrzeuge, sondern auch sich selbst feiern. Wer früher als die anderen flanieren will, zahlt nochmals 85 US-Dollar extra und die Ultimate Tickets mit Zugang zu Versteigerung und dem elitären 100er-Club sind ebenso seit Wochen ausverkauft wie das VIP Parking mit einem Fuhrpark, der landesweit seinesgleichen sucht. Kein Wunder, denn die Luxusenklaven von Miami sind eben nur 15 Minuten entfernt. Da schaut man gerne einmal vorbei, wenn gleich die kräftigen Regenschauer den ein oder anderen Besucher von der kurzen Fahrt nach Coral Gables abhielten. 

Vergleicht man Moda Miami mit der ungeliebten und deutlich etablierteren Schwesterveranstaltung Amelia Island oder gar dem übermächtigem August-Event von Pebble Beach an der Westküste, geht es rund um das Biltmore Hotel entspannter, lässiger und insbesondere spürbar jünger zu. Luxusmodelle von Kleinserienherstellern wie Czinger, Hennessey, Singer oder Gunther sind ebenfalls zu bestaunen wie zahlreiche Neuauflagen von HWA über SSC oder HK Motorcars bis zum Speester von SP40 Restomod aus Argentinien. „Wir wollen von unserem Speedster pro Jahr maximal zwölf Fahrzeuge bauen“, erläutert Arturo Arrebillaga, einer der Firmengründer aus Buenos Aires, „optisch der Traumwagen on Edsel Ford haben wir dem offenen Auto eine Karbonkarosserie und einen Coyote-V8 verpasst.“ Heftiger Fahrwind für 500.000 US-Dollar inklusive. Da träumen viele doch lieber von einem Mercedes 300 Adenauer, einem Bizzarini 5300 GT, dem US-Dreamcar Ford Mustang, einem Duisenberg Model J oder einem Ferrari 365.

Die Atmosphäre unter dem mächtigen Biltmore-Turm macht den Unterschied. Über 400 Fahrzeuge aus Vorkrieg, Nachkrieg, europäische Sportwagen und US-Musclecars stehen dicht an dicht zwischen Bunker und Grüns des angrenzenden Golfkurses, während rund um den einst größer künstlich angelegten Pool auf der Welt getratscht und gefachsimpelt wird, derweil erste Geschäfte angebahnt werden. Nach dem Regenschauer noch eine kleine Runde mit Blick auf den American Mercedes von 1905, den weißen BMW 507 oder die Ugly Cars, die beim Luxusevent im Süden Floridas ebenfalls eine Bühne bekommen. Viele ziehen Anfang der Woche aus Coral Gables und dem Großraum Miami weiter nach Norden, wo ab Donnerstag der nächste Autoevent in Amelia Island – zwei Nummern größer – stattfindet. 

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